Die lebenden Zahlen der Fleischwirtschaft – Fußball Edition

Die allgemeine fleischer zeitung bringt jährlich ihr Ranking der TOP 100 der Fleischbranche raus. Jetzt liegen die Zahlen zu den Jahresumsätzen und Schlachtungen von 2013 vor. Da geht es in die Milliarden an Euros und um viele Millionen Tiere. Klingt alles aber ziemlich abstrakt. Um die Größenverhältnisse richtig zu verstehen mussten wir uns Hilfe holen. Am besten von den beiden engsten Freunden der Wurst: Bier und Fußball.

Jahresumsätze

Das größte Unternehmen in der Fleischbranche ist die Tönnies-Gruppe mit einem Jahresumsatz von 5,6 Mrd. Euro. Auf Platz zwei steht Vion Food Germany mit 3,5 Mrd. Euro, und dicht dahinter stehen die 2,5 Mrd. Euro von Westfleisch. Dagegen stinkt die Bierbranche ziemlich ab. Der Jahresumsatz der Radeberger Gruppe liegt gerade mal 1,8 Mrd. Euro, Bitburger und Krombacher liegen jeweils unter einer Milliarde. Auch die Fußballclubs halten nicht mit. Der FC Bayern München, Borussia Dortmund und der FC Schalke 04 kamen zusammen nicht auf 1 Mrd. Euro Umsatz, obwohl sie 2013 Rekordzahlen schrieben.

Die wirtschaftlichen Gewinner so einer Fußballsaison bleiben also Tönnies und Co. Die drei Unternehmen erwirtschafteten so viel, wie das Budget des Gesundheitsministeriums für 2014. Wohl bekomm’s!

Schlachtzahlen

Tönnies, Vion und Westfleisch schlachteten gemeinsam 33,3 Millionen Schweine und 1,7 Millionen Rinder. Alle Fußballstadionplätze in Deutschland würden nicht ausreichen um diese Tiere zu beherbergen. Abgesehen davon, dass die Statik der Tribünen ihr Gewicht nicht tragen könnte. Würden die Rinder Schnauze an Schwanz hintereinander her laufen, wäre das eine 4 250 Kilometer lange Kuhparade um das ganze Grenzgebiet Deutschlands herum. Die Schweineparade wäre 49 950 Kilometer lang und wurde die ganze Erde (am Äquator!) umfassen.

Aus den geschlachteten Schweinen entstehen ca. 2,9 Millionen Tonnen Schweinefleisch, das macht ungefähr 1,6 Milliarden Currywürste. Die Rinder werden zu 510 000 Tonnen Rindfleisch, oder auch 2,5 Milliarden Burgern. Das ist mehr als genug um alle Stadionbesucher an allen 34 Bundesligaspieltagen einer Saison, mit jeweils einem Burger und einer Currywurst zu versorgen.

Und es geht noch weiter…

Diese Zahlen stammen nur von den größten drei Unternehmen, tatsächlich wird jährlich noch viel mehr geschlachtet. Und auch hört die Fleischwirtschaft natürlich nicht mit der Schlachtung auf. Etliche weitere Betriebe stehen dahinter, welche die Technik und Logistik leisten. Viele dieser Firmen kamen am vergangenen Wochenende in Hannover auf der EuroTier, der weltweiten Leitmesse für Tierhaltungsprofis, zusammen. Hier haben geschätzte 145 000 Besucher/innen (fast doppelt so viele wie ins Dortmunder Fußballstadion passen) alles von Fischverpackungs- und Etikettiersystemen, über Geflügelkalibrieranlagen und Geflügelrupfmaschinen bis hin zu Räucherschränken oder auch Wärmerückgewinnungsanlagen begutachtet.

Einer von den 2 360 Ausstellern ist EMF Lebensmitteltechnik. Das Unternehmen baut Schlachtanlagen so groß wie Spielfelder, viele davon in Osteuropa. Dort können innerhalb einer Stunde bis zu 500 Schweine geschlachtet werden. Das wären innerhalb der Spielzeit die Menge von 377 142 Portionen Currywurst. Eine für jedes Fan-Mitglied des FC Bayern München.

Beim nächsten Spiel vielleicht doch nur eine  Pommes zum Bier?

  Bild: Jerry Michalski (cc)

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Leonie Dorn
Leonie Dorn

Vergisst beim Anblick von Klatschmohn all ihre Sorgen und trauert Jon Stewart immer noch nach.

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