Bayer-Hauptversammlung und Fusionspläne – Widerstand offensiv und kreativ

Noch bevor sich die ersten Aktionäre am Eingang zur Hauptversammlung der Bayer AG am 28. April in Bonn eingefunden hatten, rangierten die Aktiven von der AbL und Aktion Agrar sowie dem Bündnis Meine-Landwirtschaft ein vorsintflutliches Ungetüm in die beste Position:
Die riesige Kartoffeldämpfmaschine fuhr Anfang des 20. Jahrhunderts über die Dörfer und half dabei, große Mengen Kartoffeln zu dämpfen und dann unterirdisch einzulagern – als Kartoffelsilage für die Schweine.
Sobald das schwere Gefährt unweit des Eingangs zur Aktionärsversammlung stand, wurde es mit Bannern dekoriert und zeigte seine neue Bestimmung: als Patent- und Fusionsvertrags-Verbrennungsmaschine. Fleißig eingeheizt rauchte der hohe Schlot bald beeindruckend. Wenig später stieß die Maschine ihre erste große Dampfwolke aus. Der Schlauch wurde an den Kartoffel-Topf angeschlossen.
Patentanträge auf Brokkoli, auf Sonnenbluben, auf Tomaten und weitere wanderten nach kurzen Ansprachen und Informationen über die immer weiter wachsende Macht Bayers und Monsantos ins Feuer. Auch die Fusionsverträge zwischen den Agrar-Dinosauriern sowie zahlreiche Vorgängerverträge, bei denen sich sowohl der deutsche als auch der nordamerikanische Konzern fleißig Züchtungs- und Gentechnik-Firmen einverleibt hatten landeten im Ofenloch. Fernsehkameras drängten sich um die Aktiven, um einen günstigen Bildwinkel zu erhaschen.

Auf der Bühne berichtete AbL-Geschäftsführer Georg Janssen über die fatalen Folgen der Patente auf Saatgut und Bernd Schmitz von der nordrhein-westfälischen AbL forderte eine bäuerliche Landwirtschaft, frei von den globalen Unternehmen. Jutta Sundermann rief dazu auf, sich den immer neuen und immer größeren Fusionen entgegen zu stellen.

Dieses Video zeigt, was diesem Morgen in Bonn los war.    |   Fotos von der Aktion gibt es hier…

 

Wenige Tage vor der Hauptversammlung hatten wir Post aus Brüssel im virutellen Briefkasten: Die EU-Wettbewerbskommissarin antwortete auf das Schreiben von über 200 Organisationen aus ganz Europa – unter anderem von Aktion Agrar. Sie betonte einmal mehr, die noch nicht beantragte Prüfung gewissenhaft durchzuführen. Sie werde den Antrag der Konzerne dann nach der nun aktuellen Marktlage bewerten, also die neuen Riesen Dow-Dupont und Chemchina-Syngenta berücksichtigen. Außerdem nähme sie gerne weitere Hinweise für die schädlichen Auswirkungen der Fusionen entgegen. Frau Vestager weiß, dass ihr Handeln gut beobachtet wird, macht aber keine Aussagen zu einem späteren Ergebnis. Nachzulesen zum Beispiel hier: www.foeeurope.org/opposition-rises-planned-agriculture-mega-mergers-270317

Der Widerstand gegen die Giganten-Hochzeit geht auf jeden Fall weiter. Bei Aktion Agrar wurden in den letzten Tagen fleißig Dinosaurier ausgeschnitten und zusammen mit unserer Studie zum Wettbewerbsrecht an alle Mitglieder des Agrar-Ausschusses des Bundestages sowie an Frau Vestager, Bundesagrarminister Christian Schmidt und den Chef des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt geschickt. Mit einigen wollen wir in den nächsten Wochen Gespräche führen. Die Zunahme der Konzernmacht darf nicht schulterzuckend (und schon gar nicht heimlich zustimmend) in Kauf genommen werden. Wir halten Dich auf dem Laufenden!

 

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Leonie Dorn
Leonie Dorn

Vergisst beim Anblick von Klatschmohn all ihre Sorgen und trauert Jon Stewart immer noch nach.

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