Ab Mai: Urbanes Gärtnern und Selbsterntefelder

Spätestens jetzt blüht so Einiges da draußen. Das ertauschte und angesäte Saatgut, die vorgezogenen Tomaten oder Bohnen dürfen jetzt bald ins Freie. Doch wohin, wenn mensch weder Balkon noch Garten hat und mitten in der Stadt lebt?
Lass dich und deine Saat nicht unterkriegen! Es gibt viele Stadtgarten-Initiativen, Selbsterntefelder oder Bauerngärten am Stadtrand, wo du dir einen kleines Stück Acker mit Freund*innen anmieten kannst.

urban gardening / Stadtgarten – so funktioniert’s: Urbane Gärten, ob mit Blumen oder Gemüse, entstehen meistens auf verlassenen oder ungenutzten Flächen (oder auch Dächern) in Städten. Gruppen, Initiativen oder Vereine beginnen die Flächen, mit (oft nur befristeter) Duldung der Gemeinde, zu bepflanzen und schaffen so Orte der Begegnung und des Rückzugs ins Grüne. Die Vielfalt der dort angebauten Sorten ist meist erstaunlich – genauso wie die Kreativität der Pflanzenbehältnisse und der Anbaumethoden: Da viele Urbane Gärten keine dauerhafte Bleibe garantiert bekommen, pflanzen sie ihr Gemüse und Kräuter in Säcke, Brotkisten oder Tetrapaks – um, wenn es hart auf hart kommt, umziehen zu können.

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Prinzessinnengarten in Berlin, Bild: Marco Clausen

Exkurs: Guerilla Gardening – so funktioniert’s: Manchmal wird auch ungefragt, dann aber auf kleineren Flächen in der Stadt gepflanzt, z.B. in Blumenbeeten vor öffentlichen Einrichtungen, in Parks, am Straßenrand oder auf Blumeninseln. Dafür braucht es schnelle Hau-Ruck-Aktionen, nach denen erkennbar ist: Hier wächst etwas schönes. Das A und O dabei: Toleranz, im besten Fall Unterstützung der Nachbarschaft, sonst geht’s schnell wieder kaputt.

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Ausbeute von einem Selbsterntefeld bei Köln

Selbsterntefelder – so funktioniert’s: Selbsterntefelder, oder auch Mietgärten genannt, sind Äcker, oft an Stadträndern gelegen, die in kleine Parzellen eingeteilt sind, um an Einzelpersonen oder kleine Gruppen pro Saison vermietet werden zu können. Meistens an landwirtschaftliche Betriebe gekoppelt, werden die Selbsterntefelder vorbereitet (teilweise sogar schon bepflanzt) bevor die Saison losgeht und genießen ein gewisses Maß an Infrastruktur zum Gärtnern (Werkzeug, Wasser, Kompost). Rat und Unterstützung beim Gärtnern bieten die Landwirt*innen und die Gemeinschaft der Garten-Nachbar*innen.
Im Internet finden sich eine Vielzahl an Plattformen und Initiativen, die mehrere Standorte abdecken. Z.B. Ackerhelden.de oder meine-ernte.de. Die Chance, dass du in deiner Gegend ein Stück Acker findest, steht also gar nicht schlecht.

Das erzählen Hans und Anna-Lena aus Köln von ihrem Selbsterntefeld:

Für Großstädter bleibt der Wunsch nach selbst angebauten Bio – Karöttchen oft nur ein Traum. Auf unseren Balkon passt nicht mehr als ein Basilikumtopf, die Hinterhöfe sind schattig und die Wartelisten für Kleingärten in Köln enorm lang. Die Suche nach einer Möglichkeit dennoch nicht auf einen Garten und selbst angebautes biologisches Gemüse verzichten zu müssen, brachte uns vor 5 Jahren zu dem Konzept der Selbsterntegärten.

Den Selbsterntegarten in Köln bepflanzt der Landwirt im Frühjahr mit einer Vielfalt an Gemüsesorten, Kräutern und Blumen in langen Reihen nebeneinander. Diese Reihen werden später quer unterteilt, wodurch einzelne Parzellen entstehen, die alle das gleiche Angebot an Gemüse umfassen. Ab Mai können die bereits bepflanzten Parzellen gegen einen Saisonbeitrag vom Landwirt übernommen werden. Ist eine Gemüsereihe bereits im Juni abgeerntet, können an dieser Stelle neue Jungpflanzen gesetzt werden. Jede*r kann hier bis in den Spätherbst gärtnern, auch ohne Vorerfahrung. Die Landwirte stellen Gartengeräte, Wasser und vor allem reichlich Informationen rund um das Geschehen im Garten zur Verfügung.

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Wir genießen es sehr in den Sommermonaten ein bis zwei Mal in der Woche in den Garten zu fahren, zu beobachten, wie sich der Garten entwickelt hat und vor allem leckeres Gemüse zu ernten. Durch die gute Vorbereitung der Landwirte ist der Arbeitsaufwand gering. Es muss zwar Unkraut gejätet werden, aber es entfällt die schwere Bodenbearbeitung am Anfang der Saison. Bei den Besuchen im Garten treffen wir meistens auch auf Nachbarn, tauschen uns mit diesen aus und erhalten den ein oder anderen Tipp. Wer in den Urlaub fährt, findet sicherlich jemanden, der*die mit auf den Garten schaut. Die Landwirte bringen im Herbst eine Gründüngung auf dem Feld aus und bereiten so die Fläche optimal für das neue Gartenjahr vor. Deshalb können auf der Gartenfläche auch nur einjährige Kulturen gepflanzt und keine mehrjährige Pflanzen wie z.B. Beerensträucher angebaut werden.

Für uns ist das Konzept super, denn es lässt es sich mit unseren Stadt- und Arbeitsleben vereinen und bietet die Möglichkeit biologisch zu gärtnern.


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