Jutta Sundermann

Jutta Sundermann

Wollte Aktion Agrar eigentlich „KuhRage“ nennen und wohnt in einem blauen Bauwagen auf dem Lande.

13. Februar 2019 Kommentare sind deaktiviert Jutta Sundermann
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Schwierige Zeiten für die Pestizid-Lobby

Das Jahr 2019 hat hoffnungsvoll begonnen für die Wildbienen und Singvögel: Bei künftiger Pestizidzulassung schreibt Europa künftig Transparenz groß. Und in Bayern bekommt ein Volksbegehren über 900.000 Unterschriften zusammen für mehr Biolandwirtschaft und Bienenschutz. Wir finden: Jetzt noch mehr Engagement für die Artenvielfalt – und noch mehr Solidarität für die aufgeschlossenen Bäuerinnen und Bauern!

Irgendwann in der Nacht auf den 12. Februar stand das Ergebnis des sogenannten Trilogs zur künftigen Zulassung von Pestiziden, Futtermitteln und gentechnisch veränderten Organismen fest: Obwohl die Lobbyisten der Konzerne es zu verhindern versucht hatten, werden ihre Studien, die sie zusammen mit einem Zulassungsantrag einreichen müssen, künftig öffentlich gemacht.
So wird es möglich, Gegenstudien zu erstellen und mit Umweltargumenten rechtzeitig Druck zu machen.
Nachdem das Parlament schon im Dezember Konsequenz gezeigt hatte, ist jetzt auch ein einigermaßen vernünftiger Kompromiss zwischen der Europäischen Kommission, dem Europäischen Rat und den verhandelnden Abgeordneten zustande gekommen. Das ist ein wichtiger Schritt, wenn auch noch einige Hintertüren zu schließen sind, weil beispielsweise die Kontrolle der Auflagen noch nicht festgezurrt ist und die Kosten für nötige zusätzliche Studien nicht wie u.a. von den Grünen gefordert, von den Konzernen über einen Fonds getragen werden müssen, sondern den Steuerzahler*innen in Rechnung gestellt werden.

Jubelstimmung herrscht bei den Aktiven für Artenvielfalt in Bayern. Die haben mit ihrem Volksbegehren „Rettet die Bienen und die Bauern“ schon vor dem Ende der Sammelfrist (am heutigen 13. Februar) über 900.000 Unterschriften zusammen. Ihr Gesetzesentwurf fordert unter anderem bis 2025 in Bayern 20 Prozent Biolandbau zu erreichen und 30 Prozent bis 2030. Ein Vorbild des großen Bienen-Begehrens ist Österreich, wo schon fast 25 Prozent Biolandwirtschaft erreicht ist. Jetzt liegt diese Forderung auf dem Tisch. Die Regierung kann ihr zustimmen, einen Kompromiss aushandeln oder über den Gesetzentwurf der Initiative abstimmen lassen.

Und passend dazu freuen wir bei Aktion Agrar uns über das große Interesse an unseren Materialien und über die Zusammenarbeit mit Bauernhöfen und Aktivist*innen. Wer möchte, kann weiterhin das Aktionsheft für die Agrarwende mit dem Schwerpunkt Pestizide bestellen oder unseren neuen Flyer „Pestizidausstieg ist möglich“.

25. Januar 2019 Kommentare sind deaktiviert Jutta Sundermann
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Pestizid-Prämien-Punkte für ein Insektenhotel von Bayer

Manchmal ist auch ein Agrarchemie-Konzern unfreiwillig ziemlich komisch.
Bayer ist – wie seine Konkurrenten auch – darum bemüht, seine Kunden an sich zu binden. Zentrales Tool dafür ist eine App, die eine ganze Leiste von Service-Angeboten zu bieten hat, einschließlich aktueller Wetter-Nachrichten. Die App hilft bei der Analyse von Pflanzenerkrankungen und empfiehlt, wann welches chemische Mittel eingesetzt werden sollte.

Die Kundenbindung wird intensiviert durch einen dicken Prämien-Katalog. Bei jedem Kauf finden sich auf den Pestizidpackungen Codes für die mitgekauften Bonuspunkte. Beim ersten Besuch auf der Internetseite von “BayDir” leuchtet der Bäuerin oder dem Bauer ein Männlein aus dem Smartphone entgegen, ganz im Star-Wars Style.
Nur wer Böses dabei denkt, könnte assoziieren, dass Bayer sich im Sternenkrieg befindet gegen die Artenvielfalt der Äcker. Und bringt der Konzern absichtlich ins Spiel, wie viel Macht er als Spitzenreiter der Weltrangliste der Agrarchemiekonzerne  im Saatgut- und Pestizidmarkt besitzt? Dann sollte der abgewandelte Abschiedsgruß der Jedi (“Möge die Macht mit Dir sein”) zur Begrüßung eher Beklemmung denn Lust auf eine Zusammenarbeit auslösen.

Aber zurück zum Katalog. Wer fleißig Punkte sammelt, kann Kaffeemaschinen, Spielgeräte, Werkzeuge und vieles mehr bekommen. Einen Preis für besonderen Zynismus verdient Bayer aber für diese Prämie: Wer 16.500 Punkte für Fungizide, Herbizide und Insektizide ausgegeben hat, kann ein Insektenhotel bekommen!

Das ist nicht lustig angesichts der großen Gefahr, die für Biene und Co von der typischen Bayer-Landwirtschaft ausgehen: Die Chemikalien töten viele “Nicht-Ziel-Organismen” direkt oder lassen überlebenswichtige Wildpflanzen verschwinden.

BayDir-sein2

Insektenhotel_für_Pestizidpunkte

Die immer größeren Flächen mit Hochleistungssorten, die Bayer mit Nachdruck verkauft, führen zu weiter ausgeräumten Landschaften und dem Verschwinden von Rückzugsräumen. Da ist es leider garantiert, dass kein Insektenhotel diesen Schaden ausgleichen kann!

28. November 2018 Kommentare sind deaktiviert Jutta Sundermann
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… pestizid-freie Landwirtschaft bedeutet auch Freiheit!

Wieviel Pestizidreduktion ist möglich, wie kam es im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh zu einem Pestizid-Ausstiegsbeschluss – und was muss passieren, damit es in Deutschland auch gelingt, die eingesetzten Mengen von Pflanzenschutzmitteln zu senken?
Richtig voll wurde es am Dienstag, den 27.11., in der Event-Scheune des Hotels Sachsenross in Nörten-Hardenberg. Aktion Agrar, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt hatten zu Diskission eingeladen, 35 Menschen waren ihr gefolgt, die allermeisten von ihnen Landwirt*innen, mehr als zwei Drittel mit konventionellen Betrieben.

Eingangs berichtete Dr. Ramanjaneyulu vom Centre for Sustainable Agriculture, (CSA) in Indien. Er berät seit rund 20 Jahren Bäuerinnen und Bauern, wie sie auf synthetische Pestizide verzichten können und ihren Böden und Pflanzen Gutes tun.
Beklemmend waren Ramoos Schilderungen, die Susanne Triesch für das Publikum perfekt übersetzte, von unglaublich vielen Selbstmorden unter Bauern und extrem niedrigen Familieneinkommen. Vergiftungsfälle sind bei den Kleinstbetrieben häufig, da die Bauern die Giftspritzen auf ihrem Rücken tragen und selbst im Nebel der Wirkstoffe stehen. Resistenzen und immer wieder sinkende Preise für die Produkte machten aus dem Wirtschaften mit Pestiziden ein Fass ohne Boden – von Klimaschutz und Artenvielfalt ganz zu schweigen.
Mehrfach hat die Regierung Andhra Pradeshs Bildungsprogramme gefördert. Jetzt hat sie verkündet, ab 2027 eine komplett pestizid-freie Landwirtschaft erreichen zu wollen. Das neue Wissen um Pflanzenschutz mit heimischen Mitteln, wie Knoblauch, Chili, Neemöl und Rinder-Urin verschaffe den Bauern Entscheidungs-Freiheit.
Trotz aller Unkenrufe, insbesondere vonseiten der Industrie, zeigte sich in den pestizid-freien Dörfern, dass die Erträge der Höfe leicht gestiegen, während die Kosten um durchschnittlich 20% gefallen sind.

 

Im Anschluss sprach Matthias Erle, konventioneller Landwirt in der Gemeinde Gleichen, südlich von Göttingen. Er mästet Schweine und baut Getreide, Zuckerrüben, Winter- und Sommergerste sowie Ackerbohnen an. Den Raps hat er gerade aufgegeben, dessen Erträge waren extrem gering und die gelben Ölpflanzen waren seine „Spritzkultur Nummer 1“.
Er berichtete, wie wichtig es ihm geworden ist, gesunde Sorten anzubauen, die resistenter sind als andere vor allem gegen Pilze. Immer wieder schaut er dabei auch nach Resultaten von Landessortenversuchen im Ökolandbau. Seit Jahren macht er gute Erfahrung mit dem sogenannten Argus-Monitoring, für das er Pflanzenproben in ein Labor schickt und genaue Informationen erhält, welche Krankheiten seine Pflanzen tatsächlich drohen. Seit Fungizid-Einsatz liegt dadurch um 30 bis 40 Prozent unter den Empfehlungen der Offizialberatung der Landwirtschaftskammer. Gerade in einem trockenen Jahr wie 2018 stellte er fest, dass auch in Niedersachsen die Kosten für den Pestizideinsatz für den einzelnen Betrieb wieder relevant werden.
Um Kosten geht es zu seinem Bedauern auch oft bei der Entscheidung für Glyphosat: „Während ich für einen guten Grubberstrich 40 Euro pro Hektar rechnen muss und etwa 60 für die Pflugfurche, kann ich mit Glyphosat den Acker für 12,50 Euro sauber machen.“ Allerdings ist sich Erle sicher, dass der Verzicht auf Glyphosat gelingen wird.

In der anschließenden Diskussion gab es Zuspruch und scharfe Kritik für beide Beiträge. Ein Vertreter der Landwirtschaftskammer erklärte, dass in den schriftlichen Ratschlägen höhere Mengen diverser Pflanzenschutzmittel empfohlen würden, als in den Terminen direkt auf den Höfen. Etliche Bauern haben die Nase voll von Kritik an ihrer Arbeit und von Verbraucher*innen, die viel schimpfen aber beim Einkauf auf den Preis statt auf die Produktionsweise achten. Einige Redner*innen betonten, dass es um den Blick auf den ganzen Betrieb, das ganze System gehen muss, während andere erklärten, die Gesunderhaltung ihrer Pflanzen sei nunmal ihr Job.
Einigkeit herrschte bei der Frage, dass mehr Austausch und Gespräch wichtig sei.

 

 

Die Veranstaltung ist der Teil der Kampagne: Pestizide runter – Vielfalt hoch!
Unterzeichen jetzt den Appell und mach dich mit uns stark für einen Umbau in Ackerbau und Tierhaltung!

9. April 2018 Kommentare sind deaktiviert Jutta Sundermann
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Lieblingsläden sagen Amazon Adé!

Zukunft braucht andere Handelsbeziehungen!

Seit Mai 2017 ist Amazon fresh auch in Deutschland am Start. Der Chef des Online-Giganten Amazon, Jeff Bezos, gab sich extrem selbstbewusst, den Lebensmittelhandel umkrempeln zu können. Amazon wollte seinen Frischelieferdienst unter anderem durch „Lieblingsläden“ attraktiv machen.
Wir kritisierten schon 2017, dass die ungleiche Partnerschaft massive Auswirkungen auf die einzelnen Betriebe und ihrer Zulieferer haben kann. Wir sehen Gefahren für die Zukunft regionaler Direktvermarktungsstrukturen und andere Ansätze des Lebensmittelhandels. Schon mehrere Tausend Menschen fordern mit uns von der Politik, die Macht des Onlineriesen einzuschränken und Direktvermarktungsstrukturen auf Augenhöhe zu fördern. www.aktion-agrar.de/amazon
Anfang 2018 zeigt sich, dass unsere Kritik an diesen Kooperationen und die mäßig gut funktionierende Praxis des Lieferdienstes zu wirken beginnen: Von den 28 „Lieblingsläden“, die am Anfang in Berlin von Amazon vorgestellt wurden, hat sich ein Drittel bereits von der Liste nehmen lassen.

Erste „Lieblingsläden“ haben sich zurückgezogen

Nicht mehr dabei sind die Biosupermarktkette Basic, Schokoladenhersteller Rausch, Feinkostläden wie Maître Philippe et filles und Raamson, der Kaffeeanbieter Bonanza oder der Schnellversorger mit Sandwich, Smoothies und Suppen Dean & David.
Das ist auch unser Erfolg, denn die Kritik an der Kooperation hat die Läden über viele Wege erreicht. Wir schrieben unter anderem Basic und Tegut.
Den jetzt ausgestiegenen Läden sagen wir:
„Herzlichen Glückwunsch zu dieser guten Entscheidung!“
Wir sprechen sie an und fragen nach ihren Gründen beziehungsweise den Vermarktungsformen, die sie für zukunftsfähig wären.

Ähnlich, wie Aktion Agrar es schon im letzten Jahr vorraussagte, war die Zusammenarbeit für die Läden alles andere als lukrativ. So schreibt der Supermarktblog:

„Eine wesentliche Rolle dürfe auch spielen, dass sich Amazon auf der Fresh-Startseite in den vergangenen Monaten nicht gerade überanstrengt hat, Kunden die Auswahl der lokalen Partner schmackhaft zu machen – die Sortimente seien ziemlich „versteckt“, kritisiert ein Partner. (In der Amazon-App kommt man zur „Lieblingsläden“-Übersicht nur, wenn man am oberen Bildschirmrand der Fresh-Starseite auf den hellgrauen Pfeil drückt und an dritter Stelle im Dropdown-Menü klickt.)
In großer Regelmäßig werden hingegen Produkte großer (und vermutlich: gut zahlender) Industriehersteller hervorgehoben. Gerade gibt’s „Maggi Würzmischungen“  als Kostenlos-Zugabe für jeden Besteller, hurra!“
[https://www.supermarktblog.com/2018/01/23/zu-wenig-bestellungen-amazon-fresh-laufen-die-lieblingslaeden-davon/]

Unsere Lieblingsläden sagen Amazon: „Adé!“

Mit der Aktion „Jahr der Alternativen“ macht sich Aktion Agrar stark für andere Wege der Produkte zwischen Bauernhöfen und Lebensmittelverarbeitenden Betrieben zu den Kundinnen und Kunden.
Diese guten Ideen machen Mut und Lust auf anderes Einkaufen.
Siehe auch: www.aktion-agrar.de/jahr-der-alternativen

Die Läden, die heute noch mit Amazon kooperieren könnten das morgen beenden.
Vielleicht besonders dann, wenn wir das Gespräch suchen. Wenn dabei viele Menschen mitmachen, bringen wir den Stein ins Rollen!

1.010.359 x Nein zur Megafusion übergeben

Aktion Agrar traf am Dienstag, 27. Februar, die EU-Wettbewerbskommissarin noch vor ihrer Entscheidung zur Bayer – Monsanto Fusion. Im Gepäck: Insgesamt über eine Million Unterschriften.

Zusammen mit vier anderen Organisationen (Wemove.EU, SumofUs, Friends of the Earth Eruope und Misereor), die auch Unterschriften gegen die Fusion der Saatgut- und Pestizid-Giganten gesammelt hatten, bekamen wir einen 40 minptigen Gesprächstermin in Brüssel. Wir konnten darlegen, wie sich nach unserer Einschätzung diese Fusionen auf Menschen und Umwelt und auf die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft auswirken werden und warum wir kritisieren, dass Konzernmacht Demokratie und künftige Handlungsspielräume beeinträchtigt.

Die Kommissarin – begleitet von vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, versprach im Rahmen ihrer Prüfungen jeden Stein umzudrehen und den Konzernen nichts zu schenken. Sie halte es für wichtig, dass die Menschen in Europa ihre Meinung sagen und sich einmischen.
Aber besonders viel Hoffnung machte sie uns nicht: In weniger als einem Prozent der Fälle spreche sie ein Verbot einer Fusion aus. Rund neun Prozent der Prüfungen enden mit Auflagen, 90 Prozent werden ohne Auflagen genehmigt. Mit Bayer wird derzeit umfangreich über Auflagen verhandelt. Auch die Käufer der Unternehmensteile, die Bayer nun abgeben muss, lässt die Kommissarin prüfen, bevor sie abschließend entscheidet.

In vielen Momenten hatten wir den Eindruck, dass Frau Vestager gut informiert an ihre Aufgabe heran geht und es versteht, die Möglichkeiten ihres Amtes zu nutzen. Ihr Kollege und verantwortlicher Teamleiter für die Bayer-Monsanto-Fusion erläuterte, dass er seit der Anmeldung täglich von sehr früh bis sehr spät unendlich viele Dokumente studiere und bewerte. Ein zehnköpfiges Team trägt die Verantwortung für diese Entscheidung.

Frau Vestager zeigte aber auch die Fähigkeit professioneller Politiker*innen, klare Antworten zu vermeiden.

Kurz vor Schluss konnten wir noch fragen, inwieweit die bestehenden Regeln für die Fusionskontrolle ihren Zweck erfüllen. Frau Vestager hielt sich bedeckt, beklagte aber, dass die Datenlage über die Konzern-Macht und Eigentumsverhältnisse in Europa deutlich schlechter sei als in den USA. Sie könne Konzentrationsprozesse der großen Unternehmen eigentlich nur aus Datenreihen ablesen, die seit der Finanzkrise vor zehn Jahren angelegt wurden, davor klaffe ein großes Loch im Wissen ihrer Behörde.

Aktion Agrar fordert mit der Kampagne „Megafusionen stoppen, Konzernmacht begrenzen“ ein schärfere  und umfassendere Wettbewerbskontrolle in Deutschland und Europa. Hier geht es zum Appell…

13. Februar 2018 Kommentare sind deaktiviert Jutta Sundermann
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Bayer-Monsanto: Der Griff nach den Daten im Fokus

Nein, die Fusion von Bayer und Monsanto ist noch immer nicht in trockenen Tüchern. Und die Liste der Auflagen, die die EU-Kommission dem Konzern auferlegt, wächst ständig weiter.

Zu einem besonders heiklen Thema hat sich die Frage der Digitalisierung der Landwirtschaft entwickelt. Bayer will ja gerade in diesem Bereich massiv Märkte erobern.
Monsanto hat in den letzten Jahren seine Mitgift für eine Konzern-Ehe im Digitalisierungs-Gewand sortiert: Wie Friends of the Earth in seinem Dokument „Big Data, Big Agriculture, Big Problems“ darlegt, kaufte der US-Konzern 2014 eine wichtige Boden-Analyse-Abteilung von Solum und „640 Labs“, eine Firma für mobile Technologien und Cloud-Dienste, die sich auf den Einsatz von GPS spezialisiert hat, sowie die Verarbeitung von Agrar-Daten. 2016 erstand Monsanto dann noch VitalFields, eine europäische Software-Firma für Farm-Management und bereits nach dem Vertragsabschluss mit Bayer 2017 das Unternehmen Hydrobio, das auf Agrar-Datenanalyse spezialisiert ist.
Nun haken hier die kritischen Begleiter*innen der Fusionsprüfungen in Brüssel besonders nach: Sie bezweifeln, dass der Aspekt der Digitalisierung bei dieser Megafusion ausreichend berücksichtigt wird. Um das Milliardengeschäft der Agrar-Daten tobt ein weltweiter Kampf. Schon jetzt ist absehbar, dass er den kleineren Unternehmen und den Bauernhöfen kaum gut tun wird. Wer weiterlesen mag, dem sei der Oxfam-Blog von Marita Wiggerthale empfohlen.

Alles in allem dürfte Bayer-Chef Baumann schon jetzt einige Wetten verloren haben. Er hatte noch bis zum Sommer letzten Jahres siegessicher von einem Abschluss des Verfahrens im alten Jahr gesprochen. Aber dann wurde Anfang Januar, Ende Januar und schließlich März daraus. Seit wenigen Tagen steht nun Anfang April als neue Deadline für die Entscheidung der EU-Kommission fest.
Die wiederholte Verschiebung heißt für Bayer, dass die Kosten für die Fusion steigen. Die Aktien des Dax-Konzerns sinken dementsprechend. Aber im weltweiten Prüfungs-Konzert der Monsanto-Übernahme erhielt Bayer am 8. Februar grünes Licht für die Fusion von den zuständigen Behörden in Brasilien. Die EU-Wettbewerbskommissarin Magrete Vestager ließ kürzlich in einem-Interview wenig Zweifel daran, dass die Fusion am Ende genehmigt werden würde. Wir bleiben dran und machen weiter Druck gegen diese Giganten-Hochzeit im Speziellen und für eine konsequentere Fusionskontrolle im Allgemeinen. Stay tunes – nächste Woche reisen wir zur Jubiläumsfeier des Bundeskartellamtes in Bonn!

 

22. September 2016 Kommentare sind deaktiviert Jutta Sundermann
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Bundestag & Börse: Fusion bleibt unsicher

Die zwei Pestizid- und Gentechnikriesen Bayer und Monsanto haben sich vor etwa einer Woche auf den Kaufpreis geeinigt, zu dem die Übernahme geschehen soll: rund 66 Milliarden Dollar, etwa 59 Milliarden Euro. Damit ist die Sache aber noch keinesfalls gelaufen. Jetzt geht es um die politische Erlaubnis für diesen Deal. Und das kann knapp werden für die beiden Konzerne. Der Widerstand wächst, die gesellschaftliche Auseinandersetzung ist jetzt ungeheuer wichtig.

Am Mittwoch, den 21. September fand im Bundestag eine aktuelle Stunde zu der Fusion der beiden Agrarchemie-Konzerne statt. Grüne und Linkspartei warnten eindringlich vor noch mehr Einfluss auf die Landwirtschaft und die Politik durch Baysanto. Auch die Redner der SPD forderten, dass die nun gefragten Entscheider sehr genau auf die Folgen der Fusion achten müssten. Monsanto sei zudem mit seinem immer weiter entwickelten „smart farming“ gerade dabei, ein gefährlichre Datenkrake zu werden. Sogar aus der CDU gab es besorgte Töne, wenn auch die ehemalige Familienministerin Christina Schröder (CDU) gegen alle Kritiker ausholte und behauptete, es sei „naiv, verantwortungslos und dekadent“, eine „ganze Branche und Technologie zu dämonisieren“.
Das ist eine sehr interessante Definition von Verantwortung. Weil wir eine Verantwortung für die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft haben, laden wir nun erst recht dazu ein – wenn noch nicht geschehen – den Appell gegen die Fusion zu unterzeichnen.

Und wir haben Chancen. Einen Hinweis darauf gibt der Umgang der Finanzmärkte mit der von den Konzernspitzen beschlossenen Fusion: Aus dem Hause des Vermögensverwalters Bernstein ist zu hören, es gäbe eine Chance von 50 Prozent, dass die Übernahme tatsächlich zustande käme.
In der Finanzwelt sind sie damit die Optimisten. Denn der aktuelle Monsanto-Aktienkurs zeigt, dass  die Aktionäre dem Braten nicht trauen. Sonst könnten sie die Aktien jetzt kaufen und bald an Bayer zu dem angekündigten Preis von 128 Dollar verkaufen. Tatsächlich aber liegt die Aktie nur knapp über 100 Dollar das Stück. Die Börsen-Mathematiker schließen daraus und aus dem Verlauf der letzten Tage, dass die Finanzanleger dem Abschluss der Fusion nur 25 bis 33 Prozent Wahrscheinlichkeit geben.

Unterzeichne hier unseren Appell an die EU-Wettbewerbskommissarin!

11. Juli 2016 Kommentare sind deaktiviert Jutta Sundermann
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Was ist eine nachhaltige Tütensuppe?

Aktion Agrar beim Marktcheck des SWR – Sendung am Dienstag, den 12. Juli um 20.15 Uhr.

Der Lebensmittelkonzern Unilever ist mit vielen Marken in den Supermarktregalen präsent: Knorr, Langnese, Lipton, Becel, Pfanni, aber auch mit den Reinigungsmitteln Vim, Domestos und Sunlight oder den Kosmetiklinien Dove und Axe, um nur einige zu nennen.

Seit einigen Jahren wirbt der Konzern damit, besonders nachhaltig zu handeln. Alle Zulieferer von Agrarprodukten müssen sich dem „Unilever Sustainable Agriculture Code“ (SAC) unterwerfen. Wir haben untersucht, was drin ist im „SAC“ und was dran ist am „Nachhaltigkeitsplan“ des Knorr-Mutterkonzerns Unilever. Wir haben gesprochen mit dem Team vom SWR, die für ihren Marktcheck der neuen Unternehmensphilosophie auf die Spur kommen wollten – das Resultat ist am Dienstag, den 12. Juli, im Fernsehen zu betrachten – und danach in der Mediathek des Senders.

Mehr zu dem vielfältigen Konzern, der so gerne von Nachhaltigkeit spricht, gibt es in unserem Hintergrundpapier zu Unilever (Druckversion hier). Was verspricht das Unternehmen? Was ist vom „Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl“ zu halten, bei dem Unilever als weltgrößter Palmöl-Verwender intensiv mitmischt? Wie passt die Lobbyarbeit des Konzerns zum Versprechen von der Nachhaltigkeit?

24. Mai 2016 Kommentare sind deaktiviert Jutta Sundermann
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Bayer und Monsanto – Fressen und gefressen werden

Aus zwei der sieben größten Agrarkonzernen wird das weltweit größte Unternehmen für landwirtschaftliche Produktionsmittel. Die bevorstehenden Übernahme von Monsanto durch den deutschen Agrarchemiekonzern Bayer hat viel Empörung und Aufschrei ausgelöst. Zurecht: Die Macht über unsere Lebensgrundlagen konzentriert sich immer mehr und gefährdet damit selbstbestimmtes Leben auf dem Land und in der Stadt.

Doch das ist leider nicht neu: Die Märkte für Agrarchemie, Pflanzenschutz, Saatgut und auch Tierzucht sind bereits seit Jahren in den Händen von Oligopolen. Bayer und Monsanto feiern nicht die erste Elefanten-Hochzeit dieses Jahr. DuPont und DOW-Chemical, zwei riesige Agrochemiekonzerne sind mitten in ihrer Fusion, und auch Syngenta wurde erst kürzlich von ChemChina gekauft.

Bayer kauft sich mit Monsanto wieder an die Spitze der Gentechnik-Anwender und bekommt das Forschungs-Know-How, die Patente der GVO und eine erstaunliche Saatgutdatenbank gleich obendrauf. Kein Konzern hat so viel genetisches Material von so vielen Pflanzen gesammelt wie Monsanto. Die Privatisierung der biologischen Vielfalt (und insbesondere der Agro-Biodiversität) wird keines Falls gestoppt. Im Gegenteil – sie scheint sich noch stärker zu konzentrieren. Das ist ein großer Grund zur Sorge.
Was diese Fusion in der Praxis verändern wird, bleibt unklar. Wir können nicht erwarten, dass Gentechnik-Pflanzen nicht mehr angebaut werden dürfen, wo es heute erlaubt ist. Allerdings auch nicht, dass wegen der Eigentumsverhältnisse bei Monsanto, Bayer in Europa leichter Genehmigungen erreichen kann.

Monsanto, ein Konzern der schon seit Jahren höchst umstritten ist und vorwiegend Negativschlagzeilen produziert, wird nicht unbedingt schlimmer durch die Fusion, aber wahrscheinlich auch nicht besser. Bayer muss sich jetzt um seinen Ruf sorgen, der bisher aber auch nicht wirklich schillernd war. Es ist allerdings interessant, dass der Konzern das Wagnis eingeht und auf das extrem kurze Gedächtnis der Öffentlichkeit setzen zu können meint. Die Agrarchemie-Konzerne hängen sich zwar gerne das Mäntelchen des um die Welternährung besorgten Philanthropen um, aber am Ende müssen die Gewinne stimmen. Sonst nichts.

 


Bild: Ausschnitt aus „Agropoly – wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion“, Forum Umwelt und Entwicklung et.al., 2012, S.9