Fressen und gefressen werden: Die Großeinkäufe der Giganten

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Die anstehende Fusion der beiden Agrarchemie-Giganten Bayer und Monsanto ist nicht die erste, und leider auch nicht die letzte der Branche. Die Liste der übernommen und aufgekauften Unternehmen, die vorraussichtlich bald allen zu Bayer gehören, ist lang. Hier ein Überblick:

Monsanto

Der heutige Chemiekonzern Monsanto wurde 1901 gegründet und verfügt derzeit über Niederlassungen in 61 Ländern. Monsanto produziert Saatgut und Herbizide. Seit den 1990ern arbeitet Monsanto auch mit Biotechnologie, um genetisch veränderte Feldfrüchte zu produzieren. In der Kritik steht der Konzern unter anderem für aggressive Patentierungs-Strategien, Einflussnahme auf die Politik (u.a. bei der Gestaltung der Gentechnik-Gesetzgebung), den Verkauf von Glyphosat (Hauptprodukt „RoundUp“) und dadurch ausgelöste Gesundheitsschäden bei Feldarbeitern. Als Chemiekonzern lieferte Monsanto „Agent Orange“, das Entlaubungsgift, das im Vietnamkrieg furchtbare Folgen für Menschen und Umwelt hatte.
Monsanto kaufte Firmen in hier nicht darstellbar großer Zahl.
Relevant für seine Saatgut-Strategie ist unter anderem:

1997: Calgene
Calgene ist ein Bioforschungsunternehmen, das vor allem für seine Arbeit mit Tomaten, Rapsöl und Baumwolle bekannt ist. Monsanto übernahm 1997, das Unternehmen widmet sich weiterhin seinen vorherigen Forschungsfeldern. Monsanto kaufte dieses Unternehmen um seinen Markt zu vergrößern und „seine“ Lebensmittel an die Verbraucher zu bekommen.

1998: Cargill Seed Operations
Cargill ist einer der weltgrößten Agrarhändler und vertreibt Getreide, Futtermittel, verarbeitete Inhaltsstoffe für Lebensmittel und pharmazeutische Hilfsstoffe für Lebensmittel, Baumwolle und mehr. 1998 erwarb Monsanto die Saatgutsparte von Cargill.

1998: DeKalb
Die Firma DeKalb feierte 2012 ihr 100jähiges Firmenjulibäum. Das Saatgutunternehmen vertreibt vor allem Raps und Mais, außerdem Alfalfa, Soja und Hirse. 1998 durch Monsanto übernommen und seitdem ein wichtiger Vertriebszweig für Monsanto-Saatgut.

2005: Seminis
Die Firma Seminis ist der welteit größte Züchter, Produzent und Vermarkter von Saatgut für Früchte und Gemüse. Das Portfolio von Seminis umfasst mehr als 3500 Samensorten bzw. -varietäten von etwa 60 Frucht- bzw. Gemüsearten. 2005 wurde das Unternehmen samt seiner Geschäftsschulden von Monsanto übernommen.

2005: Emergent Genetics Inc.
Ebenfalls 2005 übernahm Monsanto Emergent Genetics Inc.. Der damals drittgrößte US-amerikanische Baumwollsaatgut-Hersteller ging dann schon im April für 300 Millionen US-Dollar über den Tisch. Monsanto verkündete sofort, mit den beiden Haupt-Marken der Firma, Stoneville Pedigreed und NexGen weiterhin international arbeiten zu wollen.

2006: Delta & Pain Land (D&PL)
Delta and Pain Land ist auf Saatgut für Baumwolle spezialisiert und einer der weltgrößten in der Baumwoll-Saatgut-Industrie. Die Übernahme durch Monsanto verband die Wettbewerbsbehörde mit der Auflage, dass sich Monsanto von Teilen der eigenen Baumwoll-Sparte trennen musste. Pikanterweise verkaufte Monsanto daraufhin einen Teil seines Baumwollgeschäfts an Bayer. Eine Wiedervereinigung der Bereiche schloss die Auflage für viele Jahre aus.

2009: WestBred
WestBred ist spezialisiert auf Weizenzüchtung und Dienstleistungen für Weizenzüchter. Westbred ist bisher nicht im Zusammenhang mit Hybriden tätig, aber betreibt intensive Forschungen mit Keimgewebe. Für Monsanto ist der Konzernkauf der Einstieg in den weltweit relevanten Weizenmarkt. Monsanto sieht den Erwerb selbst in einer Reihe von internationalen Kooperationen, biotechnolgoischer und klassischer Züchtung.
www.monsanto.com/products/pages/monsantos-wheat-platform.aspx

2011: Beeologics
Beelogics untersuchte urspünglich Bienen-Krankheiten. Nachdem Monsanto in Verdacht geriet, diese Phänomene durch seine Firmenpolitik zu verschärfen, erwarb der Konzern 2011 das kritische Institut Beelogics. Kritiker befürchten, dass die Resultate durch die Übernahme verfälscht werden und die fatalen Zusammenhänge zwischen Monsanto und dem Bienensterben verschleiert werden sollen.

2013: Dieckmann Seeds
Dieckmann Seeds ist ein Familienunternehmen, welches sich auf die Produktion und den Vertrieb von Saatgut spezialisiert hat. Die Firma züchtet vor allem Getreidesorten, mit dem Ziel besonders Stress resistente und ertragreiche Sorten zu erschaffen. 2013 erwarb Monsanto das Unternehmen und führt die Züchtung von Getreidesorten fort.

2013: agradis
Agradis wurde 2011 als Biotechnologieunternehmen gegründet. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der Entwicklung von Lösungen um die Stabilität und Effizienz von Pflanzen zu steigern. 2013 wurde das Unternehmen durch Monsanto übernommen.

Bayer

Die Bayer AG gliedert sich in drei unterschiedliche Firmenbereiche. Die lauten Pharmaceuticals, Consumer Health und Crop Science.
Letzterer Firmenbereich umfasst sowohl Pestizide unterschiedlicher Anwendungsbereiche als auch Saatgut, mehrere Produktlinien sind gentechnisch verändert. Bayer verkauft mit dem Doppelpack „Liberty“ und „Liberty-Link“ auch ein Gift-Resistenzpflanzen-Paket wie Monsanto mit Roundup und Round-up-ready“). Bayer kaufte:

2001: Aventis Crop Science
Aventis war ein Pharmaunternehmen, das zwar eines der größten der Welt war – aber nur wenige Jahre existierte. Es ging erst 1999 aus der Fusion von Hoechst AG (Frankfurt) und des Pharma-Konzerns Rhône-Poulenc (Lyon) hervor.
Die Abteilung zur Entwicklung von Pflanzenschutzpräparaten wurde 2004 von Bayer gekauft. Der übrige Firmenteil ging durch die Fusion mit Sanofi-Synthélabo in die neue Firma Sanofi-Aventis über.

2012: AgraQuest
AgrarQuest produziert Fungizide und Insektizide, ist spezialisiert auf Produkte mit geringem Chemikaliengehalt und biolologische Wirkstoffe für die biologische Landwirtschaft. 2012 übernahm Bayer das us-amerikanische Unternehmen.
[Siehe auch: Liste des BVL: http://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/04_Pflanzenschutzmittel/psm_oekoliste-DE.pdf?__blob=publicationFile]

2015: CRISPR Therapeutics (Schweiz)
In einem Joint Venture mit Crispr Therapeutics geht es nicht um Saatgut. Wohl aber um die Weiterentwicklung der neuen Genomeditierungs-Technik CRIPR-Cas. Unter dem Namen Casebia Therapeutics forscht das gemeinsame Unternehmen, um CRISPR-basierte Therapien für Blut- und Herzerkrankungen sowie Erblindung zu entwickeln. Die Labore des neuen Unternehmens befinden sich in Massachusetts (USA), eingetragen ist es in Großbritannien. Aus der Bayer-Pressemitteilung zu dem Joint Venture: „Casebia hat für bestimmte Krankheitsgebiete Zugang zur Genom-Editierungstechnologie von CRISPR Therapeutics sowie über Bayer Zugang zu Expertise im Bereich Proteintechnologie und relevantem Know-how über die entsprechenden Krankheiten.“
 

 
Die kapitalistische Logik des „Fressen und Gefressen-Werdens“ führt seit vielen Jahren dazu, dass die Zahl der Anbieter von Saatgut, von Ackergiften, von Düngemitteln ebenso drastisch sinkt, wie die der Handelsunternehmen und Einzelhandelsketten.
Wenige Konzerne üben enormen Druck auf Bäuerinnen und Bauern aus, bestimmen was und wie diese anbauen und welches Saatgut, Pflanzenschutzmittel oder Dünger sie kaufen sollen. Der Saatgutmarkt liegt in den Händen von Konzernen, die zugleich Ackergifte herstellen und liefern und die allermeisten kleineren Anbieter geschluckt oder ruiniert haben.

Diese Entwicklung ist aber kein Naturgesetz. Tatsächlich fördert die Agrarpolitik seit Jahrzehnten immer weiter die größten Akteure auf den Äckern, in den Laboren oder mit den Containern und Supermärkten. In Frage zu stellen ist dringend, wie die künftige Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) aussehen soll, welche Forschung eigentlich durch Steuergelder unterstützt werden soll (die „hochmoderne“ in den Laboren oder eine dezentrale, auf den Äckern weiter-entwickelte, ökologisch ausgerichtete?) und ob mit Freihandelsabkommen der Wettbewerbsdruck ins Unerträgliche gesteigert werden soll oder nicht.

 Helfen Sie mit, Agrarkonzerne zurück zu drängen!