Giganten straucheln – Megafusionierer in Bedrängnis

Das grüne Licht im Frühjahr aus Brüssel für die Gigantenhochzeiten zwischen Dow und Dupont sowie Chemchina und Syngenta zeigte, dass die Fusionskontrolle gefährliche Schwächen hat. Aber jetzt lassen andere Gründe die Megafusionen wackeln – gut zu wissen und ein Grund für die Hoffnung, dass die Auseinandersetzung noch an Tiefe gewinnt:

1. Die nächste Verzögerung steht fest: EU „hält die Uhr an“
Das hatte sich der Bayer-Chef anders vorgestellt: Am 5. Oktober erklärte die EU-Kommission, im Zusammenhang mit der Prüfung der Fusion zwischen Bayer und Monsanto „die Uhr anzuhalten“. Das bedeutet weitere Zeitverzögerung für die Agrargiganten. Damit dürfte auch die jüngst auf den 22. Januar verlängerte Frist zur Entscheidung über die Fusion nicht mehr zuhalten sein.
Jede Woche Fristverlängerung ist eine Chance, den Widerstand stärker zu machen!

2. Europaparlament zeigt Monsanto-Lobbyisten die rote Karte
Bayers Megafusionspartner fällt weiterhin mit undemokratischem Verhalten auf. Während die EU intensiv über die Zukunft des Monsanto-Giftes Glyphosat diskutiert, verweigert Monsanto die Aussage. Nachdem der Konzern sich geweigert hatte, einen Vertreter zu einer Anhörung des Europaparlaments zu entsenden, entzog dieses den Lobbyisten Ende September die Hausausweise. Mit diesen begehrten Karten erhalten Tausende von Firmen- und Verbandsvertreter*innen erleichterten Zugang zum Parlament in Brüssel und Straßburg. Laut Europaabgeordnetem Sven Giegold ist diese Strafaktion in der Geschichte des EP noch nicht vorgekommen.

3. Chemchinas Finanzierungspläne gehen nicht auf, Syngenta wird „Ramsch-Papier“
Der mächtige Gentechnikkonzern Syngenta aus der Schweiz hatte sich vor wenigen Monaten noch öffentlich gefreut über die Übernahme durch den chinesischen Chemieriesen. Aktuell droht das Finanzierungskonzept Chemchinas zu kippen. Denn eine neue Syngenta-Anleihe, die den Deal mit 7 Milliarden Dollar finanziell abfedern sollte, rückt in schlechtes Licht. Nachdem zwei Rating-Agenturen schon im Frühjahr Syngenta heruntergestuft hatten, droht Standard & Poor jetzt mit einer weiteren Schlechter-Bewertung. Denn auf Syngenta rollen Milliarden-Strafzahlungen im Zusammenhang mit Genmais-Geschäften zu. Gleichzeitig winkte der chinesische Staats-Fonds, der einspringen könnte, bereits ab und ließ ausrichten, die Konzerne sollten das alleine lösen.


Mehr lesen:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-09/europaeisches-parlament-monsanto-papers-lobbyisten-zugang-entzogen
http://ec.europa.eu/transparencyregister/public/homePage.do
https://www.euractiv.com/section/competition/news/eu-pauses-inquiry-into-monsanto-bayer-mega-merger/
https://www.nzz.ch/finanzen/wie-wichtig-ist-china-der-syngenta-deal-ld.1319827
https://www.oltnertagblatt.ch/wirtschaft/syngenta-droht-der-ramsch-stempel-seine-chinesischen-kaeufer-sind-nicht-schuldlos-131778230

Author Details

Leonie Dorn
Leonie Dorn

Vergisst beim Anblick von Klatschmohn all ihre Sorgen und trauert Jon Stewart immer noch nach.

Schreibe mir:

Theme Settings