5. April 2017 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Plattformpapier GAP 2020 – Eine zukunftsfähige Agrarpolitik

30 Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz, Tierschutz und Entwicklungspolitik, unter ihnen Aktion Agrar, rufen zu einer grundlegenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU und ihrer Umsetzung in Deutschland auf. Sie wollen die umfangreichen Fördergelder der EU wie auch die europäische Marktordnung und das Fachrecht dafür einsetzen, den landwirtschaftlichen Betrieben durch die strikte Berücksichtigung von Umwelt- und Tierschutz wirtschaftliche Perspektiven zu eröffnen.

Konkret schlagen die Verbände vor, sämtliche Zahlungen der Agrarpolitik gezielt und ausschließlich für die gesellschaftlichen Leistungen der Landbewirtschafter einzusetzen. Kleinere und mittlere Betriebe sollten gestärkt werden. Änderungen an der Marktordnung sollen schwere Marktkrisen vermeiden und die Selbstregulierung der Erzeuger*innen stärken. Die Störung lokaler Märkte in Entwicklungsländern durch EU-Exporte mit Dumpingeffekten soll verhindert werden. Durch eine „einfache, abgestufte und verpflichtende Kennzeichnung“ der Tierhaltungsverfahren sollen die Verbraucher*innen in die Lage versetzt werden, den „Umbau der Tierhaltung“ aktiv mitzutragen. Zudem fordern die Verbände eine EU-weite Anhebung und Durchsetzung der Umwelt- und Tierschutzstandards.

Mit wichtigen Änderungen wollen die Verbände aber nicht auf die von der EU-Kommission angekündigte Reform der EU-Agrarpolitik für die Zeit nach dem Jahr 2020 warten. Sie rufen Bund und Länder dazu auf, noch im Jahr 2017 Umschichtungen von EU-Agrargeldern in Deutschland in Fördermaßnahmen für Tierschutz- und Agrarumweltmaßnahmen sowie zur Stärkung kleinerer und mittlerer Betriebe zu beschließen. Weil der Großteil der Agrar-Fördermittel aktuell mit der Gießkanne über alle Agrarflächen ausgeschüttet wird, fehlt das Geld, um Leistungen von Landwirten im Umwelt-, Gewässer-, Klima- und Tierschutz zu finanzieren. Um die enormen Herausforderungen anpacken zu können, muss Deutschland die von der EU geschaffene Möglichkeit nutzen, 15 Prozent der EU-Agrargelder von der allgemeinen Flächenförderung in die 2. Säule für Umwelt-, Tier- und Klimaschutz umzuschichten.

Wir brauchen aber eine starke Agrarpolitik, die gesellschaftlichen Leistungen der Bäuerinnen und Bauern in der Erzeugung anerkennt und honoriert. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die gestiegenen qualitativen Anforderungen des Umwelt- und Tierschutzes in größere Wertschöpfungsmöglichkeiten mit höheren Erzeugerpreisen für die bäuerlichen Betriebe zu überführen. Dazu müssen alle Instrumente genutzt werden, also Förderpolitik, Marktordnung, Kennzeichnungs- und Fachrecht sowie eine faire Handelspolitik. Bund und Länder müssen zudem die Möglichkeiten ausschöpfen, die das EU-Recht heute schon bietet

 

Hier geht’s zum Positionspapier…

 


Bild: Maria Dorn / Aktion Agrar

31. März 2017 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Unverantwortlicher Bummelstreik gegen Wasserschutz endlich vorbei

Es war ein unglaublich langes und zähes Tauziehen. Am heutigen Freitag beschließt der Bundesrat über die Düngeverordnung. Der Kompromiss ist wichtig, doch Aktion Agrar ist noch nicht zufrieden. Die EU-Kommission muss jetzt Nachbesserungen von Schmidt einfordern. Ziel muss langfristig eine flächengebundene Tierhaltung sein und schon kurzfristig eine deutliche Reduktion von Tierzahlen vor allem in den belasteten Regionen. Dafür sind Umbauhilfen für die betroffenen Betriebe zu entwickeln.

38 % der Grundwassermessstellen weisen alarmierende Nitratwerte auf, die Belastung von Flüssen und Ostsee ist längst alarmierend. In die Umwelt abgegebenes Ammoniak zerstört wertvolle Biotope. Obwohl das Problem massiv ist, handelte die Bundesregierung lange nicht. Diejenigen, die seit den Anfängen von Aktion Agrar dabei sind, wissen wie lange und zäh die Debatte rund um die Düngeverordnung schon läuft. In über 30.000 „Hausaufgabenheften für die Agrarwende“ haben wir die Notwendigkeit einer wirksamen Düngeverordnung erläutert. Die Infografiken wurden an vielen Orten zitiert. Vor allem ist es zentral, dass nun endlich eine neue Verordnung vorliegt. Der Status Quo war untragbar. Er brachte weder Verbesserung für das Wasser und noch Klarheit für die Bauernhöfe. Über zweieinhalb Jahre lang stritten Agrar- und Umweltministerium, Umweltschützer und Bauernverband um einen strengeren Umgang mit Gülle. Endlich konnten sie sich zu einem Kompromiss durchringen. Die letzten Monate entwickelten sich noch einmal zu einem Gülle-Krimi. Das Umweltministerium und zuletzt die grünen Agrarminister der Länder haben Bundesagrarminister Schmidt die Stoffstrombilanz abtrotzen können und strengere Regeln für besonders belastete Gebiete.

Doch das Feilschen ist noch immer nicht vorbei: In einer eigenen Stoffstrom-Bilanzverordnung wird jetzt festgelegt, welche Nährstoffe auf welche Weise von den landwirtschaftlichen Betrieben dokumentiert werden müssen.
Aktion Agrar wird weiterhin am Thema dranbleiben und die EU-Kommission an ihre Verantwortung erinnern. Aufgrund ihrer laufenden Klage gegen die Bundesregierung wegen Verstoß gegen die Wasserschutzrichtlinie muss sie das neue Gesetzespaket absegnen. Erste Andeutungen zeigen darauf hin, dass Brüssel mit dem jetzigen Stand der Dinge noch nicht zufrieden ist und weitere Nachbesserungen fordern wird. Sie muss aktiv werden. Wenn sich die Grundwasserwerte nicht verbessern, wird es für die Wasserwerke immer schwieriger, für Steuerzahler*innen immer teurer, unser aller Trinkwasser aufzubereiten.

Zur heutigen Pressemitteilung…


Bild: Aktion Agrar (cc)

28. März 2017 Kommentare sind deaktiviert Astrid Goltz
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EU erlaubt Fusion von Dow und DuPont

Am Montag, den 27. März, hat die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager in einer Pressekonferenz ihre Genehmigung der Fusion der Agrarkonzerne Dow Chemical und Du Pont bekannt gegeben. Der Deal über 130 Mrd US-Dollar ist Teil einer Fusionswelle, zu der auch die Übernahme des Gentechnikkonzerns Monsanto durch Bayer gehört. Wir sind seit letztem Sommer mit der Kampagne „Kampf den Giganten“ dagegen aktiv. Die Firmenübernahmen führen zu noch größerer Konzentration auf dem Saatgut- und Pestizidmarkt – wenn die Wettbewerbsbehörden und Kartellämter der betroffenen Länder dies nicht noch verhindern.

Dass die EU über den Megadeal jetzt entscheidet, ist ein schlechtes Zeichen. Mit 200 zivilgesellschaftlichen Organisationen aus ganz Europa hatte Aktion Agrar in einem offenen Brief an die EU-Kommission gefordert, die möglichen Effekte aller drei Fusionen zusammen zu bewerten. Nun wird erwartet, dass die EU in den kommenden zwei Wochen ihre Entscheidung zur Fusion von ChemChina und Syngenta verkündet. Für das zweite Quartal erwarten wir, dass Bayer seine geplante Übernahme von Monsanto offiziell bei der EU zur Prüfung einreicht. Der Konzern hat den Termin der Anmeldung immer weiter nach hinten verschoben. Neben der EU müssen Wettbewerbsbehörden rund 30 betroffener Länder die Fusionen prüfen.

Soll das Saatgut – die Grundlage menschlicher Ernährung – in den Hände weniger profitorientierter Unternehmen ruhen? Die EU-Wettbewerbskommissarin sagte gestern im Fall Dow-Dupont dazu: ja, aber. Das „aber“ sind die Auflagen an Dow-DuPont, den Großteil des globalen Pestizidgeschäfts inklusive der Forschungs- und Entwicklungsabteilung abzuspalten. Dow-DuPont plant sich sowieso in drei Unternehmen zu spalten, von denen eines die Agrarsparte übernehmen wird.

Wir von Aktion Agrar fordern weiterhin dazu auf, unseren Appell an EU-Wettbewerbskommissarin Vestager für einen Stopp der Fusion von Bayer und Monsanto zu unterzeichnen. Wir werden ihn an die EU-Kommissarin übergeben. Mehr als die Entscheidung über diese oder jene Fusion brauchen wir jetzt eine Debatte über eine Verschärfung des Wettbewerbsrechts. Fast nie werden Megafusionen von den Kontrollbehörden verboten, zu lasch sind die Auflagen für fusionierende Unternehmen. Und ist erst ein gefährliches Oligopol entstanden, fehlen die Möglichkeiten, die Megakonzerne wieder zu zerkleinern. Im Bündnis mit anderen Organisationen werden wir in den kommenden Monaten für dieses wichtige Thema streiten.

27. März 2017 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Gegen Konzentration am Saatgutmarkt: Offener Brief an EU Kommission

Fast 200 Organisationen fordern die Europäische Kommission heute in einem offenen Brief auf, die Fusionspläne von Bayer und Monsanto, Dow Chemical und DuPont sowie Syngenta und ChemChina zu stoppen. Die angekündigten Zusammenschlüsse der sechs Agrarkonzerne würden zu einer inakzeptablen Oligopolstellung führen, in der nur drei Konzerne rund 70% des weltweiten Pestizidmarktes und mehr als 60% des kommerziellen Saatguts kontrollieren.

Die bäuerlichen, entwicklungspolitischen, kirchlichen, Lebensmittelhandwerks- und Umweltorganisationen kritisieren, dass sich durch die drei entstehenden Megakonzerne die von der industriellen Landwirtschaft verursachten Probleme weiter verschärfen würden. Mit den anstehenden Megafusionen wird der Einfluss der großen Agrarkonzerne auf die Landwirtschaft und deren politische Gestaltung noch weiter ausgebaut. Patente beeinträchtigen die Vielfalt beim Saatgut und gefährden damit die Ernährungssicherheit insbesondere für Millionen von Kleinbäuerinnen und -bauern im Globalen Süden.

Statt das Agribusiness weiter zu stärken, ist es dringend notwendig staatliche Unterstützungen hin zu einer bäuerlichen, nachhaltigen und agrarökologischen Landwirtschaft zu verlagern, um ökologische und sozial gerechte Ernährungssysteme zu fördern, die von den großen Konzernen unabhängig sind. Nicht die industrielle, sondern die kleinbäuerliche Landwirtschaft ernährt die Welt.

Desweiteren muss das Wettbewerbsrecht reformiert werden. Bei der Fusionskontrolle darf nicht allein auf ökonomische Folgen der Übernahmen geachtet werden. Es geht auch um demokratische Fragen und ökologische und soziale Auswirkungen. Es braucht klare Grenzen für Marktanteile, die einzelne Konzerne haben dürfen, und Möglichkeiten, zu große Unternehmen zu entflechten.


Mehr lesen:

Offener Brief an die EU Kommission (PDF)
Die Pressemitteilung in vollem Wortlaut (PDF)


Bild: Aktion Agrar (cc)

23. März 2017 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Düngeverordnung erneut kurz vor dem Scheitern?

Seit zweieinhalb Jahren streiten sich Politiker*innen von Bund und Ländern bereits um die Düngegesetzgebung. Als Aktion Agrar die Kampagne „Tierfabriken den Güllehahn zudrehen“ im Januar 2015 startete, war die Debatte bereits am Laufen. Über 200 000 Menschen unterzeichneten damals den Appell für strengere Düngerichtlinien, die flächengebundene Tierhaltung fördern, Grundwasser und Artenvielfalt schützen sollen. Doch Bundesregierung und Bauernverband hielten an ihrer Verzögerungstaktik fest, die Verhandlungen verliefen zäh. Kurz vor Abschluss des Düngepakets aus Düngegesetz und Düngeverordnung könnte der Kompromiss nun erneut scheitern.

Vergangene Woche beschloss der Umweltausschuss des Bundesrates weitere Änderungsanträgen zum vorliegenden Regierungsentwurf der Düngeverordnung (DüV). Nun stehen Ende März zwei unterschiedliche Ausschussempfehlungen der DüV zur Abstimmung im Bundesrat. Ein großer Knackpunkt sind die „roten Gebiete“, bei denen wegen besonders hoher Nitratwerte im Grundwasser zusätzliche Maßnahmen (u.a. noch strengere Obergrenzen für Nitrat) getroffen werden müssten. Wie die Abstimmung verlaufen wird, ist schwer abzuschätzen. Auch wenn der Bundesrat den Änderungswünschen zustimmen sollte, kann die Bundesregierung den geänderten Entwurf noch ablehnen. Damit würde der gesamte Düngekompromiss scheitern und die Verhandlungen zur DüV gingen von vorne los.

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt, CDU/CSU Fraktion und Bauernverband werfen den Mitgliedern des Umweltausschusses vor, gegen Vereinbarungen zu verstoßen und somit den ganzen Kompromiss in Frage zu stellen. Einige Länderagrarminister der Grünen, unter ihnen auch der Niedersachse Christian Meyer, unterstützen die Vorschläge des Umweltausschusses und sind verärgert über Schmidt. Dieser hatte wohl unabgesprochene Veränderungen im Düngegesetz vorgenommenen und Abzugsmöglichkeiten für Ammoniak-Ausbringungsverluste geschaffen, ein weiteres Schlupfloch bei Nitratobergrenzen.

Bereits Mitte Februar und Anfang März verabschiedeten der Bundestag und Bundesrat das Düngegesetz, was den Weg zur Einführung der Stoffstrombilanz frei machte. Dieser Kompromiss war allerdings durchweg enttäuschend: eine verpflichtende Bilanz ab 2018 gilt explizit nur für Tierhalter mit über 2,5 Großvieheinheiten pro Hektar. Ob dies den Anforderungen der EU-Nitratrichtlinie genügt, bleibt zweifelhaft. Seit November letzten Jahres läuft bei beim EU-Gerichtshof eine Klage gegen die deutsche Bundesregierung wegen Verstoßes diese Richtlinie. Es stehen Strafzahlungen in Millionenhöhe im Raum.

Eine strengere Düngegesetzgebung ist schon seit Jahren überfällig – wir fordern ein Ende der Verzögerungstaktik von Bundesregierung und Bauernverband und ihre Zustimmung zu den Vorschlägen des Umweltausschusses. Strengere Nährstoff-Obergrenzen und eine Stromstoffbilanz sind das Gebot der Stunde. Sie bieten die Chance einen Wandel in der Tierhaltung voran zu bringen. Die dürfen wir nicht verstreichen lassen.

8. Februar 2017 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Zoff um „Bauernregeln“

++ Breaking news ++ Umweltministerium stoppt Bauernregel-Kampagne am 9. Februar aufgrund massiver Proteste ++ Bedarf weitgehender Veränderungen ändert sich dadurch nicht. ++

 

Berlin und Verden, 8. Februar: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks kündigte Anfang Februar an, „neue Bauernregeln“ plakatieren zu lassen. Reime wie „Gibt’s nur Mais auf weiter Flur, fehlt vom Hamster jede Spur“ sollten in mehr als 70 Städten auf Plakaten zu sehen sein. Bauernverbandspräsident Röring, und Hendricks Kollege aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt warfen Hendricks vor, sie diffamiere einen kompletten Berufszweig und riefen sie gar zum Rücktritt auf. Die Beiden gefallen sich als Verteidiger von Bauerninteressen.

Vielleicht hat ihnen die Umweltministerin einen Gefallen getan mit den ziemlich platten Reimchen. Denn die beiden agrarindustriefreundlichen Männer setzen auf den Frust vieler Bäuerinnen und Bauern, die sich schon oft stark vereinfachter und verallgemeinernder Kritik ausgesetzt sahen. Sie setzen jetzt darauf, dass die eigentliche Auseinandersetzung dahinter in Vergessenheit gerät:

Nämlich die um die Frage, wie wirksam die Überdüngung gestoppt werden kann und wie eine flächengebundene Tierhaltung zu erreichen ist. Schon seit 2014 streiten sich das Umwelt- und Agrarressort bei der Neuverhandlung der Düngeverordnung und des daran gebunden Düngegesetzes. Die Abstimmungen im Bundestag dazu wurden schon vielmals verschoben, so auch kürzlich wieder von Ende Januar auf Mitte Februar. Ende März muss der Bundesrat noch über die geplante Neuregelung des Ausbringens von Gülle und anderen Düngemitteln abstimmen.

Dabei ist die Lage ernst und es geht um viel. Weil Deutschland in vielen Regionen mit seiner Nährstoff-Überdosis für den Boden die Wasserrahmenrichtlinie der EU verlässt, hat Brüssel Ende 2016 Klage gegen die Bundesregierung eingereicht. Die Hälfte der Grundwassermessstellen in Deutschland sind bereits nitratverseucht.

Aktion Agrar forderte in seiner ersten Kampagne strenge Obergrenzen zur Gülleausbringung und eine Wiedereinführung der Hoftorbilanz, die 2006 abgeschafft wurde, damit Transparenz über die Nährstoffkreisläufe der Betriebe möglich wird.

Heute ist diese Hoftorbilanz oder auch Stromstoffbilanz der größte Streitpunkt. Der agrarindustrielle Bauernverband sträubt sich vehement dagegen und setzt CDU/CSU unter Druck. Der aktuelle Kompromiss sieht vor die Stoffstrombilanz ab 2018 für alle Betriebe vor, die mindestens 2,5 Großvieheinheiten pro Hektar haben (eine Großvieheinheit entspricht einer Kuh oder 2,5 Schweinen).
Dabei würden jedoch noch immer zu viele Betriebe von der Regelung ausgenommen.

Wir finden es weiterhin wichtig, hier Druck auf Bund und Länder zu machen. Eine strengere Düngeverordnung bietet die Chance, flächengebundene Tierhaltung zu fördern und die Überproduktion von Gülle, Fleisch und Milch zu senken. Das wäre auch eine Voraussetzung für bessere Erzeugerpreise.

Sowohl für Februar als auch für den März haben wir weitere Aktionen dazu geplant. Jetzt in den Newsletter eintragen und auf dem Laufenden bleiben.

Mehr dazu:
Hintergrundtext und Infografiken zu Tierfabriken und Gülle
Unser FAQ zur Düngerverordnung
„Wachsen oder trinken?“ – Artikel im kritischen Agrarbericht 2016


Bild: © BMUB

25. Januar 2017 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Video: 18 000 haben Agrarkonzerne satt – mittendrin das Brot in Not

Am 21. Januar waren in Berlin 18.000 für gesundes Essen, eine bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft, artgerechte Tierhaltung und fairen Handel auf der Straße! Unglaublich viele Bäuerinnen und Bauern waren aus ganz Deutschland gekommen: 130 Traktoren haben die Demo angeführt, viele waren auch zu Fuß dabei. Zum Beispiel beim Jungbäuerinnen-Block, der ganz vorne gelaufen ist. Bereits am Morgen hatten konventionell und ökologisch wirtschaftende Bäuerinnen und Bauern am Bundeslandwirtschaftsministerium neun Forderungen zur Bundestagswahl überreicht.

Das Bündnis aus über 100 Organisationen aus Landwirtschaft, Imkerei, Natur-, Tier- und Verbraucherschutz, Entwicklungsorganisationen und dem Lebensmittelhandwerk protestierte lautstark unter dem Motto „Agrarkonzerne, Finger weg von unserem Essen!“ gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft. Mit dabei war auch das Brot in Not, die freie Weizen-Crew und das Aktionsheft für die Agrarwende von Aktion Agrar. Fotos der Demonstration finden sich hier…

Mittendrin: Das Brot in Not und die freie Weizen-Crew von Aktion Agrar: Mit Bäckermützen, Backblechen und Kochlöffeln ausgestattet trugen wir den Protest gegen Hybridweizen und neue Gentechnik-Experimente der Saatgutkonzerne auf die Straße. Einen Videoclip zu den Abenteuern des Brotes gibt es hier…

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Die Demonstration hat Mut gemacht und gibt uns Kraft für die nächsten Aktionen. Wir sind top motiviert für’s Wahljahr, jetzt geht’s erst richtig los! Wir haben es satt – Agrarindustrie abwählen!

19. Januar 2017 Kommentare sind deaktiviert Karen Schewina
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Nachbau von Saatgut: Auseinandersetzung vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe

Am Donnerstag, den 19.1. fand vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe eine wichtige Anhörung im Streit um den Nachbau von Saatgut statt. Mehr als 50 Landwirt*innen aus der Bundesrepublik waren angereist, so dass das Verfahren schließlich ins Foyer der Bibliothek verlegt werden musste.
Worum geht es? Seit Jahren gibt es Auseinandersetzungen zwischen Züchtern und Landwirten um die sogenannten „Nachbaugebühren“. Ins Zentrum der Aufmerksamkeit sind nun die Betriebe geraten, die Saatgut für andere aufbereiten.
Die Saatgut-Treuhandverwaltungs GmbH (STV) in Bonn  möchte im Auftrag der Pflanzenzüchter durchsetzen, dass alle Saatgut-Aufbereiter durch die Saatgut-Aufzeichnungsverordnung gezwungen werden können, ihnen die Kundendaten der Landwirt*innen sowie die Namen der aufzubereitenden Sorten zu nennen. So könnten sie sichergehen, dass sie von allen Betrieben, die Saatgut aufbereiten lassen, das zur Wiederaussaat geeignet wäre, Nachbaugebühren einfordern können. Vor Gericht stufte der Anwalt der Treuhand diese Maßnahmen als notwendig ein, um unter anderem eine „lückenlose“ Kontrolle zu ermöglichen und die Landwirt*innen über Kontamination ihres Saatgutes informieren zu können.
Kopfschütteln bei den Landwirten im Saal. Der Ordner bittet übers Mikro, von Unmutsäußerungen abzusehen, das seien sie hier „nicht gewöhnt“.

Die „Interessengemeinschaft gegen die Nachbaugesetze und Nachbaugebühren“ (IGN) als bäuerliche Solidargemeinschaft vertritt den Standpunkt, dass die Saatgut-Aufzeichnungsverordnung lediglich bei Saatgut greift, das in den Handel gelangt und nicht bei Erntegut, was auf die Höfe der Landwirte zurück geht. Bei der Definition, ob Erntegut automatisch als Saatgut einzustufen ist, waren sich die beiden Parteien vor Gericht nicht einig.
Der Anwalt der Landwirt*innen argumentierte, es bestehe schließlich die Möglichkeit, das Saatgut einzulagern, oder bei erhöhter Nachfrage doch noch an einen Anbieter zu verkaufen, beispielsweise an die lokale Whiskey-Destille oder einen Kollegen, der Verluste bei der Aussaat kompensieren möchte. Aus Sicht der Landwirt*innen darf die reine Eignung als Saatgut kein Grund für die Aufzeichnungspflicht sein, die zudem Betriebe, die selbst aufbereiten, überhaupt nicht betrifft. Hier kritisieren die Beklagten ein Ungleichgewicht, das bäuerliche Saatgutarbeit erschwert und einschränkt.
Ihr Ziel ist es, die Ausforschung seitens der Saatgut Treuhand zu beenden und das Recht auf gebührenfreien Nachbau wieder uneingeschränkt herzustellen.
Eine Entscheidung wird am 27. April verkündet.

17. Januar 2017 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Neue Kampagne „Brot in Not“ geht an den Start

Die Junge AbL, Aktion Agrar, die Kampagne für Saatgut-Souveränität, der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) und das Weizennotkomitee protestieren heute gegen die fehlgeleitete Förderpolitik der Bundesregierung zu Hybridweizenforschung und starten passend zum Beginn der Grünen Woche die Kampagne „Brot in Not – freier Weizen statt Konzerngetreide“.
Die Initiativen veröffentlichten heute beiliegende Erklärung „Brot in Not“ und kündigten zahlreiche Aktionen in den nächsten Monaten an.

Ziel ist es, eine öffentliche Diskussion über fragwürdige Züchtungsziele und konzernfreundliche Forschungsförderung anzustoßen. Die künftige Bundesregierung soll bäuerliche Züchtung stärken und Konzernmacht über das Saatgut einschränken. Denn seit vielen Jahren ist klar: Es wird genug Nahrung für alle produziert – aber viel zu vielen Menschen fehlt das Geld oder der Zugang zu Saatgut, geeignetem Land und ausreichend Wasser um sich selber zu ernähren. Trotzdem werden Bundesregierung und Agrarkonzerne nicht müde, die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung als Begründung für gentechnisch veränderte Pflanzen und jetzt auch Hybridweizen anzuführen. Dabei tragen Hybridpflanzen, aus denen kein neues Saatgut gewonnen werden kann, zur weltweiten Hungerkatastrophe bei, wenn sie immer mehr der vielfältigen bäuerlichen Sorten verdrängen. Allein Saatgutkonzernen sichern sie regelmäßige Gewinne.

Zur Brot in Not – Erklärung in vollem Wortlaut geht es hier…

5. Januar 2017 Kommentare sind deaktiviert Karen Schewina
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Lärm machen gegen Hybridweizen vor dem Forschungsministerium

Heute haben Aktive der Kampagne für freien Weizen ihre Forderungen an das Bundesforschungsministerium übergeben. An erster Stelle die Forderung nach Veränderung der Forschungsförderung: Keine Steuergelder für Hybridforschung und Gentechnik!

In der Vorweihnachtszeit haben sich über 4.000 Menschen in fast 100 Städten an einer spontanen Weihnachtskeks-Aktion beteiligt: Sie verteilten Kekstüten mit Selbstgebackenem und der Forderung nach „freiem Weizen“. Denn die Bundesregierung unterstützt die großen Saatgutkonzerne wie Bayer und Syngenta intensiv bei der Züchtung von Hybrid-Weizen, der es Bauern unmöglich machen wird, aus der eigenen Ernte Getreide für die Wiederaussaat aufzubewahren.
Dieser Hybridweizen wird mittels gentechnischer Verfahren kastriert, um ihn mit dem ausgewählten Kreuzungspartner zu bestäuben. Denn normalerweise ist Weizen Selbstbefruchter und deshalb für das Hybridverfahren kaum zu gebrauchen.

Aktion Agrar wird zu diesem Thema weiter arbeiten und mit Kooperationspartnern am 21. Januar das Thema „freier Weizen“ mit mehreren Aktionen im Rahmen eines Blocks von Bäcker/innen und Lebensmittel-Verarbeiter*innen in die Demonstration „Wir haben es satt“ hinein tragen.