28. Februar 2019 Kommentare sind deaktiviert Jasmin Breemann
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Den Spieß einfach umdrehen…

…will Bauer Willi, Landwirt und Blogger, mit seiner jüngsten Petition für den Artenschutz.
Er möchte darauf aufmerksam machen, dass „50 Prozent der Fläche“ nicht von Landwirten bestellt werden und auch dort dringender Handlungsbedarf besteht.
Ein Ziel hat er damit auf jeden Fall erreicht: Im Aktion Agrar Team haben wir sein Anliegen munter diskutiert.

Zum einen stimmen wir ihm zu: Definitiv springt zu kurz, wer ausschließlich mit dem Finger auf die Landwirtschaft zeigt, wenn es um die Zerstörung wertvoller Biotope, die Belastung der Gewässer oder die Irritation von Insekten durch Lichtverschmutzung geht. Der Flächenverbrauch für Straßen und Gebäude beispielsweise ist haarsträubend, unsere Gesellschaft lässt täglich in etwa die Fläche eines Durchschnittsbauernhofs, also rund 60 Hektar, für unbegrenzte Zeit unter Beton und Asphalt verschwinden.

Willis Vorschläge sind schon wegen ihrer launigen Kommentare lesenswert – die meisten würden wir politisch gerne mittragen.

Allerdings legt der Appell des provokanten Bloggers eine eigene Kurzsprung-Disziplin an den Tag, die am Ende Bienen, Schmetterlingen und Singvögeln auch wenig nutzt: Die immer weitergehende Ausräumung der Landschaft, die Überdüngung in den Tierhaltungsregionen und der pestizidintensive Ackerbau einer großen Mehrheit der Betriebe muss auch in Angriff genommen werden.

Gut gefällt uns hingegen sein Appell zur Zusammenarbeit: Denn die Rettung der Artenvielfalt ist definitiv nur zusammen zu schaffen.

Wir laden also gerne zum Besuch seiner Appell-Seite ein.

21. Februar 2019 Kommentare sind deaktiviert Jasmin Breemann
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[Update] Offener Brief an Foodwatch und “Frag den Staat” zu „Topf Secret“

Vor ein paar Tagen erreichte Aktion Agrar ein Hilferuf des Verbandes der handwerklichen Bäcker*innen. Sie waren wütend und verzweifelt wegen einer neuen Kampagne von Foodwatch und “Frag den Staat”. Mit den engagierten (Bio-)Bäcker*innen haben wir früher schon intensiv zusammengearbeitet. Wir teilen die Bedenken der Lebensmittelhandwerker*innen.

“Topf Secret” fordert sie mehr Transparenz bei den Hygienekontrollen in Gastronomie, Lebensmittelhandwerk, Restaurantketten, usw. Auf dem dazu gehörigen Online-Portal ist es möglich, über eine digitale Karte einen Betrieb auswählen und bei den zuständigen Behörden den letzten Hygienebericht anzufordern. Innerhalb weniger Wochen soll das Ergebnis einsehbar sein. Wir unterstützen grundsätzlich den Wunsch nach mehr Transparenz, in diesem Fall ist Weiterdenken jedoch nötig:  Das Anfordern von Hygienekontrollen-Ergebnissen ist bereits seit längerem bei den zuständigen Behörden möglich. Das Portal mit seinem fertigen Formular erleichtert dies und senkt die Hemmschwelle deutlich.

“Topf Secret” fördert Misstrauen und verschärft den Druck auf viele kleine Betriebe – vom Restaurant bis zur Bäckerei. Der Eindruck den der Kurzfilm der Kampagne hinterlässt, ist gruselig. Da landen Kakerlaken auf dem Teller und Schimmel in der Schüssel. Da wird nicht geputzt und Händewaschen ist ein befremdliches Konzept.

Das kann fatal sein. Denn hierzulande sind die Hygiene-Standards schon sehr hoch und kleinere Betriebe unternehmen große Anstrengungen um diesen gerecht zu werden. Im Gegensatz dazu mag es für große, industrielle Ketten zwar Kosten verursachen, z.B. eine*n Hygienebeauftragte*n einzustellen, bei ihrem Budget ist dies jedoch auch kein Problem.

Da wir befürchten, dass “Topf Secret” so wie es jetzt aufgezogen ist, mehr Schaden als Gutes anrichtet, haben wir den Initiator*innen geschrieben und sind gespannt auf ihre Antwort.

Den Brief an Foodwatch findest du hier.

Den Brief an “Frag den Staat” findest du hier.



Aktualisierung 21.02.2019

Inzwischen haben wir eine Antwort von Foodwatch und „Frag den Staat“ erhalten und auf diese wiederum reagiert.

Hier die Antwort von Foodwatch und „Frag den Staat“.

Hier unsere Reaktion.

13. Februar 2019 Kommentare sind deaktiviert Jutta Sundermann
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Schwierige Zeiten für die Pestizid-Lobby

Das Jahr 2019 hat hoffnungsvoll begonnen für die Wildbienen und Singvögel: Bei künftiger Pestizidzulassung schreibt Europa künftig Transparenz groß. Und in Bayern bekommt ein Volksbegehren über 900.000 Unterschriften zusammen für mehr Biolandwirtschaft und Bienenschutz. Wir finden: Jetzt noch mehr Engagement für die Artenvielfalt – und noch mehr Solidarität für die aufgeschlossenen Bäuerinnen und Bauern!

Irgendwann in der Nacht auf den 12. Februar stand das Ergebnis des sogenannten Trilogs zur künftigen Zulassung von Pestiziden, Futtermitteln und gentechnisch veränderten Organismen fest: Obwohl die Lobbyisten der Konzerne es zu verhindern versucht hatten, werden ihre Studien, die sie zusammen mit einem Zulassungsantrag einreichen müssen, künftig öffentlich gemacht.
So wird es möglich, Gegenstudien zu erstellen und mit Umweltargumenten rechtzeitig Druck zu machen.
Nachdem das Parlament schon im Dezember Konsequenz gezeigt hatte, ist jetzt auch ein einigermaßen vernünftiger Kompromiss zwischen der Europäischen Kommission, dem Europäischen Rat und den verhandelnden Abgeordneten zustande gekommen. Das ist ein wichtiger Schritt, wenn auch noch einige Hintertüren zu schließen sind, weil beispielsweise die Kontrolle der Auflagen noch nicht festgezurrt ist und die Kosten für nötige zusätzliche Studien nicht wie u.a. von den Grünen gefordert, von den Konzernen über einen Fonds getragen werden müssen, sondern den Steuerzahler*innen in Rechnung gestellt werden.

Jubelstimmung herrscht bei den Aktiven für Artenvielfalt in Bayern. Die haben mit ihrem Volksbegehren „Rettet die Bienen und die Bauern“ schon vor dem Ende der Sammelfrist (am heutigen 13. Februar) über 900.000 Unterschriften zusammen. Ihr Gesetzesentwurf fordert unter anderem bis 2025 in Bayern 20 Prozent Biolandbau zu erreichen und 30 Prozent bis 2030. Ein Vorbild des großen Bienen-Begehrens ist Österreich, wo schon fast 25 Prozent Biolandwirtschaft erreicht ist. Jetzt liegt diese Forderung auf dem Tisch. Die Regierung kann ihr zustimmen, einen Kompromiss aushandeln oder über den Gesetzentwurf der Initiative abstimmen lassen.

Und passend dazu freuen wir bei Aktion Agrar uns über das große Interesse an unseren Materialien und über die Zusammenarbeit mit Bauernhöfen und Aktivist*innen. Wer möchte, kann weiterhin das Aktionsheft für die Agrarwende mit dem Schwerpunkt Pestizide bestellen oder unseren neuen Flyer „Pestizidausstieg ist möglich“.

25. Januar 2019 Kommentare sind deaktiviert Jutta Sundermann
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Pestizid-Prämien-Punkte für ein Insektenhotel von Bayer

Manchmal ist auch ein Agrarchemie-Konzern unfreiwillig ziemlich komisch.
Bayer ist – wie seine Konkurrenten auch – darum bemüht, seine Kunden an sich zu binden. Zentrales Tool dafür ist eine App, die eine ganze Leiste von Service-Angeboten zu bieten hat, einschließlich aktueller Wetter-Nachrichten. Die App hilft bei der Analyse von Pflanzenerkrankungen und empfiehlt, wann welches chemische Mittel eingesetzt werden sollte.

Die Kundenbindung wird intensiviert durch einen dicken Prämien-Katalog. Bei jedem Kauf finden sich auf den Pestizidpackungen Codes für die mitgekauften Bonuspunkte. Beim ersten Besuch auf der Internetseite von “BayDir” leuchtet der Bäuerin oder dem Bauer ein Männlein aus dem Smartphone entgegen, ganz im Star-Wars Style.
Nur wer Böses dabei denkt, könnte assoziieren, dass Bayer sich im Sternenkrieg befindet gegen die Artenvielfalt der Äcker. Und bringt der Konzern absichtlich ins Spiel, wie viel Macht er als Spitzenreiter der Weltrangliste der Agrarchemiekonzerne  im Saatgut- und Pestizidmarkt besitzt? Dann sollte der abgewandelte Abschiedsgruß der Jedi (“Möge die Macht mit Dir sein”) zur Begrüßung eher Beklemmung denn Lust auf eine Zusammenarbeit auslösen.

Aber zurück zum Katalog. Wer fleißig Punkte sammelt, kann Kaffeemaschinen, Spielgeräte, Werkzeuge und vieles mehr bekommen. Einen Preis für besonderen Zynismus verdient Bayer aber für diese Prämie: Wer 16.500 Punkte für Fungizide, Herbizide und Insektizide ausgegeben hat, kann ein Insektenhotel bekommen!

Das ist nicht lustig angesichts der großen Gefahr, die für Biene und Co von der typischen Bayer-Landwirtschaft ausgehen: Die Chemikalien töten viele “Nicht-Ziel-Organismen” direkt oder lassen überlebenswichtige Wildpflanzen verschwinden.

BayDir-sein2

Insektenhotel_für_Pestizidpunkte

Die immer größeren Flächen mit Hochleistungssorten, die Bayer mit Nachdruck verkauft, führen zu weiter ausgeräumten Landschaften und dem Verschwinden von Rückzugsräumen. Da ist es leider garantiert, dass kein Insektenhotel diesen Schaden ausgleichen kann!

21. Januar 2019 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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35.000 fordern eine zukunftsfähige Agrarreform

Bei der „Wir haben es satt!“-Demonstration zum Auftakt der „Grünen Woche“ in Berlin waren zehntausende Demonstrant*innen lautstark, bunt und entschlossen auf der Straße. Gemeinsam fordern sie die Bundesregierung auf, den überfälligen Umbau der Landwirtschaft anzupacken. Denn wann, wenn nicht jetzt? Bei der aktuellen Reform der EU-Agrarpolitik (GAP) entscheidet die Bundesregierung maßgeblich mit, welche Landwirtschaft künftig durch Steuergelder finanziert wird. Mit den über sechs Milliarden Euro, die Deutschland jedes Jahr an EU-Agrargeldern verteilt, muss der umwelt- und tiergerechte Umbau der Landwirtschaft gefördert werden. Die Zukunft der Bauernhöfe und unseres Klimas steht auf dem Spiel!

Auch Aktion Agrar war mittendrin und verteilte schon zum fünten Mal das „Aktionsheft für die Agrarwende“ mit dem diesjährigen Spezialthema Pestizide. Um das Insektensterben aufzuhalten ist dringend eine Reduktion der Pestizidanwendung notwendig – und dafür braucht es, neben Verboten, den Umbau von Tierhaltung und Ackerbau. Denn es ist möglich, mittels Fruchtfolgen und Bodenaufbau, gezieltem Einsatz von Nützlingen und mechanischer Wildkrautbekämpfung der Chemie-Industrie „Ade“ zu sagen. Lasst es uns anpacken!

Bestelle hier das Aktionsheft für die Agrarwende 2019

Außerdem durften wir zwei Traktoren schmücken, die die ganze Strecke vom Landkreis Verden (südlich von Bremen) bis nach Berlin zur Demo zurücklegten! Danke Henning und Ina für das tapfere Fahren bei Eiseskälte und mit minimalen Stoßdämpfern beim luftgekühlten Deutz!

 

7. Januar 2019 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Wir haben Agrarindustrie auch 2019 satt! Demo am 19. Januar

Auch dieses Jahr gehen wir wieder für eine bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung, für Klimagerechtigkeit und gutes Essen auf die Straße!

Gutes Essen, eine klimagerechte Landwirtschaft und der Erhalt der Bauernhöfe – das steht gerade auf dem Spiel. 2019 entscheidet die Bundesregierung bei der EU-Agrarreform (GAP) maßgeblich mit, welche Landwirtschaft die EU Jahr für Jahr mit 60 Milliarden Euro unterstützt. Aktuell gilt: Wer viel Land besitzt, bekommt viel Geld. Schluss mit den Steuermilliarden an die Agrarindustrie! Der Umbau zu einer bäuerlichen und ökologischeren Landwirtschaft kann nicht mehr warten.

Bei den Verhandlungen in Brüssel muss sich die Bundesregierung an die Seite der Bäuerinnen und Bauern stellen, die Tiere artgerecht halten, insektenfreundliche Landschaften schaffen und gutes Essen herstellen. Deswegen schlagen wir – die bunte, vielfältige und lautstarke Bewegung – mit unseren Töpfen Alarm für die Agrarwende!

Essen ist politisch!

Auf dem Land und in der Stadt zeigen wir gemeinsam, dass es anders und besser geht. Immer mehr Bäuerinnen und Bauern ackern ohne Glyphosat, halten ihre Tiere artgerecht und füttern gentechnikfrei. Immer mehr Menschen machen Foodsharing, sind Teil einer Solidarischen Landwirtschaft und entscheiden sich an der Ladentheke für gutes, handwerklich erzeugtes Essen aus der Region. Wir schauen über den Tellerrand und treten gemeinsam ein für die globale Agrar- und Ernährungswende und für ein Europa ohne Ausgrenzung und Rassismus!

Sei dabei, wenn wir dafür mit Zehntausenden im politischen Berlin demonstrieren. Wenn sich bei der weltgrößten Agrarmesse „Grüne Woche“ und dem Agrarministergipfel alles um die Zukunft von Essen und Landwirtschaft dreht, fordern wir gemeinsam den Umbau der Landwirtschaft: Wir haben Agrarindustrie satt! 

Schnippeldisko: 18. Januar 2019 | 18 Uhr |  ZKU Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin Moabit

Demonstration: 19. Januar 2019 | 12 Uhr | Brandenburger Tor

 

30. November 2018 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Bundeskartellamt leitet Missbrauchsverfahren gegen Amazon ein

Die Wettbewerbshüter haben Untersuchungen in Amazons Geschäftspraxis gegenüber Händler*innen auf dessen Plattform eingeleitet. Dem Online-Konzern wird vorgeworfen, seine Doppelrolle als Händler und Verkaufsplattform zu missbrauchen.

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28. November 2018 Kommentare sind deaktiviert Jutta Sundermann
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… pestizid-freie Landwirtschaft bedeutet auch Freiheit!

Wieviel Pestizidreduktion ist möglich, wie kam es im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh zu einem Pestizid-Ausstiegsbeschluss – und was muss passieren, damit es in Deutschland auch gelingt, die eingesetzten Mengen von Pflanzenschutzmitteln zu senken?
Richtig voll wurde es am Dienstag, den 27.11., in der Event-Scheune des Hotels Sachsenross in Nörten-Hardenberg. Aktion Agrar, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt hatten zu Diskission eingeladen, 35 Menschen waren ihr gefolgt, die allermeisten von ihnen Landwirt*innen, mehr als zwei Drittel mit konventionellen Betrieben.

Eingangs berichtete Dr. Ramanjaneyulu vom Centre for Sustainable Agriculture, (CSA) in Indien. Er berät seit rund 20 Jahren Bäuerinnen und Bauern, wie sie auf synthetische Pestizide verzichten können und ihren Böden und Pflanzen Gutes tun.
Beklemmend waren Ramoos Schilderungen, die Susanne Triesch für das Publikum perfekt übersetzte, von unglaublich vielen Selbstmorden unter Bauern und extrem niedrigen Familieneinkommen. Vergiftungsfälle sind bei den Kleinstbetrieben häufig, da die Bauern die Giftspritzen auf ihrem Rücken tragen und selbst im Nebel der Wirkstoffe stehen. Resistenzen und immer wieder sinkende Preise für die Produkte machten aus dem Wirtschaften mit Pestiziden ein Fass ohne Boden – von Klimaschutz und Artenvielfalt ganz zu schweigen.
Mehrfach hat die Regierung Andhra Pradeshs Bildungsprogramme gefördert. Jetzt hat sie verkündet, ab 2027 eine komplett pestizid-freie Landwirtschaft erreichen zu wollen. Das neue Wissen um Pflanzenschutz mit heimischen Mitteln, wie Knoblauch, Chili, Neemöl und Rinder-Urin verschaffe den Bauern Entscheidungs-Freiheit.
Trotz aller Unkenrufe, insbesondere vonseiten der Industrie, zeigte sich in den pestizid-freien Dörfern, dass die Erträge der Höfe leicht gestiegen, während die Kosten um durchschnittlich 20% gefallen sind.

 

Im Anschluss sprach Matthias Erle, konventioneller Landwirt in der Gemeinde Gleichen, südlich von Göttingen. Er mästet Schweine und baut Getreide, Zuckerrüben, Winter- und Sommergerste sowie Ackerbohnen an. Den Raps hat er gerade aufgegeben, dessen Erträge waren extrem gering und die gelben Ölpflanzen waren seine „Spritzkultur Nummer 1“.
Er berichtete, wie wichtig es ihm geworden ist, gesunde Sorten anzubauen, die resistenter sind als andere vor allem gegen Pilze. Immer wieder schaut er dabei auch nach Resultaten von Landessortenversuchen im Ökolandbau. Seit Jahren macht er gute Erfahrung mit dem sogenannten Argus-Monitoring, für das er Pflanzenproben in ein Labor schickt und genaue Informationen erhält, welche Krankheiten seine Pflanzen tatsächlich drohen. Seit Fungizid-Einsatz liegt dadurch um 30 bis 40 Prozent unter den Empfehlungen der Offizialberatung der Landwirtschaftskammer. Gerade in einem trockenen Jahr wie 2018 stellte er fest, dass auch in Niedersachsen die Kosten für den Pestizideinsatz für den einzelnen Betrieb wieder relevant werden.
Um Kosten geht es zu seinem Bedauern auch oft bei der Entscheidung für Glyphosat: „Während ich für einen guten Grubberstrich 40 Euro pro Hektar rechnen muss und etwa 60 für die Pflugfurche, kann ich mit Glyphosat den Acker für 12,50 Euro sauber machen.“ Allerdings ist sich Erle sicher, dass der Verzicht auf Glyphosat gelingen wird.

In der anschließenden Diskussion gab es Zuspruch und scharfe Kritik für beide Beiträge. Ein Vertreter der Landwirtschaftskammer erklärte, dass in den schriftlichen Ratschlägen höhere Mengen diverser Pflanzenschutzmittel empfohlen würden, als in den Terminen direkt auf den Höfen. Etliche Bauern haben die Nase voll von Kritik an ihrer Arbeit und von Verbraucher*innen, die viel schimpfen aber beim Einkauf auf den Preis statt auf die Produktionsweise achten. Einige Redner*innen betonten, dass es um den Blick auf den ganzen Betrieb, das ganze System gehen muss, während andere erklärten, die Gesunderhaltung ihrer Pflanzen sei nunmal ihr Job.
Einigkeit herrschte bei der Frage, dass mehr Austausch und Gespräch wichtig sei.

 

 

Die Veranstaltung ist der Teil der Kampagne: Pestizide runter – Vielfalt hoch!
Unterzeichen jetzt den Appell und mach dich mit uns stark für einen Umbau in Ackerbau und Tierhaltung!

16. November 2018 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Diskussionsveranstaltung: Wie gelingt die Pestizid-Reduktion wirklich? 27. November – Göttingen

Aktion Agrar und AbL Niedersachsen laden im Rahmen der Kampagne „Pestizide runter – Vielfalt rauf!“ ein zu einer Diskussion über die Reduktion des Pestizideinsatzes. Sprechen werden Dr. Ramanjanyeyulu aus Indien und Matthias Erle, konventioneller Bauer aus dem Göttinger Umland.

Die gesellschaftliche Diskussion über den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft hat viele Menschen erreicht. Um die Bienen zu schützen wurden Neonicotinoide verboten, das Totalherbizid Glyphosat war Gegenstand einer europäischen Bürgerinitiative.

Wie gelingt die Pestizid-Reduktion wirklich? Wie können wir eine Landwirtschaft gestalten, die der Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten gut tut, die Wasser und Böden schützt und neue Zukunftsperspektiven für die bäuerlichen Betriebe eröffnet?

Mit Andhra Pradesh hat sich ein großer Bundesstaat in Indien entschlossen bis 2024 aus der Landwirtschaft mit Pesiziden auszusteigen. Die Regierung stellt 400 Millionen Dollar im Jahr zur Verfügung, um Millionen Bäuerinnen und Bauern und deren Familien mit alternativen Strategien vertraut zu machen. Dr. GV Ramanjaneyulu vom Centre for Sustainable Agriculture, Initiator des Projekts, berichtet von den aktuellen Entwicklungen aus Indien. Er sieht darin eine Chance, ein Vorbild für Agrarökologie in der ganzen Welt zu geben.

Matthias Erle ist konventioneller Landwirt aus Klein Lengden bei Göttingen. Er hat in den letzten Jahren seinen Fungizideinsatz deutlich reduziert, unter anderem durch genaue Analysen im Frühstadium eines Pilzbefalls. Er beklagt einen Rückgang ackerbaulichen Wissens und elementarer Erfahrungen mit Pflanzen, ihren Schädlingen und Krankheiten.

Aktion Agrar hat gerade eine Kampagne zur Reduktion des Pestizideinsatzes gestartet und will konventionelle Bäuerinnen und Bauern mit „Bios“ und mit Konsumentinnen und Konsumenten zusammen bringen. Kooperationspartner für diese Veranstaltung ist die Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt aus Berlin (ASW) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Weitere Infos zur Kampagne gibt es auf: www.aktion-agrar.de/pestizide-runter
Nachfragen genre an: info@aktion-agrar.de

10. November 2018 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Bestelle jetzt Apfel-Flyer gegen Pestizid-Einsatz!

Trage diesen Herbst die Kampagne „Pestizide runter – Vielfalt hoch“ in die Kinos!
Die beiden Dokumentarfilme ,,Das Wunder von Mals” und der vielfach ausgezeichnete ,,Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen” werden zur Zeit vielerorts in Programm-Kinos ausgestrahlt. Bei beiden dreht es sich um den zentralen Konflikt unserer Landwirtschaft: industrielle Billigproduktion von Nahrungsmitteln versus Erhalt der Artenvielfalt und bäuerlicher Betriebe.

Bestelle jetzt den Kampagnen-Flyer in Apfelform und nimm’ ihn zur nächsten Kino-Vorstellung mit. So erreichen wir noch mehr Menschen, die gemeinsam mit uns einen Umbau in Tierhaltung und Ackerbau fordern.