Bayer und Monsanto die Suppe versalzen

Das hatte sich der Bayer-Vorstand anders vorgestellt: Die Fusion mit dem US-Gentechnikriesen Monsanto sollte Macht und Umsatz mehren – nicht breite Kritik und Widerstand auf vielen Ebenen herbeiführen. Aber damit muss der Konzern, der am Freitag, den 28. April in Bonn seine Hauptversammlung durchführt, nun rechnen.
Aktionäre kritisieren weiterhin das hohe Risiko für das Bayer-Image, 120 internationale Organisationen – darunter Aktion Agrar – forderten die EU-Komissarin Vestager auf, die Fusion zu untersagen; zahlreiche Gruppen und Netzwerke rufen zu Protestaktionen vor der Hauptversammlung auf und mobilisieren dafür nach Bonn.

Das passiert am Freitag in Bonn
Viele Hundert Menschen werden erwartet, früh am Vormittag, wenn die Bayer-Aktionäre ihrer Hauptversammlung zustreben. Zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft und dem Bündnis „Wir haben es satt“ präsentieren wir vor der Bayer-HV eine riesige, dampfende Patent- und Fusions-Vernichtungsmaschine. Es ist ein historischer Kartoffeldämpfer auf Rädern, gezogen von einem Traktor. Die Maschine sieht beeindruckend aus und zeigt, was wir von den Patenten und ständigen Firmenübernahmen Bayers halten. Bei der Aktion sprechen Bäuerinnen und Bauern über ihre Erfahrungen mit Patenten auf Saatgut und der Strategie der großen Konzerne.
Jutta Sundermann von Aktion Agrar hält eine kurze Rede zur Notwendigkeit einer gesetzlich verschärften Konzernkontrolle.

Das „Brot-in-Not“ ist auch dabei! Unsere Kampagne gegen die Forschung in den Gentechniklaboren, die zu einem Hybridweizen führen soll, zeigt ein konkretes Beispiel, wie Bayer sich die Zukunft vorstellt: Dieses Saatgut, das der Konzern gerne schon 2020 marktreif hätte, könnte nur einmal ausgesät und geerntet werden. Damit würden Bauernhöfe weltweit noch abhängiger von den Saatgut-Konzernen. Wir bekommen gerade täglich Post mit kleinen Saatgut-Tütchen. Sie alle tragen Botschaften an die Bayer-Aktionäre, die wir vor Ort übergeben werden. Mehr Infos zu den Aktionstagen der Kampagne „Brot in Not“.

Der Brief aus Brüssel
Wir hatten im März zusammen mit Friends of the earth, Greenpeace, der Europäischen Landwirtschafts- und Ernährungs-Gewerkschaft EFTAT und 200 anderen Organisationen aus ganz Europa einen Brief nach Brüssel geschrieben.
Die Wettbewerbskommissarin antwortete jetzt. Hier kannst du ihre Antwort nachlesen.
Die Kommissarin verspricht, den noch immer ausstehenden Antrag von Bayer sehr genau zu prüfen und ruft dazu auf, Fakten, die die fatalen Auswirkungen der Fusionen belegen, nach Brüssel zu kommunizieren.

Streitschrift gegen die Ohnmacht der Wettbewerbskontrolle
Der Antwortbrief kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Margrethe Vestager vor Ostern schon ihr OK zu zwei Konzern-Hochzeiten gegeben hat. Sowohl die US-amerikanischen Agarchemiekonzerne Dow und Dupont als auch der chinesische Staatskonzern Chemchina und der Schweizer Saatgut- und Pestizid-Riese Syngenta dürfen fusionieren.
Das hängt damit zusammen, dass das Wettbewerbsrecht extrem konzernfreundlich gestaltet ist und die Kontrolleure zudem chronisch unterbesetzt arbeiten müssen – auf Bundesebene ebenso wie in Brüssel. Aktion Agrar hat deshalb 20 Organisationen zusammengetrommelt, die Redaktionsarbeit koordiniert und nun eine Streitschrift gegen die Ohnmacht der Wettbewerbskontrolle herausgegeben.

Eine schärfere Fusionskontrolle ist bitter nötig: Die drei neuen Mega-Konzerne werden gemeinsam rund 60 Prozent des Saatgut- und über 70% des weltweiten Pestizidmarktes kontrollieren. Sie machen schon heute mit erschreckendem Erfolg Druck auf politische Entscheider, ihre Chemikalien und Laborpflanzen ohne große Hürden zuzulassen. Sie verdrängen kleine Züchtungsbetriebe und verändern das Gesicht der Landwirtschaft weltweit. Viele Jahre lang konnten die großen Unternehmen darauf vertrauen, dass sich niemand einmischt in ihr Giganten-Monopoly. Die EU hat zum Beispiel in 2015 über 300 Fusionsanträge bearbeitet – und keinen einzigen davon verboten. Zu große Konzerne wieder zu entflechten und kleiner zu machen, ist derzeit in kaum einem der reichen Länder vorgesehen.
Das wollen wir ändern! Wir sorgen dafür, dass die Streitschrift weit verbreitet wird und auch direkt bei den Entscheidungsträgern landet!

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Karen Schewina
Karen Schewina

Gärtnert gerne urban und findet alles mit Sahne besser als ohne Sahne.

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