Bundestag & Börse: Fusion bleibt unsicher

Die zwei Pestizid- und Gentechnikriesen Bayer und Monsanto haben sich vor etwa einer Woche auf den Kaufpreis geeinigt, zu dem die Übernahme geschehen soll: rund 66 Milliarden Dollar, etwa 59 Milliarden Euro. Damit ist die Sache aber noch keinesfalls gelaufen. Jetzt geht es um die politische Erlaubnis für diesen Deal. Und das kann knapp werden für die beiden Konzerne. Der Widerstand wächst, die gesellschaftliche Auseinandersetzung ist jetzt ungeheuer wichtig.

Am Mittwoch, den 21. September fand im Bundestag eine aktuelle Stunde zu der Fusion der beiden Agrarchemie-Konzerne statt. Grüne und Linkspartei warnten eindringlich vor noch mehr Einfluss auf die Landwirtschaft und die Politik durch Baysanto. Auch die Redner der SPD forderten, dass die nun gefragten Entscheider sehr genau auf die Folgen der Fusion achten müssten. Monsanto sei zudem mit seinem immer weiter entwickelten „smart farming“ gerade dabei, ein gefährlichre Datenkrake zu werden. Sogar aus der CDU gab es besorgte Töne, wenn auch die ehemalige Familienministerin Christina Schröder (CDU) gegen alle Kritiker ausholte und behauptete, es sei „naiv, verantwortungslos und dekadent“, eine „ganze Branche und Technologie zu dämonisieren“.
Das ist eine sehr interessante Definition von Verantwortung. Weil wir eine Verantwortung für die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft haben, laden wir nun erst recht dazu ein – wenn noch nicht geschehen – den Appell gegen die Fusion zu unterzeichnen.

Und wir haben Chancen. Einen Hinweis darauf gibt der Umgang der Finanzmärkte mit der von den Konzernspitzen beschlossenen Fusion: Aus dem Hause des Vermögensverwalters Bernstein ist zu hören, es gäbe eine Chance von 50 Prozent, dass die Übernahme tatsächlich zustande käme.
In der Finanzwelt sind sie damit die Optimisten. Denn der aktuelle Monsanto-Aktienkurs zeigt, dass  die Aktionäre dem Braten nicht trauen. Sonst könnten sie die Aktien jetzt kaufen und bald an Bayer zu dem angekündigten Preis von 128 Dollar verkaufen. Tatsächlich aber liegt die Aktie nur knapp über 100 Dollar das Stück. Die Börsen-Mathematiker schließen daraus und aus dem Verlauf der letzten Tage, dass die Finanzanleger dem Abschluss der Fusion nur 25 bis 33 Prozent Wahrscheinlichkeit geben.

Unterzeichne hier unseren Appell an die EU-Wettbewerbskommissarin!

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Jutta Sundermann
Jutta Sundermann

Wollte Aktion Agrar eigentlich „KuhRage“ nennen und wohnt in einem blauen Bauwagen auf dem Lande.

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