Bundeslandwirtschaftsminister zapft „Saubräu“

Die Agrarministerkonferenz aller landwirtschaftlichen Minister*innen in Deutschland führte Aktion Agrar gemeinsam mit Campact in die Kurstadt Bad Homburg. Wie bei politischen Konferenzen waren auch andere Nichtregierungsorganisationen und Verbände anwesend, darunter die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft, der Bundesverband deutscher Milchviehhalter und der Hessische Bauernverband mit seinen Partnerorganisationen.

Vor Ort befanden sich rund 300 engagierte Bürgerinnen und Bürger, darunter zahlreiche Landwirte und natürlich Aktionsteilnehmer*innen von Campact und Aktion Agrar in Kostümen und mit Schildern. Selbstverständlich aber auch Priska Hinz als Vorsitzende der Konferenz, für eine Unterschriftenübergabe, und etliche Redakteure, Fotografen und Filmteams regionaler und überregionaler Presse.

Über 200 000 Unterschriften gegen Tierfabriken

Ziel war es, wie bereits bei den Aktionsstandorten Kiel und Hannover, zu zeigen, dass die parteigrünen Politiker*innen nicht alleine dastehen mit ihrem Wunsch nach Datenbanken, Hoftorbilanz und klarer Düngeregulierung. Die über 200.000 Unterschriften für den Online-Appell „Keine Gülle ins Trinkwasser!“ fordern, riesigen Mastbetrieben einen Riegel vorzuschieben, da die riesigen Güllemengen nach und nach ins Grundwasser gelangen. Der Auftrag an Frau Hinz ist klar: Setzen Sie sich ein für eine Düngeverordnung, die Ihren Namen verdient und somit kontrollierbare Grenzwerte für die Austragung von Düngemitteln sicherstellt, die keine Gefahr für das Trinkwasser bedeuten!

Bei bester Frühlingssonne standen 20 Aktivist*innen zwischen einem Spalier aus 20 vielgereisten Pappschweinen vor dem Bad Homburger Kurhaus, in dessen Kongresscenter die Konferenz tagte. Ein Aktivist in der Maske des Agrarministers Christian Schmidt zapfte Saubräu-Bier hinter einem Schweinetresen. Frau Hinz bestätigte, dass die Düngeverordnung nicht mehr auf der offiziellen Tagesordnung steht, da der Ball beim Bundesministerium liegt, wo ein neuer Vorschlag erarbeitet werden soll. Dieser steht noch aus, die Düngeordnung wird aber im Rahmen der „Kamingespräche“ Thema sein.

„Wir müssen sie Reden lassen, aber wir müssen Ihnen ja nicht zuhören“

Ein Punkt hat mich persönlich jedoch nachdenklich gemacht: Rund 200 Landwirt*innen, mobilisiert vom Hessischen Bauernverband, mit wichtigen Forderungen wie „Gentechnik-Verbot für deutsche Äcker“, „Faire Preise“ oder „Unser Fleisch ist MEHR Wert!“ waren ebenso am Kurhaus-Vorplatz zu einer eigenen Kundgebung anwesend. Aus Respekt vor deren Kundgebung mit unterschiedlichen Redebeiträgen konzentrierten sich Aktion Agrar und Campact auf die Fotografen und gute Pressebilder. Einzelne Landwirt*innen nutzten das Presse-Interesse und stellten sich mit ihren eigenen Schildern und Neon-Jacken „Der Landwirt-Dein Partner“ zwischen Campact und Aktion Agrar ins Bild.

Vom Lauti-Wagens des Hessischen Bauernverbandes aus wurde dann jedoch eine verbale Mauer zu den Aktiven von Campact und Aktion Agrar aufgebaut: Während viele der Landwirt*innen mit den Aktionsträgern ins Gespräch kamen und sinnvolle Diskussionen führten, griffen die Redner zu Bezeichnungen wie „Tierschützern“ und „Blockupy-Aktivisten“, denen sie nicht zuhören wollten. Sicherlich, in der Frage der Düngeverordnung sind die drei Organisationen gegensätzlicher Meinung, aber einen fairen Umgang miteinander sollte das Mindeste sein, was Bürger*innen in einer solchen Situation vorleben sollten. Zumal sich Aktion Agrar und die verschiedenen Bauernverbände so einiges Konstruktives zu sagen hätten.

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Wer hat alles über uns berichtet?

Über die Autorin: Frauke Q., eine der Aktiven aus Bad Homburg

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Leonie Dorn

Vergisst beim Anblick von Klatschmohn all ihre Sorgen und trauert Jon Stewart immer noch nach.

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