Pappkameraden mit Ringelschwanz in Kiel

Wer Landtage baut, sollte eine schöne Treppe vor dem Haupteingang nicht vergessen. Denn so boten die breiten Stufen vor dem Kieler Landeshaus eine wunderbare Kulisse für unser Schweine-Spalier und über 35 Aktivist*innen. Sie waren gekommen, um dem schleswig-holsteinischen Agrarminister Robert Habeck einen goldenen Wasserhahn und 208.000 Unterschriften für eine konsequente Düngeverordnung zu überbringen.
Der Aufbau der Schweine-Pappen funktionierte am zweiten Tag unserer Aktionstour schon fast reibungslos. Die Karton-Tiere standen, wie in Tierfabriken, so eng aneinander, dass gerade noch genug Platz für die Aktiven war.
Bevor der Minister fast pünktlich aus der Landtags-Sitzung kam, riefen wir uns schonmal warm mit Slogans wie „Sonne für die Sau – stoppt den Güllestau!“ und „Megastall – Auf keinen Fall!“

Robert Habeck stellte sich entspannt mitten zwischen die Schweinehintern, um Unterschriften und den goldfarbenen Wasserhahn entgegen zu nehmen. Das Publikum war wohlwollend, hofften doch alle, dass der Ressortchef des nördlichesten Bundeslandes dazu beitragen möge, den Druck auf den Bundeslandwirtschaftsminister zu erhöhen und ihn dazu zu bringen, den schlechten Düngeverordnungs-Entwurf grundlegend zu überarbeiten. Habeck teilte unsere Kritik an dem Berliner Bundesminister. Aus seiner Sicht zögere und blockiere die Bundesregierung zu Lasten der Bauern. Denn es sei nur eine Frage der Zeit, bis die EU mit dem Vertragsverletzungsverfahren wirklich ein Handeln erzwinge und dann bliebe keine Zeit für faire Übergangslösungen und gute Vorbereitungen auf strengere Dünge-Vorgaben.
Nach einigen Scherzen mit den Fotografen und letzten Aufnahmen vor und mitten in der Sauenparade lud der Minister eine kleine Gruppe ein, ihm zu einem kurzen Austausch ins Innere zu folgen. Leider zeigten die agrarpolitischen Sprecher der anderen Fraktionen kein Interesse an einem Gespräch, aber Bernd Voß, der diese Aufgabe bei den Grünen hat, war dazu bereit und führte uns in die Räume seiner Fraktion. Rund eine halbe Stunde blieb Zeit. Die Grünen in Schleswig-Holstein setzen vor allem auf die Verbesserung und die Vergrößerung der Güllelagerbehälter bei den Betrieben und die Modernisierung der Gülle-Ausbringung. Letztlich gehe es aber auch ihnen darum, zu einer Landwirtschaft zu kommen, in der die Erzeuger faire Preise für gute Produkte erhalten und nicht länger immer billiger immer mehr produzieren müssen.
Als wir wieder ins Freie traten, waren die Schweinesilhouetten schon auf dem Weg nach Bad Homburg und wir sprangen in den Zug um ihnen zu folgen.

Auf zum nächsten Stop unserer Tour gegen Tierfabriken!

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Jutta Sundermann
Jutta Sundermann

Wollte Aktion Agrar eigentlich „KuhRage“ nennen und wohnt in einem blauen Bauwagen auf dem Lande.

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