Ab April: Jungpflanzen tauschen, Saatgut bestellen

Auch wenn das Wetter den Frühling noch nicht direkt erahnen lässt: jetzt ist eine super Zeit, um noch Pflänzchen auf der Fensterbank vorzuziehen!
Wir empfehlen dafür Saatgut, dass „samenfest“ ist. Wenn du einen Kürbis ziehst aus samenfestem Saatgut, kannst du im Herbst die Kürbiskerne aus dem Fruchtfleisch pulen, waschen und trocknen: und dann wieder auspflanzen.
Das geht bei Hybridsaatgut nicht – und leider ist alles, was du so im Bau- oder Supermarkt findest, Hybridsaatgut (s. Exkurs). Empfehlenswert ist deshalb die Bestellung bei Bingenheimer Saatgut oder bei Dreschflegel. Hier kannst du Saatgut bestellen und bei Bingenheimer Saatgut auch gleich Jungpflanzen im Set:

www.bingenheimersaatgut.de

www.dreschflegel-saatgut.de

Mit dem Vorziehen von einigen Pflanzen kannst du direkt beginnen, wie z.B. bei Tomaten und Kürbissen. Als Aussaatbehälter eignen sich alte Papierrollen, Eierkartons oder Töpfchen aus Zeitungspapier (s. Foto). Andere Pflanzen können direkt nach draußen, wie die kälteresistente Ackerbohne. Erbsen z.B. können ab Anfang April direkt ins Freiland gesetzt werden.
An vielen Orten und in viele Städten tauschen Menschen Saatgut aus ihren Gärten oder von ihren Balkonen. Du kannst dort eigenes Saatgut mitbringen, meistens kommen aber Menschen, die ihr Saatgut verkaufen wollen, wie zum Beispiel die Lila Tomate oder die Regenbogenschmiede. Hier kannst Du alte Sorten kaufen, die nicht mehr auf dem Markt sind. Viele Börsen bieten auch Jungpflanzen zum Verkauf an.
Alle Termine dazu auch noch im April findest du hier:

www.saatgutkampagne.org/diverse_boersen.html

www.nutzpflanzenvielfalt.de/termine

Bis zu den Eisheiligen Mitte Mai müssen die kleinen Pflänzchen auf jeden Fall noch drin bleiben. Erst danach ist die Gefahr, dass es nochmal richtig Bodenfrost gibt, so gering, dass die Pflanzen es auch nach draußen schaffen.

Exkurs: Wie ist das eigentlich mit Hybriden?

Bei Hybriden gibt es sogenannten „Elternlinien“, die über mehrere Gemüsegenerationen hinweg „reinerbig“ gemacht wurden. Heißt konkret: die Pflanzen hat über erzwungene Selbstbefruchtung über mehrere Jahre hinweg bestimmte Eigenschaften entwickelt, die sie weiter geben kann, wie eine schöne Fruchtfarbe oder Resistenz gegenüber Pilzbefall.
Durch die Kreuzung zweier solcher „Inzuchtlinien“ wird Hybridsaatgut gewonnen. Wird es ausgebracht, wachsen Pflanzen, die die gewünschten Eigenschaften von beiden Elternlinien zeigen, also zum Beispiel eine Tomate, die schön gelb ist und resistent gegen Braunfäule.
Doch schon in der nächsten Generation, also bei den Samen dieser Hybridpflanzen, verlieren sich die Eigenschaften wieder. Sie sind deshalb nicht für eine Nachzüchtung auf eigene Faust oder Wiederaussaat geeignet: Einwegpflanzen.

Für Landwirt*innen heißt das: sie müssen jedes Jahr neues Saatgut kaufen. Die meisten akzeptieren diese Kosten, denn das Hybridsaatgut verspricht gute Erträge und auf die sind sie angewiesen. Eigene Saatgutgewinnung und die Jungpflanzenanzucht bringen viel Arbeit mit sich und die kann auch nicht von allen Betrieben geleistet werden.
Gleichzeitig erhöht sich so die Abhängigkeit der Betriebe von Saatgutfirmen und -konzernen, wie Bayer, Monsanto oder Syngenta, die sowohl darauf Einfluss nehmen, welche Sorten gezüchtet werden als auch die Preisgestaltung bestimmen.

Hybridsaatgut-Züchtung

Grafik: Heide Kolling


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