Das Amazon-Imperium

Amazon ist der Gigant im Online-Handel1. Mit einem Marktanteil von 43 Prozent in den USA2 und 30-38 Prozent in Deutschland3 lässt das Unternehmen seine Konkurrenz weit hinter sich. Dabei will Amazon laut seinem Gründer und Chef Jeff Bezos der „everything store“ sein, der seinen Kunden alles bieten kann, und das zu günstigsten Konditionen. Neben Büchern, Medien und Elektronik, gibt es längst auch Kleidung, Haushaltswaren, einen erfolgreichen Cloud-Service sowie Filmstudios von Amazon. Amazon ist so groß, weil es nicht nur ein eigenes Sortiment, sondern auch eine Plattform bietet: von Händler*in bis zur*m kleinen Produzent*in können Anbieter*innen hier ihre Waren verkaufen – und bescheren Amazon dafür Händlergebühren. Amazon verdient an jedem Artikel 10-12 Prozent mit. Die Plattform nutzt Amazon zum Lernen: was gut läuft, wird häufig vom Unternehmen selbst angeboten und im Preis angepasst4, egal ob es den kleinen Händlern schadet.

 

Hier sieht man, welche Firmen Amazon in den vergangenen Jahren aufgekauft hat und an welchen Anteile erworben wurden – ein wahres Imperium:

The Bezos Empire 1 - Deutsch
The Bezos Empire 4 - Bezos Expeditions Kapitalanlagen Deutsch Einzeln
The Bezos Empire 2 - Übernahmen Deutsch
The Bezos Empire 3 - Amazons Kapitalanlagen Deutsch Einzeln
The Bezos Empire 5 - private Kapitalanlagen Deutsch

 

Erst Buchläden, dann Bauernhöfe platt machen?

 
Am Buchmarkt konnte man Amazons Vorgehen auf neuen Märkten gut studieren: die Konkurrenz wurde entweder aufgekauft oder mit Niedrigpreisen auf Bestseller so lange unterboten, bis sie aufgeben musste. Aufgrund seiner Größe und der breiten Produktpalette kann sich Amazon das Preisdumping über eine lange Zeit erlauben. Das Unternehmen machte jahrelang miese oder einen sehr geringen Umsatz, denn sein Ziel ist die Marktdominanz und Kundenbindung.

Das Konzept ist aufgegangen: Viele Produkte findet man bei der Suche im Netz als erstes oder nur noch auf Amazon. Laut einer repräsentativen Umfrage unter Online-Käufer*innen kaufen 90 Prozent von diesen bei Amazon. 35 Prozent sind Amazon-Prime-Kund*innen, die mit einem monatlichen Beitrag von 7,99 € an den Konzern Vergünstigungen erhalten5. In den USA sind schon die Hälfte aller Haushalte Prime-Kunden und die Hälfte aller Produkt-Recherchen im Netz starten direkt auf Amazon6.

Dabei lassen wir als Kund*innen viele Daten beim Konzern, der damit Wissen über unser Verhalten sammelt, Vorschläge generiert („Kund*innen, die diese Gurke gekauft haben, interessierten sie auch für jenen Sellerie“) und großflächig Prognosen anstellen kann, die ihm der Konkurrenz gegenüber Vorteile verschafft. In den USA macht der Online-Handel mit Lebensmitteln gerade rund 4 Prozent des Lebensmittelhandels aus, wobei ein Viertel aller Haushalte bereits einige Lebensmittel online bestellen. Prognostiziert wird hier ein Wachstum7, einer Studie des Food Marketing Institutes zufolge auf 20 Prozent bis 20258. Amazon hofft mit seinem Einstieg in den deutschen Lebensmittelmarkt, wohl auch hier einen Online-Boom auszulösen.
 

Supermärkte der Zukunft

 
In den USA probiert Amazon allerlei aus – online und in realen Läden. Folgendes oder mehr könnte also auch auf uns zukommen:

  • Amazon fresh: Online-Einkauf, der per Kurier geschickt wird und bei dem Waren aus Amazons Lagern ebenso vertreten sind wie welche, die von „Pickern“ in kooperierenden Läden oder auf Märkten zusammengetragen werden. Seit Mai auch in Berlin, Potsdam und Hamburg verfügbar. Dafür zahlen Amazon-Kunden 9,99 Euro im Monat. Allerdings müssen sie dafür schon Kunden des Premiumdienstes Prime sein, was 69 Euro im Jahr kostet. Die Lieferung innerhalb von einer Stunde wird nochmal mit einem Aufschlag von 6,99 EUR berechnet.

  • Amazon go: Der Amazon-Supermarkt in Seattle ist noch in der Testphase. Er funktioniert ohne Barzahlen und ohne Personal, dafür mit einer Menge Überwachung. Kund*innen loggen sich beim Betreten des Geschäfts über‘s Smartphone mit dem eigenem Amazon-Konto ein. Sensoren übermitteln, welche Waren sie in ihren Einkaufskorb legen. Verlassen sie den Laden, wird die zu bezahlende Summe von ihrem Konto abgebucht. Daten ihrer Bewegungen, Kamerabilder oder sogar die Analyse ihrer Emotionen werden mit den Daten verknüpft, die Amazon online über die Kunden gespeichert hat und ergeben exakte Profile.

  • Pick-up stores: ebenfalls in den USA in der Testphase. Der Einkauf funktioniert online, Kund*innen fahren dann mit dem Auto vor und lassen sich ihren Einkaufskorb direkt in den Kofferraum packen.

  • Eigene Supermärkte: Mit den gekauften Läden der Whole Foods – Kette kann Amazon jetzt auch damit experimentieren. Sicherlich wird der Konzern sie als Lager und Basis nutzen, um ein hochpreisiges Biosortiment in der Fläche ausliefern zu können.

  • Reuters9 berichtet, tüftelt der Konzern derzeit an einer Möglichkeit, um bereits fertig gekochte Gerichte an Kunden auszuliefern. Zumindest hat Amazon sich schonmal bei einem Denver Startup erkundigt, die ein Verfahren anbieten, das ursprünglich fürs Militär entwickelt wurde. Dabei werden gekochte und versiegelte Gerichte so behandelt, dass sie ohne Kühlung haltbar sind. Ein neuer Geschäftszweig für Amazon (irgendwie nicht so) fresh?

 

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1 Handelsdaten.de (2017): Marktanteil von Amazon am gesamten Online-Handelsumsatz in Deutschland in den Jahren 2008 bis 2016 (in Prozent), https://www.handelsdaten.de/deutschsprachiger-einzelhandel/marktanteil-von-amazon-am-gesamten-online-handelsumsatz-deutschland
2 businessinsider.de (2017): Amazon accounts for 43% of US online retail sales, http://www.businessinsider.de/amazon-accounts-for-43-of-us-online-retail-sales-2017-2?r=US&IR=T
3 Netzoekonom.de (2015): Amazon baut Anteil am deutschen Online-Handel auf 38 Prozent aus, https://netzoekonom.de/2015/07/24/amazon-baut-anteil-am-deutschen-online-handel-auf-31-prozent-aus/
4 Zdf (2016): Zoom+ – Die Macht von Amazon, https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-die-macht-von-amazon-100.html
5 PwC Deutschland (2017): „Total Retail 2017“ Von Chatbot bis Showroom: Diese sechs Trends verändern den Handel, https://www.pwc.de/de/handel-und-konsumguter/von-chatbot-bis-showroom-diese-sechs-trends-veraendern-den-handel.html

6 ILSR (2016): Amazon`s Stranglehold, https://ilsr.org/wp-content/uploads/2016/11/ILSR_AmazonReport_final.pdf

7 E-Marketer.com (2017): Report 2017: Ecommerce in the Grocery Sector: Retailers and Brands Innovate to Propel Growth in 2017 https://www.emarketer.com/Report/Ecommerce-Grocery-Sector-Retailers-Brands-Innovate-Propel-Growth-2017/2002007

8 Food marketing Institute (2017): Grocery is the next big retail sector being Re-Shaped by Digital, https://www.fmi.org/digital-shopper/?utm_source=fmi-press-release&utm_medium=pr&utm_campaign=DigitalShopper

9 Reuters (2017): Amazon looks to new food technology for home deliver, http://www.reuters.com/article/us-amazon-com-food-idUSKBN1AR11X?feedType=RSS&feedName=technologyNews