17. April 2020 Kommentare sind deaktiviert Gastbeitrag
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Allmende-Kontor Berlin: Kleinbäuer*innen-Aufstand mit Abstand!

Der Allmende-Kontor Gemeinschaftsgarten in Berlin ruft auf zu Kleinbäuer*innen-Aufstand mit Abstand

Jedes Jahr im Frühling erblühen die Gemeinschaftsgärten, kommen die Leute zusammen und werden oft Tauschbörsen veranstaltet. Das geht grad leider nicht so einfach. Schade, denn gerade jetzt haben einige Menschen mehr Zeit als sonst zum Gärtnern. Vielen von uns täte das Buddeln in der Erde jetzt wohl besonders gut – für den Körper und die Seele. Deshalb machen wir im Allmende-Kontor Gemeinschaftsgarten die diesjährige Jungpflanzen- und Saatguttauschbörse einmal anders – nämlich kontaktlos und mit Eurer Mitwirkung völlig selbstorganisiert. Auftakt der Tauschbörse ist der 17. April, Tag des kleinbäuerlichen Widerstandes von La Vía Campesina, der globalen Organisation von Kleinbäuer*innen. Jedes Jahr wird an diesem Datum auf Ungerechtigkeiten und Konflikte im globalen Nahrungsmittelsystem aufmerksam gemacht, gleichzeitig die bestehende kleinbäuerliche Vielfalt gefeiert und auf deren Vorzüge gegenüber der industriellen Landwirtschaft hingewiesen. Seid dabei!

Wie?

  • Kontaktlos mit Abstand (1,5 m) aber in herzlicher Verbundenheit und Solidarität
  • Bitte die Pflanzen und Saaten, die Ihr gebt, gut beschriften, wichtige Infos dazu schreiben!
  • Gebt und nehmt mit Freude und Maß

Wo und wann?

Ab Freitag, 17.4. um 16 Uhr bis Donnerstag, den 30.4.
Allmende-Kontor Gemeinschaftsgarten (Tempelhofer Feld) am Tausch-Bett beim „Dorfplatz“ (Berlin)

Initiiert von Allmende-Kontor, Freund*innen des 17. April, Netzwerk Urbane Gärten Berlin & Nyeleni.de

http://nyeleni.de/2020/04/kleinbaeuerinnen-aufstand-mit-abstand/

https://www.facebook.com/Gemeinschaftsgarten-Allmende-Kontor-226494657419269/

8. April 2020 Kommentare sind deaktiviert Gastbeitrag
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Lisa J.: Artenvielfalt jederzeit und für alle!

Ich bin derzeit noch in Ausbildung zur Staudengärtnerin und bin immer noch sehr froh über diese Entscheidung, weil gerade im Bereich Produktionsgartenbau (dazu zählt ja auch Gemüsebau etc.) immer mehr Fachkräfte fehlen. Das wird uns auch immer wieder deutlich gemacht während der Ausbildung. Auch wenn es teilweise anstrengende Arbeit ist, gerade jetzt im Frühjahr, ist es auch eine sehr schöne Tätigkeit, weil man tausende verschiedene Pflanzen hegt und pflegt, packt und putzt mit dem Wissen, dass sie auf irgendeiner Fläche oder irgendeinem Garten ihren Beitrag zur Artenvielfalt leisten.

In den letzten Wochen waren wir auch zum Teil von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen; erst hieß es, Gartencenter sollen nicht schließen, dann doch, dann einige Mitarbeiter in Kurzarbeit, und jetzt wieder die Öffnung aller Gartencenter! Und das während im Staudenbereich, aber in vielen anderen Gartenbau-Bereichen auch gerade im Frühjahr der Hauptumsatz gemacht wird. Wir beliefern u.a. einen Online-Pflanzenversandhandel und die Menge an Pflanzen hat sich in den letzten Wochen mehr als verdoppelt. Eindeutig ein Zeichen, dass die Menschen, die gerade Zeit haben gärtnern wollen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben!

Auch wenn wir mit den Stauden vielleicht nicht als „systemrelevant“ gelten, so finde ich aber dennoch, dass wir mit unserer Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Artenvielfalt und sinnvolle Beschäftigung leisten und Pflanzen gerade sehr nachgefragt sind. Wenn wir also nicht weiterarbeiten könnten/dürften, dann würde ein wichtiger Bereich im Gartenbau fehlen. Außerdem handelt es sich ja um „lebendige“ Produkte, die man nicht einfach ohne Menschen lassen kann, die für sie sorgen; das gilt natürlich für alle Bereiche der Landwirtschaft. Insofern ja vielleicht doch auf eine Weise „systemrelevant“?

7. April 2020 Kommentare sind deaktiviert Gastbeitrag
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Persönliche Beiträge – Sammlung Teil 1

Ackerboden und Gemüseanbau

Von Elisabeth Sailer

Aufgrund der Situation hat ein konventioneller Bauer einen Acker zum Gemüseanbau zur Verfügung gestellt.
Schön!!!
Machte einen Anbauplan für Mischkultur.
Als ich die Beete vorbereiten wollte, bemerkte ich, dass der Boden sehr hart und grob ist. Es sind viele Steine da.
Es begegnete mir kein einziger Regenwurm.
In diesem Boden werden keine Kartoffeln gedeihen, Kraut verhungert sowieso, für Möhren dürfte der Boden viel zu rauh sein…..

Ohje!
Vor 4 Jahren übernahm ich einen großen Hausgarten mit ähnlichen (noch schlimmer) Voraussetzungen.
Ich brachte jede Menge Pferdemist ein (Achtung: Herbizid Simplex!), Kompostherstellung, mulchte, mulchte, mulchte……

Seither erholt sich der Boden zusehends. Die Erträge im Garten sind schön, das Leben ist wieder eingekehrt und letztes Jahr waren richtig viele Insekten da.


Von Frenzel:

Ich möchte für unsere Familie frisches und gesundes Obst und Gemüse auf unserem Wochenmarkt von Erzeugern aus unserer Region kaufen.


Solawi solidarisch

Von Cornelia

Ich bin seit einigen Jahren überzeugte Prosumentin bei einer Bioland-Gemüse und einer Streuobst-Solawi, kaufe kaum Gemüse zu und erlebe in dieser Zeit besonders intensiv und bestärkend, dass es wirklich genau die regionalen und solidarischen Strukturen sind, die Lösungen für die globale Fehlsteuerung unserer Zeit bieten und beinhalten. Wir sollten dieses super praktikable und für alle Beteiligten stärkende Konzept mehr und mehr publik machen damit alle damit „sinnvoll“ und auf unterschiedlichen Ebenen miteinander gesund wachsen können. Wir brauchen alle viel, viel, viel weniger „Global“, dafür können wir wieder viel, viel mehr gestärktes „Regional“ erschaffen und erhalten. Zwischenmenschliche Begegnungen und überschaubare Verantwortung in solidarischen Gemeinschaften entstehen dadurch „nebenbei“.

Prädikat:. SEHR EMPFEHLENSWERT!


Danke für eure Einsendungen!

Die Beiträge wurden teilweise zur besseren Lesbarkeit überarbeitet. Danke für euer Verständnis.

6. April 2020 Kommentare sind deaktiviert Gastbeitrag
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Slow Food initiiert Online-Einkaufskarte zur Sicherung von Existenzen

Aufgrund der Corona-Pandemie bangen Menschen bundesweit um ihre Existenz. Darunter zahlreiche Köch*innen und all diejenigen, die im Bereich der Gastronomie tätig sind sowie klein- und mittelständische Unternehmen für Erzeugung, Weiterverarbeitung und Vertrieb von Lebensmitteln. Slow Food appelliert an Verbraucher*innen bundesweit, die existenziell wichtigen regionalen Versorgungsnetzwerke lebendig zu halten. Dafür hat der Verein eine Karte veröffentlicht, die vom Slow-Food-Netzwerk mit Einkaufstipps befüllt wird und die kleine Betriebe und Unternehmen mit ihren Kund*innen vernetzt.

Die Corona-Pandemie rückt Ernährung und die tägliche Versorgung mit Lebensmitteln für die meisten Verbraucher*innen in den Mittelpunkt ihrer Tagesläufe. Essen ist wieder spürbarer existenziell geworden. Viele Menschen sind dankbar für lokale Versorgungsstrukturen wie die Gemeinschaften um Bioläden und ihre Erzeuger*innen sowie die solidarische Landwirtschaft; alles, was sie vor Ort verlässlich versorgt. Zugleich sind zahlreiche Existenzen entlang der Erzeugung, der Weiterverarbeitung und des Handels von Lebensmitteln sowie die Gastronomie aufgrund der Schließung des öffentlichen Lebens bedroht.

Slow Food Deutschland appelliert an Verbraucher*innen, gerade jetzt soweit wie möglich die kleinen Betriebe, Läden und Gastronom*innen ihrer Region zu unterstützen. Viele setzen kreative Notlösungen um. Diese Angebote wahrzunehmen wird bei vielen darüber mitentscheiden, ob sie nach Lockerung der Sicherheitsmaßnahmen ihre Türen wieder öffnen können. Die Slow-Food-Karte listet bundesweit Hofläden, Online-Shops, Straßenverkäufe und Lieferservice. Befüllt wird die Karte stetig durch das Slow-Food-Netzwerk in Deutschland. Anfang April zählt sie bereits über 350 Adressen. Hinzu kommen in den nächsten Tagen die Unterstützer*innen, also Unternehmen, die sich in ihrem Tun der Slow-Food-Philosophie verbunden fühlen sowie Aussteller*innen der ‘Messe des guten Geschmacks – die Slow-Food-Messe’, die aufgrund der Pandemie auf den April 2021 verschoben werden musste.

Dazu Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland e. V.: „Seit Ausbruch der Corona-Krise ist unser Slow-Food-Netzwerk einmal mehr darum bemüht, das solidarische Miteinander in unserer Gesellschaft zu stärken. Aus diesem Engagement heraus ist diese ‚Versorgungskarte‘ entstanden. Denn uns ist klar, dass wir die drastischen Einschnitte, denen wir ausgesetzt sind, nur gemeinsam bewerkstelligen können. Eine Krisenzeit wie diese macht klar, was unsere Ernährung und damit auch unser Miteinander sichert. Es ist eine verlässliche kleingliedrige Versorgung der Bevölkerung. Ihren Fortbestand müssen wir jetzt sichern“.

Essen stellt für viele Menschen bundesweit gerade eine Herausforderung dar. Mitunter wirft das Zubereiten von Speisen in den eigenen vier Wänden bei vielen Fragen und Unsicherheiten auf. Um dafür Abhilfe zu schaffen, stellt Slow Food gemeinsam mit den Köch*innen der Chef-Alliance regelmäßig wechselnde Rezept Tipps Online. Sie sollen Menschen Inspiration und Mut zum Kochen geben und dazu motivieren, das zu genießen, was in der eigenen Region erreichbar ist.

Die Slow-Food-Einkaufskarte mit Suchfunktion finden Sie unter: https://www.slowfood.de/einkaufen

 

3. April 2020 Kommentare sind deaktiviert Gastbeitrag
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Julia Bar-Tal: Ein solidarischer Gruß aus der Brandenburger Landwirtschaft in Zeiten von Corona

Julia Bar-Tal ist für die AbL Brandenburg aktiv und hat diesen Artikel zuerst auf der Seite der AbL und in der Bauernstimme veröffentlicht.


Warum dieser Artikel?

Ich habe mich entschlossen, diesen Artikel zu schreiben, um angesichts der Angst und Verwirrung, die gerade viele umtreibt, zu versuchen, eine Stimme der Ermutigung und des Zusammenhalts und auch eine Stimme aus der Landwirtschaft einzubringen. Warum ich als Landwirtin schreibe, hat eine einfache Erklärung: Wenn wir als Gesellschaft unter einen solch immensen Druck geraten, der ganz existenzielle Fragen aufwirft, wie die Verbreitung des Covid-19 Erregers es gerade tut, müssen wir uns auf das zurückbesinnen, was wir in einer solchen Krise tatsächlich brauchen. Wir müssen überlegen, wie wir gemeinsam und für alle auch in schwierigen Zeiten agieren. Das Essenzielle ist in meinen Augen vor allem die medizinische Versorgung, die Versorgung mit gesunden und ausreichenden Lebensmitteln, sowie einem transparenten und für alle verständlichen Informationsfluss.

Der Text wird sich unter anderem mit möglichen Gründen für den Ausbruch von Epidemien wie Corona beschäftigen, womit zunächst strukturelle Fragen aufgeworfen sind, um dann zu praktischen Überlegungen zu kommen. In diesem Zusammenhang wird es darum gehen, wie wir uns gegenseitig helfen können und was dabei aus Sicht der regionalen Landwirtschaft wichtig ist, deren Aufgabe vor allem darin besteht, ihren Teil zur Lebensmittelversorgung beizutragen.

Es geht darum, mit welchen Fragen wir uns meiner Ansicht nach in irgendeiner Form notwendigerweise auseinandersetzen müssen. Es macht wütend, wenn mächtige Menschen in Politik, Wirtschaft und Staaten die Krise nutzen, um persönlich-politische Agenden voranzutreiben. Gleichzeitig ist es auch keine Überraschung. Schnell werden Wirtschaftshilfen für Großkonzerne versprochen, während gleichzeitig die Last der ausfallenden Arbeit von den ArbeiterInnen getragen wird. Eine gegen die Bevölkerung gerichtete politische Agenda kann es – auch jenseits von Corona – sein, an einem System festzuhalten, das keine Krankenversicherung für alle vorsieht, wie es zum Beispiel die U.S.-Regierung tut. Das und eine womöglich fehlende arbeitsrechtliche Absicherung haben zur Folge, dass viele Menschen es nicht wagen sich testen zu lassen oder trotz Krankheit weiter arbeiten gehen. Repressive Regime und einige neoliberale westliche Regierungen haben häufig die Anfänge von Corona in ihren Ländern geleugnet oder die Gefahr hinuntergespielt und damit dazu beigetragen, dass eine Ausbreitung in viel größerem Ausmaß stattfinden konnte, ohne dass Maßnahmen ergriffen wurden.

Um auch meine politische Agenda vorweg zustellen: Auch, wenn ich persönlich Bio-Landwirtin bin, geht es in diesem Artikel explizit nicht darum, den von mir favorisierten Ökolandbau voranzubringen, sondern um uns alle in der regionalen Landwirtschaft.

Eine Krise, wie die, mit der wir uns jetzt konfrontiert sehen, führt uns mehr als deutlich vor Augen, dass vieles, worin wir uns als selbstverständlich eingerichtet haben, auch schnell ins Wanken geraten kann. Die Frage nach den systematischen Zusammenhängen muss schon lange gestellt werden. Wer das bis jetzt noch nicht verstanden hat, kann vielleicht gerade in der aktuellen Krise deutliche Hinweise dafür sehen. dem ist nicht mehr zu helfen.

Die LandwirtInnen machen seit Jahren auf ihre prekäre wirtschaftliche Lage aufmerksam. Der Verlust von mehreren tausend meist mittelständischen Familienbetrieben in Deutschland jedes Jahr und seit Jahrzenten und der Trend zu immer konzentrierteren landwirtschaftlichen Einheiten, sowie dem vor- und nachgelagerten Bereich sind Entwicklungen, denen wir bisher als Berufsstand meist allein gegenüberstehen und für die wir wenig gesellschaftliche Aufmerksamkeit bekommen. Das Prinzip „wachse oder weiche“ betrifft unsere Branche in besonderem Maße und ist schon lange bittere Realität. Das bedeutet für viele von uns Verlust und Armut, ungezählte persönliche Schicksale von Bauern und BäuerInnen. In Frankreich ist in der Bauernschaft durchschnittlich ein Selbstmord pro Tag zu verzeichnen.

Wir wissen, dass unsere Märkte in einem unglaublichen Maß abhängig sind von einem Warenfluss, der stets wachsen muss. Die freie Marktwirtschaft kreiert eine Intensivierung der Landwirtschaft, der BäuerInnen zum Opfer fallen und im selben Atemzug Natur, Umwelt, Artenvielfalt.

Während unsere regionale Landwirtschaft in Europa, in Deutschland und in Brandenburg zunehmend den Charakter der bäuerlichen Landwirtschaft verloren hat und wir als BäuerInnen somit unsere Existenz, bedeutet dies auch, dass wir in eine Situation gedrängt wurden, in der viele BerufskollegInnen nur überleben können, wenn sie sich dieser Art von Produktion anschließen und ebenso in die Intensivierung gehen. Zunehmend wurde in unserer Region eine Landwirtschaft kreiert, in der LandwirtInnen für den Weltmarkt produzieren und nicht für die regionale Versorgung. Mit allen Nachteilen, die es auch für sie selbst bedeutet:

Die Abnehmerpreise sind inzwischen so schlecht, dass selbst Betriebe mit einigen hundert Milchkühen nicht mehr aufrechterhalten werden können. Der Ackerbau in Brandenburg bringt kaum noch einen Gewinn, die fehlenden Weiterverarbeitungsstrukturen in der Region bedeuten, dass es für viele Produkte gar keine Abnahme gibt oder die wenigen Abnehmer im Handel durch ihre Marktmacht einfach die niedrigsten Preise festlegen können. Wo diese Art von Marktkonzentration stattfindet, geht es Landwirtschaftsbetrieben automatisch schlecht, aber auch der Biodiversität. Es kann keine breite und vielfältige Fruchtfolge auf den Äckern Brandenburgs geben, wenn es nicht auch eine ebenso breite und vielfältige Abnahmestruktur gibt.

Anstatt unsere regionale Landwirtschaft zu stärken, wurde auf Import gesetzt. Vieles, was hier angebaut werden könnte, wird billiger von woanders importiert. Vieles, was wir im Laden als selbstverständliches Angebot betrachten, wird jeden Tag mit Containern über das Meer, über die Straße, über die Gleise und sogar durch die Luft zu uns gebracht.

Wir importieren uns also tagtäglich die Früchte ausgebeuteter Arbeitskraft anderer und gleichzeitig den Verlust unserer eigenen Betriebsstrukturen. Um nur zwei Beispiele zu nennen, die auch den meisten nicht-LandwirtInnen bekannt sind: anstatt ausreichend heimische Leguminosen anzubauen, importieren wir 3 Millionen ha Soja für die Tierproduktion jährlich allein aus Lateinamerika. Anstatt auf heimische Ölfrüchte zu setzen, gibt es kaum noch Produkte, die kein Palmöl enthalten.

In Bezug auf Covid-19 wird hitzig diskutiert ob es das Gürteltier oder die Fledermaus waren, die uns den Virus brachten. Das alleinige Betrachten des Ursprungswirt, über den der Virus zu uns gelangt ist, greift allerdings viel zu kurz. Die Frage ist, warum sich diese Art von Infektionskrankheiten häufen und warum sie sich so rasend schnell über dem Globus verbreiten können.

Wie sie sich verbreiten, ist bereits genügend bekannt und muss an dieser Stelle vermutlich nicht noch einmal erwähnt werden. Wir wissen, dass unser Planet jeden Tag millionenfach umrundet wird von Reisen und Transporten.

Gerade hier sind die Zusammenhänge zu Infektionskrankheiten, wie die, die sich zunehmend entwickeln, nicht zu leugnen:

Es gibt die Art der Krankheiten, die durch Tiere in der landwirtschaftlichen Produktion übertragen werden, wie die Vogel- oder Schweinegrippe, aber auch MERS-Cov und andere Corona-Viren, die es in der Vergangenheit gab. Ich erwähne beide, da es mir wichtig ist, sachlich und ohne Pauschalaussagen zu argumentieren. MERS-Cov hatte seinen Ursprung bei Kamelen und Dromedaren in der Übertragung auf den Menschen und nicht in der intensiven Tierhaltung. Allerdings hat das auch bedeutet, dass diese gefährliche und tödliche Erkrankung sich nicht so rasant verbreitet hat und die Fallzahlen relativ gering geblieben sind. Vogel- oder Schweinegrippe sind Erkrankungen, die in der Ausbreitung viel gefährlicher sind, da es sich um Tierarten handelt, die intensiv gehalten und produziert werden, unter Bedingungen, die die genetische oder gesundheitliche Resistenz der Tiere kaum noch gewährleistet. Intensive Tierhaltung stellt eine große Gefahr da, ganz abgesehen von den moralischen Implikationen.

Neuerdings kommt es auch immer häufiger dazu, dass gefährliche Infektionserkrankungen durch Viren von Wildtieren auf den Menschen übertragen werden. Doch auch hier spielt die Art, wie wir global Landwirtschaft betreiben und mit Land und natürlichen Habitaten umgehen, eine zentrale Rolle. Ein Beispiel für eine solche Infektionskrankheit ist das Nipah-Virus, das in Malaysia zu einer gefährlichen Epidemie mit 70%-iger Mortalitätsrate beim Menschen führte. Sie konnte nur mit drastischen Maßnahmen – Keulung von über einer Million Schweinen, also über der Hälfte des Malayischen Schweinebestands – eingedämmt werden konnte.

Das Nipah-Virus lässt sich wie viele andere Krankheiten zurückverfolgen: Ursprung war die Fledermaus. Diese Fledermäuse hatten jedoch ihr eigentliches Habitat in den Urwäldern Indonesiens. Nachdem Indonesien für die Palmölproduktion drei Viertel seiner Wälder gerodet hatte, waren die heimatlos gewordenen Fledermäuse auf die Fruchtbaumplantagen des benachbarten Malaysia umgesiedelt. Hier wurden die Schweine infiziert und primär über MitarbeiterInnen in den Schlachthöfen dann auch andere Menschen. Indem der Mensch das labile Gleichgewicht der Ökosysteme gefährdet, verändert er auch die Übertragungsketten der Viren.

Wie der Evolutionsbiologe Rob Wallace1 gut beschreibt, ist jeder weitere Ausbruch von Covid-19 kein isolierter Vorgang. Die sprunghafte Zunahme und Verbreitung dieser Art von Viren ist eng verbunden mit der Art, wie wir unsere globale Lebensmittelproduktion gestalten und diese wiederum mit der Profitorientiertheit multi-nationaler Unternehmen. Elementarer Bestandteil von deren Funktionieren sind die rasenden Flüsse von Waren und Menschen rund um den Globus. Wie Rob Wallace weiterhin beschreibt, ist es heutzutage kein weiter Weg mehr von der Fledermaus im Hinterland eines Kontinentes bis „zum Tod von sonnenbadenden Menschen in Miami“.

Auch die von Wildtieren übertragenen Infektionen kommen häufig erst aus vormals tief in natürlichen Habitaten verborgenen Erregern zum Menschen, weil der Mensch zu ihnen vordringt. Die genetische Vielfalt ist durch die agrarindustrielle Intensivierung einzelner Tierarten und -Rassen, sowie durch die Zerstörung der Habitate natürlicher Bio-Diversität zunehmend eingeschränkt, dass einer Verbreitung dieser Art von Viren immer weniger bremsende Wirkung entgegensteht.

Wie Professor Rodolphe Gozlan2, Forschungsleiter am Institut für Entwicklungsforschung sagt, ist „Artenvielfalt nicht etwas, was sich der Mensch von außen betrachten kann. Er ist Teil dieser Vielfalt, ob er will oder nicht. Wir Wissenschaftler sind uns über eines im Klaren: der Schutz der Umwelt oder der Artenvielfalt ist keine romantische Ideologie, sondern hier besteht ein ganz konkreter Zusammenhang mit dem Kampf gegen die Infektionskrankheiten.“

Kurz gesagt: globaler Umweltschutz ist auch globaler Gesundheitsschutz.

Eine Antwort hierauf kann in meinen Augen nur wirkliche Solidarität sein. Der Ursprung der Krankheit, die Geschwindigkeit, mit der sie sich über den Globus verbreiten kann, ebenso wie unsere Möglichkeiten der Ausbreitung zu begegnen, sind nur in Verbindung anzugehen. Es kann nicht zielführend sein, die einzelnen Ausbrüche und Regionen nur reaktiv und sensationsgesteuert zu betrachten und zu behandeln.

Für mich als Landwirtin in der Region gehören die Tatsachen, dass wir vor Ort zu wenig für die Region produzieren, dass viele gut ausgebildete Fachkräfte in unserem Berufszweig für eine Vollzeitarbeit in der Landwirtschaft oft nur zwischen 1100-1300 Euro netto verdienen und dass die Betriebe trotz dieser Selbstausbeutung finanziell in Knie gehen, zusammen. Ebenso gehört für mich in die gleiche Diskussion der Solidarität, dass schlechtbezahlte Reinigungskräfte im Subunternehmen der Charité Berlin jetzt ihren Streik unterbrechen mussten, weil ihre Arbeit so unglaublich wichtig ist – gerade angesichts der Corona-Epidemie. Ihr Streik wurde aus Sicherheitsgründen unterbrochen. Bei all der Diskussion über Corona und die Folgen, sehe ich jedoch nirgendwo eine Diskussion darüber, dass sofort alle diese Menschen, die jeden Tag für unsere Versorgung da sind viel höhere Gehälter als Anerkennung bekommen sollten und im Falle dieses Ausbruchs eventuell sogar noch eine Gefahrenzulage.

Die neoliberale Umgestaltung unseres Gesundheitssystems nach Fallpauschalen, die dazu geführt hat, dass ein so wohlhabendes Land wie Deutschland nun womöglich nicht über genügend Überkapazitäten verfügt, ist nichts anderes, als das, was wir in der Landwirtschaft und in vielen Bereichen der Arbeitswelt sehen. Ob es überarbeitete, müde, schlecht-bezahlte Pflegekräfte sind, denen womöglich Unfreundlichkeit vorgeworfen wird, weil sie kaum noch die Kraft haben, auf die vielen von ihnen zu versorgenden Menschen einzugehen, oder LandwirtInnen, denen pauschal schlechter Umgang mit Tieren oder der Natur angekreidet wird: Es geht im Kern um das gleiche Problem.

Tatsächlich: es wird oft lieblos mit Kranken und Alten umgegangen, sowie es auch zutrifft, dass oft fahrlässig mit Tieren, Böden und der Natur umgegangen wird. Das alles geschieht in Arbeits- und Vermarktungszusammenhängen, bei denen im Euro/Cent-Bereich abgerechnet wird. Dabei geht es eben auch um die Menschen, die in dem Bereich arbeiten. Wir kommen also nicht darum herum, die Frage nach den größeren Zusammenhängen zu stellen, und während wir das tun, sollte Solidarität die Grundlage sein. Adressaten für unsere Wut sind nicht die Arbeitenden, sondern diejenigen, die uns eine immer intensivere Produktion als die einzige Alternative verkaufen, uns in Abhängigkeiten von großen Unternehmen bringen. Diese und ihre Vorgaben wiederum sind die Verantwortlichen dafür, dass wir uns alle – sei es im globalen Norden oder im globalen Süden – abstrampeln für einen Weltmarkt, der uns offensichtlich auf regionaler wie auf globaler Ebene nichts als Leid und Elend einbringt.

Die Agrarindustrie ist derart blind profitorientiert, dass in den stets kurzfristig gedachten Entscheidungen unter dem ausschließlichen Kriterium der Profitmaximierung auch der „Kollateralschaden“ solcher Entscheidungen derart verheerend sein kann, wie wir es derzeit erleben: Ein Virus ist – nicht von ungefähr – entstanden, eine Pandemie, die unabsehbar viele Menschen das Leben kosten kann. Covid-19 hat jetzt schon wirtschaftliche Folgen, die selbst diese Profite und – viel wichtiger! – alles, was unsere Leben angeht, umfassend in Frage stellt. Solange „der Laden“ ungestört durch das Virus lief, wurden die externalisierten Kosten quasi klaglos und unbemerkt getragen von den Tieren, der Umwelt, den landwirtschaftlichen ArbeiterInnen, den KonsumentInnen, dem Staat, dem Gesundheitswesen und vielen mehr. Sie wurden bisher nie den landwirtschaftlichen Betriebskosten zugerechnet, und die Verantwortlichen mussten nie dafür aufkommen. Wäre dies geschehen, würde es diese Form der Agrarindustrie überhaupt nicht geben. Das wird auch jetzt mit den immensen Kosten, die der Corona-Ausbruch verursacht, nicht der Fall sein. Die werden am Ende wir schultern müssen.

Umso mehr sollten wir die derzeitige Krise zumindest als Chance sehen, diese Ungerechtigkeiten ein für alle Mal in Frage zu stellen und nach Wegen zu einer tiefgreifenden Veränderung zu suchen – gemeinsam.

Rassistische Ausgrenzungen können in dieser Diskussion keinen Raum haben. Wer sich darauf einlässt, hat strukturell nichts verstanden, ganz abgesehen davon, dass er die Gewalt, die Rassismus darstellt, billigend in Kauf nimmt. Gesunde Lebensbedingungen, gute Lebensmittel und medizinische Versorgung sind ein Recht für alle. Hinzu kommt, dass der Virus diese Grenzen nicht kennt. Wer also in diskriminierender Ausgrenzung andere verdrängen will hat nicht verstanden, dass die Gefahr somit selbst zu erkranken exponentiell damit steigt, desto schlechter diese „anderen“ in unserer globalen Gesellschaft versorgt sind. In Bezug auf Krankheiten und Epidemien wurden und werden immer wieder marginalisierte Menschen stigmatisiert, Opfer von Angriffen oder in der systembedingt unvermeidlichen barbarischen Konkurrenz um die knapper werdenden Ressourcen als Bedrohung dargestellt. Um es kurz in Bezug auf einige der Infektionskrankheiten der jüngeren Geschichte aufzuzeigen: Anti-chinesischer Rassismus im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie ist ebenso falsch, wie es richtig ist daran zu erinnern, dass die verschiedenen Vogel- und Schweinegrippen ihren Ursprung in Europa und den U.S.A. hatten und auch hier die Regierungen die Agrarindustrie, die dafür verantwortlich war, gedeckt haben. Regional ausgebreitete Krankheiten wie Ebola in West-Afrika und Zika in Brasilien wurden durch post-kolonialistische Armuts- und Abhängigkeitsverhältnisse der multinationalen Ausbeuter maßgeblich begünstigt.

Unsere eigene Regierung sträubt sich mit aller Macht gegen ein Lieferkettengesetz, das die Ausbeutung durch deutsche Unternehmen im Ausland der Strafbarkeit zuführen würde. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Produkte, die unter diesen Bedingungen produziert werden, auch weiterhin unseren Markt bestimmen und heimische ProduzentInnen gegen diese billigen Preise konkurrieren müssen, daran aber betriebswirtschaftlich zerbrechen.

Dies ist genau eines der Beispiele dafür, dass uns über alle Grenzen des Globus und alle Unterschiede der Lebensumstände und Arbeitsbedingungen hinweg mehr eint als trennt. Die Länder des globalen Nordens und ihre Menschen waren lange die Gewinner dieser Ausbeutungsverhältnisse, aber die Not der LandwirtInnen und der Menschen, die auch hier zunehmend in prekarisierten Arbeitsverhältnissen schuften müssen, zeigen, dass diese Ungerechtigkeit auch im globalen Norden rasant zunimmt. Marginalisierung gegen Marginalisierung auszuspielen, ist ein platter Versuch, uns zu trennen. Wir werden das nicht zulassen.

Dieselben Regierungen, die mit Hilfe der Arbeitgeberverbände seit Jahren das Lieferkettengesetz verhindern und Freihandelsabkommen wie Mercosur anstreben, sind es auch, die nun im Rahmen des geplanten Agrarpakets sofort ordnungsrechtliche Maßnahmen gegen die LandwirtInnen durchsetzen wollen, ohne ihnen hinreichend Zeit einzuräumen und einen Gestaltungsrahmen dafür zu schaffen, dass die Betriebe den Wandel überhaupt leisten können. Schutz vor Überdüngung und einem hohen Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln ist für eine zukunftsorientierte Landwirtschaft unerlässlich. Das steht außer Frage. Jedoch ist es zynisch, wenn die Politik das System, das sie über Jahrzehnte im Interesse der Agrarindustrie installiert hat, nicht in Frage stellt und erwartet, die LandwirtInnen sollten und könnten es alleine richten.

Um ein regionales Beispiel zu bringen und es in den Kontext der Corona-Krise zu stellen:

Wie wollen wir damit umgehen, wenn jetzt bestimmte Produkte knapp werden, wir aber als Gesellschaft wissen, dass ein kurzfristiger Schutz vor der Ausbreitung des Corona-Virus am besten zu bewerkstelligen ist, wenn sich Menschen und Produkte nicht ständig von Region zu Region bewegen? In unserer Region wird eine ganze Palette von Produkten schon lange nicht mehr angebaut, weil die Weiterverarbeitung fehlt. Obst, Gemüse, Hackfrüchte wie die Kartoffel. Wir importieren den Großteil. Deutschland baut nur 27 % des eigenen Gemüsebedarfs an, weil Gemüseanbau händische Arbeit bedeutet, oft einen hohen Einsatz an Pflanzenschutzmitteln und alles das viel billiger und mit viel weniger Auflagen im Ausland umgesetzt werden kann. Wir haben uns ein System geschaffen, in dem alles das einfach importiert wird, wenn es die kurzfristigen Gewinne steigert. Diese Ausbeutungsstrukturen betreffen jetzt schon die marginalisierten ArbeiterInnen, die in Südspanien für einen Großteil der europäischen Gemüseproduktion auch für deutsche Supermarktregale arbeiten. Durch die Corona-Krise steigt der Arbeitsdruck auf sie gerade ins unermessliche, es wird von Arbeitstagen von weit über 15 Stunden berichtet. Arbeitsrechtliche Kämpfe durch die Gewerkschaften wurden dort gerade wegen Corona ebenso unterbrochen, wie bei den streikenden in der Berliner Charité. Arbeitsschutz durch einzuhaltende Abstände und Schutzmasken gibt es auch für die in den Packhallen Tätigen nicht. Werden sie krank, könnte unsere seit Jahren fehlende Solidarität in Form eines dann stockenden Warenflusses oder steigenden Infektionszahlen auch Auswirkungen auf uns haben. Sind die Menschen krank, die mit den Produkten in Kontakt sind, die wir zum Leben brauchen steigt auch unser Risiko zu erkranken. Auch die Ausfälle, die es in den heimischen Sonderkulturen aufgrund von nicht verfügbaren (billigen) SaisonarbeiterInnen aus dem Ausland geben wird, werden unsere Region stark treffen. Gerade wurde ein Agrarpaket durch die Bundesregierung beschlossen, dass zwar die Relevanz dieser Arbeitskraft anerkennt, aber ihr begegnet indem sie weitere Lockerungen im Arbeitnehmerschutz veranlasst hat. Jetzt ist es erlaubt, Saisonkräfte bis zu 5 Monate sozialversicherungsfrei anzustellen. Gebraucht wäre ein Paket, was Betriebe finanziell unterstützt, Menschen ordentlich anzustellen. Wann wird ein Umdenken stattfinden und arbeitenden Menschen endlich Anerkennung und Solidarität zuteil? Wie sollen wir als regionale LandwirtInnen nun schnell Strukturen schaffen, die sicherstellen, dass unsere Region versorgt ist? Das aber ist unsere Aufgabe, die wir mit Stolz und Leidenschaft erfüllen wollen und werden.

Wir müssen versuchen sicherzustellen, dass auch in einer möglichen Krisensituation alle Menschen in der Bevölkerung Zugang nicht nur zu haltbaren Trockenwaren haben, sondern ebenso zu vitaminreichen frischen Produkten. Vor allem Obst und Gemüse liefern auch die lebenswichtige Immunkraft, bedeuten die wir mehr denn je brauchen. Sollten Importe ausfallen, werden diese Produkte knapp und es wird zuallererst die ärmeren Bevölkerungsgruppen treffen, die den Zugang dazu verlieren. Wir müssen diskutieren, wie wir sicherstellen, dass wir nicht nur profitorientiert entscheiden, wer was bekommt, sondern Strukturen schaffen, die auch auf Solidarität basieren.

Spätestens jetzt angesichts der Covid-19-Pandemie muss klar werden, wie wichtig die regionale Landwirtschaft ist. Die Krise muss zum Anlass genommen werden, kurzfristig sicherzustellen, dass Betrieben alle notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt werden, um weiter zu existieren und zu arbeiten. Dies muss auch durch gesicherte Abnahmepreise umgesetzt werden, sowie durch eine Schaffung von Weiterverarbeitungs- und Verteilstationen. TransportfahrerInnen und VerkäuferInnen die sich um die Distribution bemühen, müssen ordentlich entlohnt werden. Sie gehören ebenso wie die in der Reinigung, den Rettungsdiensten, in der medizinischen Versorgung und vielen anderen Bereichen arbeitenden zu denen, die dafür sorgen, dass wir alle durch diese schweren Zeiten kommen werden.

Langfristig muss klar werden, dass es regionale Wertschöpfung ist, die uns alle schützt. Es muss verstanden werden, dass die Grundlage unserer Ernährung, die landwirtschaftlichen Böden in die Hände von regionalen BäuerInnen gehören und nicht in die Hände von InvestorInnen und überregionalen oder nicht-landwirtschaftlichen Unternehmen. Dies muss für unsere Region gelten wie für alle anderen Regionen des Globusses (oder: alle anderen Regionen weltweit). Landwirtschaftliche Nutzflächen dürfen nicht Spekulationsobjekt sein, nicht hier und auch nicht im globalen Süden.

Wir brauchen ein agrarstrukturelles Leitbild und daraus folgende Konsequenzen, die dazu führen, dass eine Vielzahl junger, nachhaltiger und mittlerer Betriebe in unserer Region entstehen können. Wir brauchen eine gezielte Förderung für Ausbildungen im weiterverarbeitenden Lebensmittelhandwerk und Schaffung einer Vielzahl von Betrieben auch in diesem nachgelagerten Sektor. Es kann nicht sein, dass ein Fehlen für ganze Produktarten in der Weiterverarbeitung dazu führt, dass sie in der Region kaum noch auf dem Acker vorkommen. Es kann auch nicht sein, dass die Marktmacht von wenigen Molkereien oder Schlachtbetrieben dazu führt, dass die Versorgung der Bevölkerung im Zweifelsfall nicht sichergestellt ist oder die LandwirtInnen durch den aus der Konzentration resultierenden Preisdruck am Rande ihrer Existenz agieren.

Ebenso wie wir lokal agieren und global denken müssen, müssen wir es jetzt bei dem Ausbruch dieser bedrohlichen Erkrankung schaffen, kurzfristig solidarisch und langfristig solidarisch zu agieren. Langfristig heißt die Strukturfrage zu stellen und konkret anzugehen. Ansonsten wird es dabei bleiben, dass der Ausbruch von Covid-19 als isoliertes Geschehen behandelt und gesehen wird. Wir werden den Schmerz von Verlust und Trauer ertragen, wir werden im besten Fall gut aufeinander Acht geben und danach wird politisch und medial zum unspektakulären Alltag der Ungerechtigkeit zurückgekehrt -bis zur nächsten Katastrophe.

Kurzfristig heißt, zu sehen, wie wir uns nun als Gemeinschaft verhalten können. In Städten und Gemeinden entstehen jetzt schon nachbarschaftliche Initiativen zur gegenseitigen Unterstützung. Kinderbetreuung, Einkäufe, Fahrten und vieles mehr wird sich solidarisch angeboten.

Wir als LandwirtInnen der Region werden alles dafür tun, unsere Aufgabe in dieser Zeit für alle zu erfüllen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, werden wir sicherlich auch manche Unterstützung brauchen.

Wir brauchen die Einsicht, dass eine weitere schnelle Ausbreitung des Virus, wenn sie uns betrifft und krank macht, auch zu Arbeitsausfällen in unserem Sektor führen kann. Das wiederum würde die Versorgung der Region belasten. Es geht bei dieser Anmerkung also in keinem Fall darum, dass wir größeren Schutz als alle anderen fordern, oder in irgendeiner Form gefährdeter sind. Es geht aber darum, uns im Zweifelsfall zu überlegen, wie wir in allen Bereichen der Wertschöpfungskette von Produktion auf unseren Höfen, über Weiterverarbeitung bis hin zur Verteilung von Lebensmitteln das Ansteckungsrisiko möglichst gering halten zu können.

Es geht auch darum, im Zweifelsfall zu überlegen, wie wir unsere Betriebe aufrechterhalten können, wenn die Wirtschaft um uns herum zerfällt. Wir alle in der Region sind schon aufgrund der letzten Dürrejahre massiv unter Druck geraten und nicht zuletzt aufgrund einer jahrzehntelangen verfehlten Agrarpolitik. In Deutschland gehen jedes Jahr tausende Landwirtschaftsbetriebe verloren. Die letzten Monate waren gekennzeichnet von den berechtigten Protesten tausender LandwirtInnen. Wir werden ebenso wie das Reinigungspersonal in der Charité unsere Proteste einstellen, damit wir für die Lebensmittel sorgen können, wenn jetzt diese schwierige Situation auf uns alle zurast. Viele, die Landwirtschaft machen, arbeiten schon lange mit einer großen Portion Idealismus und Selbstausbeutung in diesem Bereich. Unsere Arbeit wird als selbstverständlich genommen und ist es eigentlich schon lange nicht mehr. Sollte es durch den Ausfall von Importen zu Lebensmittelengpässen kommen, werden wir alles tun, um weiterhin und erst recht gute Lebensmittel für die Menschen in unserer Region zu produzieren.

Ich hoffe im Namen meines gesamten Berufsstandes sprechen zu können, wenn ich sage wir werden uns nicht in einer Situation von Mangel dazu hinreißen lassen, unsere Produkte nur noch Menschen mit den entsprechenden finanziellen Mitteln zugänglich zu machen. Wir werden dafür einstehen, dass Lebensmittel allen Menschen gleichermaßen zukommen, egal welchen Hintergrund an finanziellen Möglichen, Herkunft, Bildung, Sprache oder Kultur sie haben. Wir werden aus Solidarität arbeiten und nicht gewinnorientiert. Im Ernstfall werden wir noch dringlicher als ohnehin schon überlegen müssen, wie wir den sozialen Fragen rund um die Preise und Erreichbarkeit von Lebensmitteln begegnen, aber wir werden die Unterstützung der Gesellschaft dafür brauchen (mit oder ohne Corona).

Solidarische Grüße an euch alle:

An die im medizinischen Sektor Tätigen, inklusive und explizit auch an das Reinigungspersonal und in ähnlichen Bereichen lebenswichtige Arbeit Leistenden; an MitarbeiterInnen im öffentlichem Verkehr; im Transportwesen; im Handwerk; an die LebensmittelverkäuferInnen und ApothekerInnen; an Menschen im Bildungssektor, die sich darum kümmern, dass Bildung weiterhin auch Online zur Verfügung steht; an Menschen in der Kinderbetreuung; an die undokumentierten ArbeiterInnen; an arme Menschen; an einsame Menschen; an immunschwache Menschen; an Menschen mit Vorerkrankungen und ältere Menschen; an Menschen, die in Zusammenhängen gefangen sind, wo soziale Distanz zum eigenen Schutz nicht möglich ist, wie in überfüllten Flüchtlingslagern oder in Gefängnissen; an Kinder, die ihre FreundInnen nicht treffen und womöglich bald ganz lange nicht raus kommen zum Spielen – und an ihre Eltern; an obdachlose Menschen; an Menschen die nun ohne Besuch in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Hospizen sind; an Menschen die an Corona erkranken und Menschen die Menschen in dieser Zeit verlieren, die sie lieben; an die Menschen die durch diese Situation in den finanziellen Ruin stürzen; an die Menschen, die psychische Erkrankungen haben oder mit der Angst, die so eine Situation verbreitet, ganz schwer umgehen können; an die ArbeiterInnen die gewerkschaftlich organisiert sind und die, die es nicht sind und natürlich ganz herzlich allen BerufskollegInnen in der Landwirtschaft. Julia Bar-Tal, Landwirtin aus Märkisch-Oderland, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Brandenburg.

 

 

1 www.theleftberlin.com/post/what-are-the-causes-of-the-coronavirus

2 www.arte.tv/de/videos/096140-000-A/umweltzerstoerung-beeinflusst-epidemien/

3. April 2020 Kommentare sind deaktiviert Gastbeitrag
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Solidarität mit unseren Spargelbauern – Anregung einer Solawi für andere Solawis

Wir haben heute unsere Mitglieder gefragt, ob wir kollektiv Spargel bei einem benachbarten Bio-Spargelbauern holen wollen, weil die ja gerade ein wenig in der Krise sind (Einzelhandel und Gastro ziehen tw. Aufträge zurück, viele Erntehelfer fehlen). Das Feedback unserer Mitglieder ist sehr positiv und wir wollen nun beim Spargelbauern unseren Spargel selber stechen. Vielleicht ist das eine Anregung für alle SoLawis, sich solidarisch mit den Spargelbauern zu erklären und Hilfe anzubieten bzw. Spargel dort zu kaufen und anzubieten, den selber zu stechen, sofern die SoLawis nicht selber Spargel haben. Das Feedback unserer Mitglieder zeigt, dass Spargel sehr beliebt bei fast allen ist. Auch jene, die keinen Spargel wollen, erklären sich bereit, dass wir kollektiv für alle Mitglieder einkaufen. Im Zuge dessen haben uns schon zusätzliche Spenden erreicht als Ausgleich dafür, dass sie selber nicht zum Spargelstechen mitkommen.

Für heute: schöne und solidarische Grüße,

Gery

Solidarische Landwirtschaft am Kühberg in Bachling e.V., www.biogartl.de

 

(Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht im aktuellen Solawi-Rundbrief. Wenn es soweit ist, bekommen wir vielleicht noch Fotos von der Spargelstech-Aktion.)

3. April 2020 Kommentare sind deaktiviert Gastbeitrag
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Für Landwirt*innen gibt es kein Homeoffice

Für Landwirt*innen gibt es kein Homeoffice: Denn sie kümmern sich weiter darum, dass wir zu essen haben. Wie geht es den Bäuerinnen und Bauern in Zeiten der Corona-Krise? Demeter hat mit Max Steigmiller aus Süddeutschland gesprochen und wir dürfen ihren Beitrag teilen.

Max Steigmiller ist Junglandwirt und leitet gemeinsam mit seinem Bruder den Familienbetrieb Steigmiller’s Bio-Hofladen im baden-württembergischen Ummendorf nahe Biberach.

Den Artikel könnt ihr hier lesen:

https://www.demeter.de/aktuell/landwirtschaft-in-zeiten-von-corona

3. April 2020 Kommentare sind deaktiviert Gastbeitrag
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Anke Goertsches: Die Schäferin vom WeidenHof

Anke Goertsches berichtet auf ihrem Blog Die Schäferin vom WeidenHof von ihrem Leben als Schäferin auf dem WeidenHof, ihren „Mähdels“ und aktuell auch zu den Krisenzeiten. Dieser Beitrag ist ein Auszug aus ihrem Blog.


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Was geschieht, wenn wir langsam wieder aus unseren Häusern hervorkommen werden, um vorsichtig nachzuschauen, was aus der Welt geworden ist? Wie wird sich die Welt uns dann zeigen und vor allem, was wird das alles aus uns gemacht haben? Wir sind nicht ohnmächtig, zumindest nicht ganz. Es gibt Dinge, die wir nicht ändern können, ja. Wir können einem Virus nicht verbieten, sich zu entwickeln. Aber gleichzeitig haben wir die Freiheit, uns zu entwickeln, unser Miteinander und unsere Art, mit uns und der Welt umzugehen. Es gibt genug Ideen, Utopien und Fragen: „was wäre wenn….“ wir das Unmögliche wagen und die schönsten Menschlichkeitsideen in die Tat umsetzen? Dazu braucht es nur ein klein wenig Mut. Und Hoffnung – egal was passiert. Veränderung liegt an uns.

Beim Füttern der Ziegen kamen mir zwei Gedanken: zum einen ist es ja so, dass die drei Damen ihr Leben hier verbringen werden, ohne Lebensmittel zu produzieren, dafür aber beschützen sie die Hühner vor dem Habicht. Da sie noch nicht lange da sind, sind wir in der Eingewöhnungsphase und man merkt, wie sensibel solche Tiere auch immer sind. Ruhe und Zuspruch, Stabilität, Verlässlichkeit und vor allem ehrliche Kommunikation – das heißt, dass auch das passiert, was man kommuniziert und nicht taktiert wird, dass man das kommuniziert was wirklich ist – im innen wie im außen. Das alles brauchen wir Menschen genauso wie die Tiere, um uns sicher und wohl fühlen zu können. Und wenn das ganze erstmal läuft, dann ist es höchst spannend, was da passiert: zwei völlig unterschiedliche Wesen können sich gegenseitig Halt geben.

Zum anderen wird bei Tieren, die eben nicht der Lebensmittelproduktion dienen wieder klar, wie abhängig wir von internationalen Handelsstrukturen sind. Die Ziegen sind wenige, wir haben einen kleinen Deal: sie passen auf die eierlegenden Hühner auf und ich behandele sie gut. Also bringe ich mit, was immer mal so anfällt. Neben ein wenig Heu und Mineralfutter von den Schafen bekommen sie halt ein paar Möhrchen, die hier und da abfallen, Kohlrabi, trocken gewordenes Brot. Reste eben, die immer mal anfallen. So wie seit eh und je die Tiere und die Menschen sich zusammengefunden haben. Es fällt was ab, die Tiere freuen sich darüber und binden sich dafür an den Menschen. Bei den Schafen ist das schon anders. Ich verlange eine gewisse Leistung von ihnen, um die Menschen, die wir mit Lammfleisch versorgen, auch alle versorgt zu bekommen. Noch stärker ist das bei den Hühnern. Da sie wöchentlich für genügend Eier sorgen sollen, haben sie auch einen hohen Bedarf. Futterkomponenten kommen von sonstwo – sonst würde der hohe Leistungsstandart, der den Hühnern auch im Biobereich abverlangt wird – nicht erfüllt werden können. Auch wenn im Biobereich schon auf vieles verzichtet wird, kein Soja, kein dies kein das, …. Aber ganz ohne zusätzliche Nährstoffe können auch Hühner nicht die hundertfache Menge eines wilden Ur-Huhns produzieren….

Was sagt uns das in Zeiten, in denen Grenzen geschlossen werden und Handel zwischen den Kontinenten ins Wanken gerät, wobei wir doch alles darauf aufgebaut haben? Ich weiß es auch nicht, weil ich auch nur ein kleines Menschlein dieser Erde bin, aber dass ich kritisch darüber nachdenke, kommt wohl unverhohlen aus diesem Beitrag heraus. Wie schön, wenn man von dem, was einen umgibt, auch leben kann. Wenn nicht die Welt in Frage gestellt werden muss, wenn irgendwo anders eine Katastrohe ausbricht. Vielleicht können Katastrophen im Allgemeinen auch besser aufgefangen werden, wenn ein lokales System sich schnell wieder selbst regulieren kann? Ich weiß es nicht. Angesichts der Zahl der Weltbevölkerung mag ich auch kein abschließendes Urteil darüber abgeben, sondern nur Dinge andenken und versuchen, zumindest in meinem Umfeld wirksam zu sein.

Wie gerne kehre ich dann einfach zu meinen Tieren zurück und genieße den Moment der Begegnung, wenn wir das Gefühl haben, dass wir zusammengehören. Dass wir uns gegenseitig etwas geben und füreinander da sind. Einfach so, ohne Hintergedanken, ohne alternative Fakten, sondern ganz und gar so, wie es im Moment jetzt und hier ist. Und wenn meine kleine Ziege genüsslich ihr verfressenes Mäulchen in das steckt, was ich ihr mitgebracht habe, freue ich mich, dass auch sie einen sinnvollen Zweck erfüllt, ganz ohne „Lebensmittelproduktion herself“. Sie passt auf die Hühner auf, die noch kleiner sind als sie und dabei ist es nur eine Zwergziege…. Wir alle können auf unsere Weise also einen sinnvollen Platz im Leben einnehmen, egal wie klein wir sind oder wie klein wir uns sehen. Es gibt immer jemanden, der noch kleiner ist, noch schutzbedürftiger und dem wir etwas von unserer Größe schenken können, von der wir manchmal viel mehr haben, als wir uns zutrauen.

23. März 2020 Kommentare sind deaktiviert Michael Krack
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Corona, Landwirtschaft und unsere Arbeit

Liebe Freund*innen der Landwirtschaft und von Aktion Agrar,

wir alle befinden uns in besonderen Zeiten, die wir so noch nie erlebt haben. Die Corona-Pandemie hat bereits starke Auswirkungen auf unser persönliches Zusammenleben und viele Berufsstände sorgen sich um ihr Einkommen und ihre Zukunft. Auch die Landwirtschaft wird durch die aktuelle Krise schwer getroffen. In diesem Newsletter wollen wir euch einen kurzen Einblick über aktuelle Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Landwirtschaft und auf unsere Arbeit geben. Gleichzeitig wollen wir euch informieren, wie ihr unterstützen und euch auch in diesen Zeiten für eine bäuerliche, ökologischere, tiergerechtere und sozialere Landwirtschaft einsetzen könnt. Gerade jetzt erweist sich diese einmal mehr als elementarer Teil unseres Lebens.

Die Landwirtschaft ist vielfältig von der aktuellen Situation betroffen. Der verstärkte Lebensmittelkauf im Einzel- und Onlinehandel, Lieferverzögerungen durch lange Staus an den Grenzen, aber auch Einschränkungen des öffentlichen Lebens und die Frage, ob und wie weiterhin genug Menschen auf den Höfen arbeiten können, sind Umstände, mit denen sich landwirtschaftliche Betriebe jetzt konfrontiert sehen.


Saisonkräftemangel

Präsent in den Nachrichten ist vor allem der Saisonkräftemangel. An die 300.000 Arbeitskräfte fehlen, die sonst v.a. aus Polen und Rumänien zu uns kommen und viel, lange, für wenig Geld und unter harten Bedingungen arbeiten. Es gibt bereits Portale, um freigewordene Arbeitskräfte aus Deutschland an die Betriebe zu vermitteln. Fündig werdet ihr als Betrieb, der Arbeiter*innen sucht, sowie als Person, die gerne in der Landwirtschaft arbeiten möchte, hier:

https://ernte-erfolg.de/

https://www.daslandhilft.de/

https://www.saisonarbeit-in-deutschland.de/

und alternativ auch auf diesem Portal, das von Junglandwirt*innen aus Brandenburg initiiert wurde

https://www.land-arbeit.com/

und eine weitere Plattform einer Initiative, die regional Menschen mit landwirtschaftlichen Betrieben vernetzen möchte

https://bauersuchthilfe.de/

Auch wenn es eine große Herausforderung ist, eingearbeitete und routinierte Saisonkräfte angemessen zu ersetzen, drücken wir allen betroffenen Betrieben die Daumen, dass ihr motivierte Unterstützung findet und den „Neu-Arbeitslosen“, dass ihr neue Arbeiten findet, die euch zusagen. Vielleicht tut sich hier eine Chance auf, langfristig bessere Arbeitsbedingungen für Saisonkräfte zu ermöglichen. Daneben gibt es natürlich die Möglichkeit, Betriebe in eurer Umgebung direkt zu kontaktieren oder auch in der Solawi häufiger mitanzupacken. Es ist sicherlich angeraten, das vorab abzuklären und nicht unangemeldet in Gummistiefeln und Latzhose am Hoftor zu erscheinen.


Vermarktung und globale Wertschöpfungsketten

Besonders betroffen sind in der globalisierten Landwirtschaft Betriebe, die ins Ausland exportieren oder ausländische Vorprodukte (Jungpflanzen etc.) beziehen. Aber auch vielen bäuerlichen Betrieben, die nicht für den Weltmarkt produzieren, stehen schwere Zeiten bevor. Betrieben, die vorrangig an Großverbraucher wie Kantinen oder Restaurants vermarktet haben, bricht der Absatz weg. Sie müssen sich schnell neue Vermarktungsstrukturen aufbauen, viele sind existentiell bedroht. Beispielsweise wird in Deutschland auf 1/5 der gesamten Gemüse-Anbaufläche Spargel angebaut, der in großen Mengen an Restaurants vermarktet wird. Schwere Zeiten stehen auch den Zierpflanzen-Gärtner*innen bevor. Viele Verkaufsgeschäfte haben schon geschlossen.

Gleichzeitig boomen die Abo-Kisten. Viele Biokisten können keine neuen Kund*innen mehr aufnehmen, u.a. auch weil der Großhandel mit dem Kommissionieren nicht hinterherkommt. Der Online-Handel von Lebensmitteln sowie die Hauslieferungen von Biokisten werden in den kommenden Wochen weiterhin an Zulauf gewinnen. Einige werden ihre Kapazitäten ausbauen. Doch vor allem Amazon und andere große Unternehmen werden aufrüsten können und in der Krise profitieren. Wir hoffen deshalb, dass insbesondere regionale Lieferdienste neue Kund*innen finden. Was ihr tun könnt: Kauft auch jetzt regional und saisonal und am besten direkt vom Hof! Online, auf den weiterhin geöffneten Wochenmärkten und in Hofläden könnt ihr fündig werden. Gebt dabei kommerziellen Großangeboten wie Amazon fresh keine neue Chance! Support Your Local Farm!


Krise und Chance

Bei dieser kleinen Auswahl Krisenhaftigkeit wollen wir es vorerst belassen. Zu erzählen und zu beklagen gibt es sicherlich noch mehr. Wohin uns diese Krise bringt, ist jetzt noch nicht abzuschätzen. Hoffen wir dabei auch auf eine Chance – auf eine verstärkte Umorientierung von der globalisierten, industriellen Landwirtschaft hin zu regionalen Wertschöpfungsketten, demokratischen Ernährungsräten, weniger Transport von Lebensmitteln um den Globus und einer neuen Wertschätzung des Berufsstandes der Gärtner*innen und Landwirt*innen. Hoffentlich wird uns dadurch etwas mehr bewusst, dass sie es sind, die jedes Jahr aufs Neue dafür sorgen, dass unsere Teller gut gefüllt sind. Lasst uns die Krise als eine Chance nehmen, Landwirtschaft sozialer, bäuerlicher und ökologischer zu denken und zu gestalten. Und vielleicht können wir es auch als eine Gelegenheit sehen, dass sich viele Menschen dadurch wieder näher an der Erzeugung ihrer Lebensmitteln fühlen.

Eine Renaissance werden auch der eigene Garten und die Selbstversorgung erfahren. Vor leeren Nudelregalen wird sicherlich die ein oder andere Person sich auf den eigenen Anbau von Gemüse besinnen und dadurch die Abhängigkeit von der industriellen Landwirtschaft ein kleines Stückchen reduzieren. Was könnt ihr tun: Baut euer Essen selber an und verschenkt es an eure Nachbar*innen.


Aktion Agrar

Auch wir sind von der Corona-Pandemie betroffen und im Home Office.

# Workshops an Berufsschulen und Universitäten

Eigentlich hätten wir letzte Woche an zwei Berufsschulen mit Landwirtschafts-Azubis über Saatgut, bäuerliche Saatgut-Praxis sowie den Zugang zu Saatgut diskutiert und Workshops gegeben. Am Samstag hätten wir auf der Saatgut-Börse in Leipzig mit der Saat.1-Quizshow und einem Workshop mit vielen Saatgut-Begeisterten über den Erhalt der Nutzpflanzenvielfalt gesprochen. Wie auch viele andere Veranstaltungen fiel beides aus um die Pandemie einzudämmen. Wir stehen jetzt selbst vor der Herausforderung, dass manche geplanten Projekte vorerst auf Eis liegen. Wir werden versuchen, für unsere Termine an Berufsschulen und Universitäten Nachholtermine zu vereinbaren und denken gleichzeitig über Online-Formate nach.

# Saatgut-Mitmachaktion und Vorstellung von Saatgut-Initiativen

Positiv stimmt uns die Saatgut-Mitmachaktion: Wir haben schon von vielen von euch positive Rückmeldungen bekommen. Gerade jetzt ist es toll, sich Wissen über Saatgut anzueignen und viele haben jetzt mehr Zeit, im eigenen Garten die Saatgutvermehrung zu erproben. Gleichzeitig nehmen auch viele Gemeinschaftsgärten, Schulen und Kindergärten an unserer Mitmachaktion teil, die sich vermutlich aufs nächstes Jahr vertrösten müssen. Die Saatgut-Aktion mit allen Infos werden wir weiter durchführen und sind schon gespannt auf eure Saaten und Taten. Ihr könnt euch weiterhin anmelden, auch wenn unsere Saatgut-Vorräte schon alle verschickt sind. Saatgut bekommt ihr z.B. bei Sativa. Auch fortgeführt wird unser laufendes Projekt „Aus der Welt der Saatgutinitiativen“, bei dem wir inspirierende Beispiele von bäuerlichen Saatgutsystemen von hier und aus anderen Teilen der Welt vorstellen.

# Aktionsradtour, Aktionen und wie geht’s weiter

An unserer Aktions-Radtour zum Thema Saatgut im September halten wir vorerst fest und werden euch über die weiteren Planungen auf dem Laufenden halten. Weitere angesetzte politische Aktionen, u.a. zum Thema neue Gentechnik, müssen wir jetzt auch nochmals neu konzipieren und uns andere Formate überlegen.

Wir werden uns auch in diesen schweren Zeiten bestmöglich für die Agrarwende, für Saatgut als Gemeingut und gegen das Höfesterben einsetzen. Dafür tüfteln wir schon an neuen Ideen und werden in Kürze unsere Vorhaben präsentieren.

Lasst uns trotz all des Ernstes der Lage die Hoffnung nicht verlieren und die Krise auch als Chance aufgreifen.

Bleibt gesund, passt auf euch auf, helft einander aus und bleibt solidarisch.

 

Euer Team von Aktion Agrar