Ferkelbaron Straathof darf keine Schweine mehr halten

Behörden reagieren spät – was wir brauchen ist eine Agrarwende ohne Tierfabriken

Es ist eine kleine Sensation, dass nach vielen Jahren erschreckender Skandale endlich etwas geschieht: Einer der größten Ferkelzüchter Europas, der Niederländer Adrianus Gerardus Maria Straathof, der jährlich 1,5 Millionen Ferkel verkaufte, darf keine Schweine mehr halten. Der niederländische Megastallbetreiber zeigte über Jahre, dass er nichts hält von Tierschutzbestimmungen und Genehmigungsbehörden.

Der Mann hat den Bogen deutlich überspannt, steht aber nicht nur als rücksichtsloses Individuum da. Er trieb es besonders weit mit einer Logik, die tief eingedrungen ist in die Landwirtschaft in unserem Land: Billigste Massenproduktion mit hohen Exportraten. Das aber führt in die Katastrophe: für den Tierschutz, unsere Gesundheit, das Trinkwasser, das mit Nitrat aus Massenställen belastet wird – und für die Bäuerinnen und Bauern, die einst ein Auskommen haben konnten mit überschaubaren und gepflegten Tierbeständen. Ganz zu schweigen von globaler Futtermittel-Beschaffung (incl. Vertreibung, Verschärfung des Hungers, massiven Gentechnik-Anbaus) und Tiertransporten in Schlachthöfe, in denen Billig-Arbeitskräften aus Osteuropa ausgebeutet werden.

Wir brauchen über dieses Haltungsverbot hinaus Regeln, die tiergerechte Ställe und Behandlung festlegen! Bei fairen Preisen für gute Produkte.

Straathof hat es darauf ankommen lassen und muss so etwas wie Allmachtsgefühle entwickelt haben, wenn er Verstöße gegen den Tierschutz und hohe Strafen dafür eiskalt einrechnete. Ohne Genehmigung stallte er Schweine in Mecklenburg-Vorpommern ein, wissend, dass die Behörde Angst haben würde, die von ihm für den nicht-freigegebenen Stall bestellten Tiere zurückzuweisen und mit Schadensersatzforderungen konfrontiert zu werden. 25.000 Euro Strafgeld war ihm der Spaß wert. In Sachsen-Anhalt kam er allein für die Anlagen in Gladau und Binde (50.000 und 30.000 Schweine) auf 1,4 Millionen Euro Bußgelder.

Als der Westdeutsche Rundfunk Ende 2013 eine kritische Berichterstattung über Straathofs Ställe brachte, folgten prompt Unterlassungsklagen gegen den Sender und mehrere Zeitungen, die ebenfalls berichteten.

Viele Tier- und Umweltschützer sowie Bauern hatten seit Jahren gewarnt und informiert, zu lange geschah nichts. Aber langsam zog sich dann die Schlinge zu. Im Dezember beschloss der Landrat des sachsen-anhaltinischen Landkreises Jerichower Land, Steffen Burchardt von der SPD, ein Tierhaltungsverbot gegen Straathof auszusprechen. Ausgestattet mit reichlich Beweismaterial seiner Amtstierärzte und unterstützt vom Landes-Landwirtschaftsminister Hermann Aeikens, CDU. Zeitgleich stellte auch der Baden-Württembergische Ferkel-Schlachthof in Kupferzell Anzeige, untermauert mit gruseligen Fotos todkranker Ferkel, die allesamt von Straathof-Betrieben angeliefert worden waren.

Es ist spannend, wie es weitergeht. In der kritischen Bauernstimme sagte ein Schweinehalter: „Man hat Straathof den Führerschein weggenommen, nicht das Auto. Jetzt wird er sich einen Fahrer nehmen.“ Das genau gilt es aber zu verhindern: Das Verbot gegen Straathof ist eine Chance, einige Anlagen stillzulegen, die ganz und gar nicht vereinbar sind mit einer zukunftsfähigen bäuerlichen Landwirtschaft. Wir sagen schon jetzt: Finger weg von faulen Tricks! Tierfabriken stoppen!

Bild: © Creative Commons/Unbekannt

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Jutta Sundermann
Jutta Sundermann

Wollte Aktion Agrar eigentlich „KuhRage“ nennen und wohnt in einem blauen Bauwagen auf dem Lande.

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