29. Oktober 2019 Kommentare sind deaktiviert Michael Krack
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Mit der GAP-Reform in die Mitte der Gesellschaft

Keine Pauken und Trompeten für die EU-Agrarpolitik

Mehr als 1000 Menschen aus 15 europäischen Ländern haben anlässlich der aktuell debattierten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU vor dem Europäischen Parlament in Straßburg mit Kochlöffeln und Töpfen für gute Lebensmittel und die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft Alarm geschlagen. Mit Traktoren angereiste Bäuer*innen aus Deutschland und Frankreich, in Rauchschwaden gehüllte Imker*innen, Bäcker*innen und große und kleine Lebensmittel- und Umweltschutzengagierte haben zusammen eine starke Botschaft vermittelt: Wir kämpfen in breiten Bündnissen und gemeinsam für eine zukunftsfähige Agrarkultur!

Die Forderungen sind klar: Die Agrarwende muss endlich angepackt werden, bäuerliche Höfe müssen mit den verfügbaren Mitteln unterstützt und für ihr Engagement für mehr Tier-, Umwelt- und Klimaschutz wertschätzend entlohnt werden.

Die Stimmung war großartig, denn Bäuerinnen und Bauern liefen Schulter an Schulter mit der Zivilgesellschaft zum EU-Parlament, um dort den Abgeordneten mit einem bunten und lautstarken Protest ihre Forderungen zu verkünden. Die Redner*innen machten mit klaren Worten auf die Verbindungen von Landwirtschaft mit den Themen Biodiversität und Insektensterben, Tierwohl, Klima- und Naturschutz und die Folgen von Freihandelsabkommen für Bäuer*innen weltweit aufmerksam. Untermalt wurde die Versammlung von einer gemeinsamen symbolischen Choreographie, bei der das Aussterben von Bauernhöfen und Insekten durch eine engagierte und ambitionierte Agrarpolitik gestoppt wurde. Wir hoffen, dass diese Vorstellung Wirklichkeit wird!

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Von Straßburg in die Mitte der Gesellschaft

Das Miteinander der Menschen vor Ort ist eine Bestärkung für das Gefühl, dass die Landwirtschaft wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und neben den Produktionsweisen auch die Rahmenbedingungen für die Landwirt*innen immer häufiger diskutiert werden. Nachhaltige Landwirtschaft heißt Ernährungssouveränität mit regionalen und bäuerlichen Strukturen – nicht Weltmarktorientierung und übermächtige Agrarkonzerne.

Die Demo wurde initiiert von dem französischen Bündnis “Pour un autre PAC” (“Für eine andere GAP”) und dem Wir-haben-es-satt-Bündnis, zu dem auch Aktion Agrar gehört. Eingebettet war sie in den Aktionsmonat von #GoodFoodGoodFarming, zu dem in 22 europäischen Ländern über 190 Veranstaltungen stattgefunden haben und auf Postkarten Botschaften aus der Zivilbevölkerung an die EU-Abgeordneten gesammelt wurden. Diese haben wir an mehrere Abgeordnete des Europäischen Parlaments übergeben.

Wie funktioniert die EU-Agrarpolitik?

Zeitgleich waren in Deutschland vielerorts tausende Bäuerinnen und Bauern gegen das neue Agrarpaket auf der Straße und machten Schlagzeilen. Sie protestierten zum einen gegen verstärkte Regulierungen durch Düngeverordnung, Insektenschutz- und Klimaschutzmaßnahmen. Zum anderen zeigen sie ihren Unmut darüber, dass die staatliche und gesellschaftliche Unterstützung bei der Umstellung auf nachhaltigere landwirtschaftliche Methoden für die Betriebe unzureichend ist.

Es wird befürchtet, dass das Agrarpaket das Höfesterben beschleunigt. Daneben machten sie auf den Widerspruch aufmerksam, dass Verbraucher*innenökologisch produzierte Lebensmitteln fordern und gleichzeitig zu günstigen Discount-Produkten greifen. Dahinter stehen Existenzängste, wie sie für Bäuerinnen und Bauern weltweit immer häufiger werden.

Welcher Weg führt aus der Krise und bringt die Akteure (wieder) zusammen?

Die Probleme sind aufgrund der Versäumnisse aus mehreren Jahrzehnten exportorientierter,  industriefreundlicher Agrarpolitik und ambitionsloser Klima- und Naturschutzpolitik vielfältig. Lösungen müssen auf mehreren Ebenen gefunden werden. Wichtig ist jedoch – und das zeigen die aktuellen Proteste ganz deutlich – Brücken zu schlagen zwischen den Erzeuger*innen und den Verbraucher*innen, zwischen den “Städter*innen” mit hohen ökologischen Qualitätsanforderungen und Landwirt*innen ohne ökonomische Perspektiven. Eine zukunftsfähige Landwirtschaftspolitik muss den Dialog suchen und nicht die Bäuerinnen und Bauern gegeneinander ausspielen. Dafür braucht es Foren und Austauschmöglichkeiten auf Augenhöhe und an vielen Orten. Jede und jeder kann mithelfen, dass sich die Bäuerinnen und Bauern in der entstandenen Bewegung mitgenommen fühlen.

Nehmt es selbst in die Hand und sorgt für ein Zusammenkommen: veranstaltet Veränderung!

Ein konkreter politischer Appell an Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ist die Einberufung einer Landwirtschaftskommission, um “klare und lösungsorientierte Rahmenbedingungen” zu schaffen. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Brot für die Welt und Greenpeace fordern gemeinsam dazu auf, dass “Vertreterinnen und Vertreter aus der Landwirtschaft, von Seiten der Verbraucher, aus dem Umwelt-, Natur- und Tierschutz sowie aus der  Entwicklungspolitik, dem Einzelhandel, der Ernährungswirtschaft und den Ministerien” in den kommenden Monaten konkrete Maßnahmen entwickeln. Wir unterstützen diesen Aufruf. (Mehr dazu hier)


Wenn ihr selbst Veranstaltungen organisiert, Mitstreiter*innen sucht, von Veranstaltungen hört, die ihr gerne mit anderen Menschen teilen möchtet, Ideen oder Wünsche habt, was es jetzt zur Stärkung bäuerlicher Landwirtschaft braucht, dann schreibt uns eine Nachricht!

Fotos: Dorothee Parent/Pour une autre PAC; Michael Krack

21. März 2017 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Politisches Marktfühstück

Was willst Du denn im Supermarkt, da kennt Dich doch niemand? Gib lieber waschechten Bauern die Hand – auf dem Wochenmarkt.

Du steckst im Alltagstrott des Einkaufens irgendwo zwischen Discounter, Späti und Lieferdienst, fragst dich, warum diese Erdbeeren jetzt gerade aus Israel kommen, wieso alle Karotten genau gleich aussehen und wer oder was eigentlich dieses Solawi ist, von dem auf einmal alle reden?
Beim politischen Marktfrühstück kommen Verbraucher*innen mit Bäuerinnen und Bauern aus dem Umland zusammen und sprechen über die Zukunft von regionalem Essen, diskutieren die tollen Initiativen und Einkaufs-Alternativen die es schon gibt – und frühstücken gemeinsam.

In Zeiten, in denen 5 Konzerne 90% des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland kontrollieren, ist es durchaus politisch, fast ein Akt des Widerstandes, auf dem Bauernmarkt einzukaufen. Während immer mehr Menschen alles nur noch online bestellen – vom Schnürsenkel bis zur Aubergine – sich das Essen von tendenziell unterbezahlten Lieferant*innen vor die Tür stellen lassen und sich im Supermarkt das in Plastik eingepackte Bio-Gemüse aus Almeria aneinander reiht, suchen wir Begegnungen, Austausch und andere Perspektiven auf unser Essen.
Es ist Zeit, die Filterblasen zwischen Stadt und Land, zwischen Verbraucher*innen und Landwirt*innen platzen zu lassen, über unseren Tellerrand zu schauen und uns mit den Menschen an einen Tisch zu setzen, die unsere Lebensmittel produzieren. Denn nur gemeinsam finden wir Wege aus der anonym-globalisierten Agrarindustrie und holen uns unser Ernährungssystem in Stadt & Umland zurück.
Auf dem politischen Marktfrühstück geht der Einkauf in Austausch über. Wir wollen gemeinsam schlemmen und voneinander lernen. Bist Du dabei?

Jeder und jede kann ein politisches Marktfrühstück bei sich im Ort oder Stadtteil organisieren. Du musst nur die Initiative ergreifen. Auf diesem Flyer mit Checkliste findest du alles, was du beachten musst.

Wir unterstützen dich gerne, falls du noch Fragen hast. Schreibe einfach eine Email an: info@aktion-agrar.de

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Einen Rückblick von unserem ersten politischen Marktfühstück in Berlin-Neukölln findest du hier…

20. März 2017 Kommentare sind deaktiviert Karen Schewina
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Schnippeldisko

Krummes Gemüse zerkleinern bei guter Musik mit netten Leuten: das ist eine Schnippeldisko.

Ein beachtlicher Teil der Feldfrüchte wird schon während der Ernte aussortiert, weil es nicht den Normen entspricht, was Größe oder Krümmungsgrad angeht. Deswegen ist es ja nicht weniger lecker!
Aus dem geschnippelten Gemüse wird dann vor Ort eine Suppe gekocht und gemeinsam gegessen.
Viele Brettchen, Messer und Schüsseln braucht es und am besten noch eine Diskokugel. Im Französischen heißt das Format „Disco Soupe“, da wird das doch gleich viel klarer. In Deutschland hat die Slow Food Jugend die Party in den Mainstream gebracht.

Wenn ihr einen Landwirt oder eine Landwirtin aus der Umgebung findet, die ihr für die Idee begeistern könnt, ist der erste Schritt getan. Eine gute Gelegenheit, sich mit den Betrieben in der Umgebung vertraut zu machen und den ein oder anderen Plausch zu führen mit den Menschen, die eure Lebensmittel anbauen.

Schritt 2: Ihr kennt eine Location, die sich dafür eignet, Biertische und -bänke aufzubauen für 10 – 50 Menschen, am besten mit Wasseranschluss und Stromversorgung? Dann braucht ihr nur noch jemensch, der euch einen großen Topf mit Gaskocher ausleiht – oder viele kleine – und eine bunte Mischung aus Tellern und Löffeln.

Schritt 3: Für den Transport des Gemüses benötigt ihr vermutlich ein großes Auto oder einen kleinen Transporter – je nachdem, wie viel Suppe es denn werden soll. Bei der größten Schnippeldisko Deutschlands vor der „Wir haben es satt“ – Demo wird jedes Jahr mehr als eine Tonne krummes Gemüse verkocht. Aber Hauptsache, ihr macht euch eine gute Playlist, organisiert warmes Wasser zum Spülen und Händewaschen und legt am besten noch ein paar Einweghandschuhe dazu für alle Menschen ,die sich nicht gerne die Hände mit roter Bete einfärben.
Auch wenn die Landwirt*innen das Gemüse, das ihr schnippelt, vermutlich kompostiert hätten: eine Spendendose, deren Erlös den Betrieben zugute kommt, ist eine nette Geste und zeigt Wertschätzung.

Ladet eure Freund*innen und alle anderen Menschen um euch herum ein, die gemeinsam kochen und aktiv gegen Lebensmittelverschwendung werden wollen!

Checkliste:

  • Hof oder Höfe, die euch Gemüse zur Verfügung stellen würden, finden
  • Location suchen, die für euer Vorhaben geeignet ist (Strom- und Wasseranschluss, Möglichkeit, Gaskocher aufzustellen, ausreichend Toiletten, Möglichkeiten zu spülen und Hände zu waschen)
  • Transportmöglichkeit für das Gemüse
  • Equipment: Gaskocher, Töpfe und Menschen, die sich solche Mengen an Gemüse zutrauen
  • Messer, Brettchen (kann auch jede*r selbst mitbringen, aber ein paar in petto zu haben ist erfahrungsgemäß gut)
  • Playlist, DJ und evtl. auch eine Moderation
  • Spülwannen und -tücher, Händedesinfektionsmittel, Handschuhe, Seife & Co
  • Einladung, evtl. auch an Pressevertreter*innen
  • Diskokugel
  • Spendendose

 

 

19. März 2017 Kommentare sind deaktiviert Karen Schewina
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Stoppelparty: gemeinsam nachernten und feiern

Wenn die Erntemaschine über den Kartoffelacker gerollt ist, bleibt da noch jede Menge liegen… (mehr …)