Bayer-Monsanto: Der Griff nach den Daten im Fokus

Nein, die Fusion von Bayer und Monsanto ist noch immer nicht in trockenen Tüchern. Und die Liste der Auflagen, die die EU-Kommission dem Konzern auferlegt, wächst ständig weiter.

Zu einem besonders heiklen Thema hat sich die Frage der Digitalisierung der Landwirtschaft entwickelt. Bayer will ja gerade in diesem Bereich massiv Märkte erobern.
Monsanto hat in den letzten Jahren seine Mitgift für eine Konzern-Ehe im Digitalisierungs-Gewand sortiert: Wie Friends of the Earth in seinem Dokument „Big Data, Big Agriculture, Big Problems“ darlegt, kaufte der US-Konzern 2014 eine wichtige Boden-Analyse-Abteilung von Solum und „640 Labs“, eine Firma für mobile Technologien und Cloud-Dienste, die sich auf den Einsatz von GPS spezialisiert hat, sowie die Verarbeitung von Agrar-Daten. 2016 erstand Monsanto dann noch VitalFields, eine europäische Software-Firma für Farm-Management und bereits nach dem Vertragsabschluss mit Bayer 2017 das Unternehmen Hydrobio, das auf Agrar-Datenanalyse spezialisiert ist.
Nun haken hier die kritischen Begleiter*innen der Fusionsprüfungen in Brüssel besonders nach: Sie bezweifeln, dass der Aspekt der Digitalisierung bei dieser Megafusion ausreichend berücksichtigt wird. Um das Milliardengeschäft der Agrar-Daten tobt ein weltweiter Kampf. Schon jetzt ist absehbar, dass er den kleineren Unternehmen und den Bauernhöfen kaum gut tun wird. Wer weiterlesen mag, dem sei der Oxfam-Blog von Marita Wiggerthale empfohlen.

Alles in allem dürfte Bayer-Chef Baumann schon jetzt einige Wetten verloren haben. Er hatte noch bis zum Sommer letzten Jahres siegessicher von einem Abschluss des Verfahrens im alten Jahr gesprochen. Aber dann wurde Anfang Januar, Ende Januar und schließlich März daraus. Seit wenigen Tagen steht nun Anfang April als neue Deadline für die Entscheidung der EU-Kommission fest.
Die wiederholte Verschiebung heißt für Bayer, dass die Kosten für die Fusion steigen. Die Aktien des Dax-Konzerns sinken dementsprechend. Aber im weltweiten Prüfungs-Konzert der Monsanto-Übernahme erhielt Bayer am 8. Februar grünes Licht für die Fusion von den zuständigen Behörden in Brasilien. Die EU-Wettbewerbskommissarin Magrete Vestager ließ kürzlich in einem-Interview wenig Zweifel daran, dass die Fusion am Ende genehmigt werden würde. Wir bleiben dran und machen weiter Druck gegen diese Giganten-Hochzeit im Speziellen und für eine konsequentere Fusionskontrolle im Allgemeinen. Stay tunes – nächste Woche reisen wir zur Jubiläumsfeier des Bundeskartellamtes in Bonn!

 

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Jutta Sundermann

Wollte Aktion Agrar eigentlich „KuhRage“ nennen und wohnt in einem blauen Bauwagen auf dem Lande.

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