Leonie Dorn

Leonie Dorn

Vergisst beim Anblick von Klatschmohn all ihre Sorgen und trauert Jon Stewart immer noch nach.

16. November 2018 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Diskussionsveranstaltung: Wie gelingt die Pestizid-Reduktion wirklich? 27. November – Göttingen

Aktion Agrar und AbL Niedersachsen laden im Rahmen der Kampagne “Pestizide runter – Vielfalt rauf!” ein zu einer Diskussion über die Reduktion des Pestizideinsatzes. Sprechen werden Dr. Ramanjanyeyulu aus Indien und Matthias Erle, konventioneller Bauer aus dem Göttinger Umland.

Die gesellschaftliche Diskussion über den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft hat viele Menschen erreicht. Um die Bienen zu schützen wurden Neonicotinoide verboten, das Totalherbizid Glyphosat war Gegenstand einer europäischen Bürgerinitiative.

Wie gelingt die Pestizid-Reduktion wirklich? Wie können wir eine Landwirtschaft gestalten, die der Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten gut tut, die Wasser und Böden schützt und neue Zukunftsperspektiven für die bäuerlichen Betriebe eröffnet?

Mit Andhra Pradesh hat sich ein großer Bundesstaat in Indien entschlossen bis 2024 aus der Landwirtschaft mit Pesiziden auszusteigen. Die Regierung stellt 400 Millionen Dollar im Jahr zur Verfügung, um Millionen Bäuerinnen und Bauern und deren Familien mit alternativen Strategien vertraut zu machen. Dr. GV Ramanjaneyulu vom Centre for Sustainable Agriculture, Initiator des Projekts, berichtet von den aktuellen Entwicklungen aus Indien. Er sieht darin eine Chance, ein Vorbild für Agrarökologie in der ganzen Welt zu geben.

Matthias Erle ist konventioneller Landwirt aus Klein Lengden bei Göttingen. Er hat in den letzten Jahren seinen Fungizideinsatz deutlich reduziert, unter anderem durch genaue Analysen im Frühstadium eines Pilzbefalls. Er beklagt einen Rückgang ackerbaulichen Wissens und elementarer Erfahrungen mit Pflanzen, ihren Schädlingen und Krankheiten.

Aktion Agrar hat gerade eine Kampagne zur Reduktion des Pestizideinsatzes gestartet und will konventionelle Bäuerinnen und Bauern mit “Bios” und mit Konsumentinnen und Konsumenten zusammen bringen. Kooperationspartner für diese Veranstaltung ist die Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt aus Berlin (ASW) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Weitere Infos zur Kampagne gibt es auf: www.aktion-agrar.de/pestizide-runter
Nachfragen genre an: info@aktion-agrar.de

10. November 2018 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Bestelle jetzt Apfel-Flyer gegen Pestizid-Einsatz!

Trage diesen Herbst die Kampagne „Pestizide runter – Vielfalt hoch“ in die Kinos!
Die beiden Dokumentarfilme ,,Das Wunder von Mals” und der vielfach ausgezeichnete ,,Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen” werden zur Zeit vielerorts in Programm-Kinos ausgestrahlt. Bei beiden dreht es sich um den zentralen Konflikt unserer Landwirtschaft: industrielle Billigproduktion von Nahrungsmitteln versus Erhalt der Artenvielfalt und bäuerlicher Betriebe.

Bestelle jetzt den Kampagnen-Flyer in Apfelform und nimm’ ihn zur nächsten Kino-Vorstellung mit. So erreichen wir noch mehr Menschen, die gemeinsam mit uns einen Umbau in Tierhaltung und Ackerbau fordern.

27. Oktober 2018 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Challenge-Freitag: Abschluss und Ausblick

1_Schwarzwurzeln vorbereiten
2_angeschnittene Schwarzwurzeln
3_Essen ist fertig

Der Tag gestern lief völlig anders als geplant. Eigentlich wollte ich für Freunde oder Familie kochen. Aber mein Mann hat spontan eine Spätschicht übernommen, meine Tochter musste auch arbeiten. Und ich schleppe mich schon die ganze Challenge-Woche mit einer fetten Erkältung rum, sodass mir nach Gästen überhaupt nicht der Sinn stand. Aber da waren ja noch die Schwarzwurzeln, die ich am Mittwoch im Hofladen Hartmann gekauft hatte. Daher erzähle ich euch einfach, was ich damit gemacht habe. Zuerst musste ich sie vorbereiten.

Schwarzwurzeln vorbereiten
Beim Anschneiden von Schwarzwurzeln tritt ein milchiger Saft aus, der tierisch klebt. Du solltest dich also am besten mit einer Schürze und Küchenhandschuhen ausstatten, bevor du sie zubereitest. Außerdem solltest Du eine große Schüssel Wasser mit Zitronensaft bereitstellen, in die du die Schwarzwurzeln direkt nach dem Schälen geben kannst, sodass sie sich nicht verfärben. Da die Wurzeln meist voller Erde sind (so halten sie sich besser, das ist auch bei Kartoffeln etc. so), musst du diese erstmal ordentlich abschrubben. Dann die Schwarzwurzeln mit einem Sparschäler schälen, längst halbieren und in etwa zwei Zentimeter lange Stücke schneiden und sofort in die Schüssel mit Zitronenwasser geben.

Schwarzwurzel-Risotto zubereiten
Zuerst mal die Zutaten. Ich habe für sechs Personen gekocht, als wenn ich wirklich Gäste gehabt hätte. Auf gut Glück hatte ich ein Kilo Schwarzwurzeln gekauft, die ich jetzt in einem Schwung verarbeiten wollte, also passte das.

Für 6 Personen brauchst du:

  • 1 Zitrone bzw. etwas Zitronensaft
  • ein Stück Butter und evtl. etwas Rapsöl
  • 2 Zwiebeln
  • 1 kg Schwarzwurzeln
  • 375 g Risotto-Reis
  • 300 ml trockenen Weißwein
  • Gemüsebrühe (oder selbstgemachte Gemüsepaste, Rezept hier)
  • ein großes Stück Parmesan
  • 1 Bund Schnittlauch
  • Salz und Pfeffer

Und so geht’s:

Zwiebeln schälen und fein würfeln. Ein großes Stück Butter und evtl. ein wenig Rapsöl in einem großen Topf erhitzen und die Zwiebelwürfel zusammen mit dem Reis glasig dünsten. Vorbereitete Schwarzwurzeln in ein Sieb abschütten und in den Topf geben. Ebenfalls kurz andünsten lassen. Dann mit dem Weißwein ablöschen und köcheln lassen, bis der Wein fast verschwunden ist. Umrühren natürlich nicht vergessen.

Dann nach und nach die Gemüsebrühe zugeben und immer wieder umrühren. Ich habe bestimmt anderthalb Liter gebraucht. Aber nicht zu viel Flüssigkeit auf einmal zugeben. Denn wenn der Reis nach ungefähr einer halben Stunde gar ist, sollte ja alles schön cremig, aber nicht flüssig sein. Den Schnittlauch waschen, trocken schütteln und in Röllchen schneiden.

Am Schluss nach Belieben noch einen Stich Butter zum Risotto geben, ordentlich Parmesan in das Risotto reiben, Schnittlauchröllchen unterheben und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Fertig!

Ab auf die Couch – und Ende der Supermarkt Challenge

Ich gebe es zu, ich habe meine Portion in eine Decke gemummelt auf der Couch verspeist. Risotto ist für mich Soulfood und das war genau das Richtige. Emma (meine Tochter) ist gegen 21:00 Uhr noch mit ihrem Freund aufgetaucht und hat noch ein Schüsselchen probiert. „Schmeckt lecker, Mami!“, schallte aus der Küche Richtung Wohnzimmer. Den Wein habe ich zu gelassen, aber ich möchte euch noch kurz erzählen, wo ich ihn gekauft habe: In meiner Straße gibt es einen kleinen Weinladen, der von zwei jungen Frauen betrieben wird. Häufig hat er aber geschlossen, wenn ich dort vorbeikomme. Oder ich habe gerade woanders Wein gekauft, bin zu faul, dort anzuhalten oder was weiß ich. Jedenfalls bin ich am Donnerstag das erste Mal reingegangen und kam nach guter Beratung und netter Bedienung wieder raus. Außerdem mit der Info, dass die Öffnungszeiten bald ausgeweitet würden. Wie doof, dass ich das „Grün der Zeit“ so lange links liegen gelassen habe…

Aus der Supermarkt Challenge nehme ich auf jeden Fall mit, dass ich die kleinen Läden in Zukunft mehr im Fokus haben möchte. Meist ist es nur die Bequemlichkeit, wenn ich lieber alles in einem Rutsch im Supermarkt kaufe.

Was ich aber nicht verhehlen kann: Ein bisschen freue ich mich darauf, wieder in der einen bestimmten Filiale eines bekannten Supermarktes mitten in der Altstadt zu gehen. Denn dort trifft man fast immer Bekannte und die Kassiererinnen sind auch super. Ich werde aber bestimmt noch mehr darauf achten, hier nur das Nötigste zu kaufen und beim Großteil der Lebensmittel auf die Marktschwärmerei und auf den Altstadt-Bauernmarkt zu setzen.

So, und nun schicke ich den Mann um die Ecke zu „C‘est la vie“. Das ist eine Mischung aus Patisserie und englischem Sandwichladen, und dort gibt es das leckerste Baguette, selbst gebackene Croissants und Brioche, herzhafte Tartes und süße Törtchen. Dann wird erstmal gemeinsam gefrühstückt – heute sind ausnahmsweise alle drei Mechtels da, plus Emmas Freund Lovis.

Hier noch die Internetadressen der kleinen Läden:

www.gründerzeit-wein.de

www.cest-la-vie-cafe.de

Auf einer Pinterest-Pinnwand habe ich außerdem noch ein paar Infos und Rezepte zu Schwarzwurzeln gepinnt: www.pinterest.de/melakirkmechtel/schwarzwurzeln

26. Oktober 2018 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Pestizide runter!

Unterzeichne jetzt für eine enkeltaugliche Landwirtschaft.

26. Oktober 2018 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Supermarkt-Challenge: Streuobstwiese

P. Rieve & J. Bünnagel

Patrick Rieve & Julia Bünnagel, Mülheim Oktober 2018

Mülheim, Okt. 2018

Apfel-Hofverkauf, Mülheim, Oktober 2018

SupermarktChallenge Apfelverkauf 03

Goldparmäne, Mülheim, Oktober 2018

Meine Freunde Julia Bünnagel und Patrick Rieve machen nicht nur zeitgenössische Kunst, sondern zählen auch eine Streuobstwiese in der Eifel zu ihren Aufgabengebieten.

Erstmals (und zufällig während der Supermarkt-Challenge) haben sie zum Hofverkauf nach Mülheim geladen. Ein handgemaltes gelbes Schild auf dem Bürgersteig zeigt uns, wo es langgeht. Im Hof aufgebaut ein selbstgezimmerter Marktstand mit insgesamt 13 verschiedene Sorten Äpfel, Walnüsse, Apfelsaft und Quitten. Ich zähle 15 geduldig Wartende vor mir.

Wir bekommen ein Stückchen Blauacher Wädenswil gereicht. Ein älterer Herr verlangt einen Nussknacker um die Walnüsse probieren zu können und die Kundin neben mir packt ihre „gemischte Tüte“ zufrieden in den mitgebrachten Stoffbeutel.  Auf der Mauer am Rhein sitzen wir in der Sonne, blicken auf den niedrigen Wasserstand und essen hintereinander einen Gelben Edel, einen Blauen Kölner und eine Goldparmäne. Kleine, saftige und süße Äpfel, von denen jeder ein anderes Aussehen, eine andere Textur und ein ganz apartes Aroma hat.

 

25. Oktober 2018 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Supermarkt-Challenge: Das Fisch Paradies

SupermarktChallenge Dorade

Ein letztes Mal laufe ich die Hauptstraße hinunter. Vorbei am Bäcker und an der Kaffeerösterei, vorbei am alten Warenhaus, hinter dessen nun teilweise schon wieder sichtbaren Erdgeschoss sich das Kaufland, eine Woolworth-Filiale und ein gigantischer Drogeriemarkt im hellen Scheinwerferlicht auf die Eröffnung vorbereiten.

„Man muss kämpfen“, sagt der Fischhändler, „ist alles nicht mehr so leicht.“ Der junge Mann trägt einen dicken blauen Pullover und sieht ein wenig müde aus. Mit einer großen Metallschaufel läuft er nach hinten und kommt mit einer Ladung Eis wieder, die er sorgfältig auf den Makrelen verteilt. Der Laden ist zweckmäßig eingerichtet. Ein strahlend blauer Fußboden Kacheln mit einem Delfin-Motiv und ein Nazar-Amulett an der Wand. Es riecht angenehm nach Fisch, frisch, nicht alt. Ich betrachte die Sardinen vor mir, den Wolfsbarsch und die Doraden. Ganze Fische, noch nicht ausgenommen.

Im Fenster ein bisschen Pangasius-Filet, Lachs und Meeresfrüchte, aber der Fokus liegt eindeutig auf den ganzen Tieren, die in weißen Styroporkisten auf den Verkauf warten. Meerbarben, Seehecht, Forellen. In der Theke liegen Zettel mit den Bezeichnungen auf Türkisch und auf Deutsch. Auf den Sardellen steht außerdem „Alice“. Vermutlich der italienischen Kundschaft wegen, der Metzgerladen ist ja gegenüber.

Eine kleine Frau mit Kopftuch und einem langen engen Mantel betritt den Laden. Der Inhaber schaut mich fragend an. „Mach nur“, sage ich, „ich habe Zeit.“ Nach einem kurzen Beratungsgespräch auf Türkisch entscheidet sich die Frau für drei Wolfsbarsche. Der Verkäufer schuppt die Fische, ein irgendwie sprödes Geräusch. Als die Kundin gegangen ist, setzen wir unser Gespräch fort.

Seit zehn Jahren gibt es den Laden nun. Manchmal helfen seine Eltern hier aus. Die kamen 1978 von Istanbul nach Köln, der Vater als Türkisch-Lehrer. Und auch seine Mutter sei eine studierte Frau. „Die haben sich hier gewöhnt“, sagt er und schaut ein wenig abwesend auf die gerade ruhige Straße, „aber ganz ehrlich, du vermisst dein Land.“ 20 Prozent seiner Kunden seien türkisch, sagt er, der Rest gemischt – Deutsche, Italiener, Araber …

“Wie heißt du?“, frage ich.

„Orhan.“

„Nachname?“

„Lieber nicht.“

Er verrät noch, dass er 30 Jahre alt ist, ein Foto möchte er nicht machen. Auch nicht von seinen Händen, die einen Fisch halten. „Die Leute sind nicht mehr schnell“, sagt er und lenkt vom Thema ab, „hat sich viel verändert. Ich mag schnelle Geschäfte.“

„Was siehst du in mir?“, fragt er mich unvermittelt und ich weiß nicht direkt, was ich darauf antworten soll.

„Du scheinst mir jemand zu sein, der mehr erreichen will“, sage ich schließlich diplomatisch.

Die Antwort scheint ihm zu gefallen.
„Ja“, sagt er, „man muss kämpfen.“

Fisch Paradies
Rolshover Straße 3 /Di-Sa 9-19

25. Oktober 2018 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Challenge-Mittwoch: Unverpackt einkaufen

Gestern hat das EU-Parlament ein Gesetz zum Verbot von Einwegpastik auf den Weg gebracht. Wie gut, dass es schon längst Läden gibt, die Waren ohne (Plastik-)Verpackungen verkaufen. Melanie war gestern dort.

Emma vor dem Hinterausgang
Käse-Trio
Lose Ware

Für den Challenge-Mittwoch, Tag 6 des Selbstversuchs „Einkaufen ohne Supermarkt“, habe ich den Besuch beim Unverpackt-Laden Freikost Deinet eingeplant. Dafür habe ich wieder einmal früher Feierabend gemacht und bin zusammen mit meiner 18-jährigen Tochter Emma mit dem Bus nach Duisdorf gefahren, einem Stadtteil am entgegengesetzten Ende des Bonner Stadtgebiets. Obwohl ich das Konzept ziemlich gut finde und auch schon jede Menge Artikel über den Laden gelesen habe, war ich erst ein Mal dort. Und das auch nur zum Mittagessen im beruflichen Zusammenhang. Damals hatte ich jedoch nicht so richtig Gelegenheit, mich genauer umzuschauen, und das wollte ich unbedingt nachholen. Emma ist ebenfalls interessiert an alternativen und nachhaltigen Konsummöglichkeiten – das hat wohl ein wenig abgefärbt – und ich war froh, dass ich mal nicht alleine auf Einkaufstour gehen musste. Noch froher, als sich vor Ort herausstellte, dass ich nicht fotografieren durfte. Alleine wäre ich mir in dieser Situation etwas verloren vorgekommen. Zusammen haben wir dann aber alle Ecken des 90 Quadratmeter kleinen Ladens unter die Lupe genommen.

Besonders die Ecke mit den Spendern zum Selbstabfüllen hat mich interessiert. Während ich in den letzten Tagen Gemüse, Milchprodukte und Co. gekauft hatte, wollte ich doch mal schauen, was es an „trockenen“ Lebensmitteln zu kaufen gäbe, Mehl, Salz und Gewürze zum Beispiel. Erst sah es gar nicht nach viel aus, aber es gab jede Menge Getreide und Pseudogetreide, Trockenfrüchte, Nüsse, und verschiedene Nudeln – sogar aus Hülsenfrüchten, aus Emmer oder Dinkel. Außerdem Naschzeug wie Fruchtgummis, bunte Schokolinsen und schokolierte Nüsse und Trockenfrüchte.

Was ich nicht kapiert hatte und wegen meiner Abfuhr in Sachen Fotos mich nicht getraut habe zu fragen, habe ich nun im Nachgang auf der Deinet-Website nachgelesen; „Gerne mahlen oder schroten wir Ihnen unsere Getreidesorten frisch in unserer Mühle.“ Da wäre es gewesen, das Mehl aus heimischen Getreidesorten, wahlweise aus Weizen, Dinkel, Emmer, Gerste, Hafer oder Roggen. Aber die Chance hatte ich verpasst. Ich bin noch nicht mal darauf gekommen, dass ich das Getreide auch zu Hause hätte mahlen können. Denn dort steht, von einem Kunden leihweise zur Verfügung gestellt, eine Turbo-Küchenmaschine, die (fast) alles kann. So war ich aber in meinem Trott und habe nicht an die naheliegendste Lösung gedacht. Dabei habe ich, für den gerade erwähnten Kunden, sogar in einen Text geschrieben, dass selbst gemahlenes oder geschrotetes Getreide aromatischer sei und sich länger hielte. Tja, so ist das mit der Theorie und der Praxis…

Salz und Gewürze konnte ich mir leider auch nicht – wie man sich das romantisch denken könnte – mit einem kleinen Schäufelchen selber abfüllen. Für diese und weitere Dinge des regelmäßigen Bedarfs gibt es bei Freikost Deinet ausgewählte Produkte von Bio-Herstellern. Es irritiert schon ein wenig, dass der Laden auf den ersten Blick nicht viel anders aussieht als jeder andere kleine Bioladen. Beim zweiten Hinsehen ist es aber mehr als pragmatisch. Denn wer würde zum Beispiel blasse getrocknete Kräuter ohne Aroma kaufen wollen? Da nehme ich doch lieber abgepackte vom Bio-Kräuterspezialisten meines Vertrauens, zum Beispiel aus dem österreichischen Waldviertel.
Auch wenn man es anders erwartet – es macht schon Sinn, dass manches verpackt ist. „Verpackungsfreiheit hat ihre Grenzen und ist nicht für alle Produkte umsetzbar. Weil wir aber alle Nahrungsmittel des täglichen Bedarfs abdecken wollen, führen wir auch eine verpackte Produktpalette.“, so ist auf www.freikost.de nachzulesen. Wie gut, dass viele Bio-Unternehmen sowieso überwiegend auf Plastik und unnötige Umverpackungen verzichten.

Pragmatisch ist auch die Einstellung, dass es nicht darum geht, Supermärkte komplett zu ersetzen. Inhaber Tim Deinet sagte vor fünf Jahren in einem Interview auf Deutschlandfunk Nova „Hat ja niemand gesagt, dass der Supermarkt unverzichtbar ist. Was wir machen möchten ist, Hartplastikschalen für Tomaten vermeiden.“ Das ist jetzt, da ein willkürlich herausgepicktes Zitat, etwas zu kurz gegriffen, aber das macht die ganze Sache auch wieder glaubwürdig. Und wenn man sich ein wenig dafür interessiert, woher die Lebensmittel kommen, wird man hier auf jeden Fall den einen oder anderen Aha-Effekt erleben.

Viele der regionalen Lieferanten kenne ich zum Beispiel schon, weil ich in dieser Bonner Foodie-Szene unterwegs bin. So liegt hier Brot von Laib & Seele im Regal, das es auch – persönlich vom Bäcker oder seiner Frau – in meiner Marktschwärmerei gibt. Und über noch etwas freue ich mich sehr: In der Käsetheke mit wirklich tollem Angebot gibt es ein paar Spezialitäten von Haus Bollheim, einem Demeter-Hof in Zülpich. Den Käse habe ich bei verschiedenen Gelegenheiten probieren dürfen und fand ihn einfach toll, besonders den Bollheimer Pikantus, der ein wenig an Bergkäse erinnert – sehr lecker! Nur ist er nicht leicht zu bekommen. Nun kann ich ein großes Stück mit nach Hause nehmen. Dank der netten Beratung auch noch einen Comté und einen stark duftenden Brie, die ebenfalls sehr gut schmecken, wie wir zu Hause feststellen.

Mein Fazit
Eine gute Sache, der Freikost-Laden. Wegen der Entfernung aber für mich für den täglichen Einkauf nicht praktikabel. Wenn die Nudeln, die ich gekauft habe, lecker sind und ich regionales Getreide vermahlen wollte, würde ich wiederkommen. Für den Käse sowieso. Für den Rest schätze ich mich glücklich, dass mein Grüner Laden direkt um die Ecke ist. Das war einer der ältesten unabhängigen Bioläden in Bonn, der 2017 als Laden der DLS Mühlenbäckerei wiedereröffnet wurde. Das ist aber wieder eine andere Geschichte…

Mehr Informationen
Wer jetzt neugierig geworden ist, findet auf www.freikost.de weitere Informationen und zahlreiche Medienberichte über den Unverpacktladen Freikost Deinet. Unter www.freikost.de/freikost-partner-2/ werden die regionalen Lieferanten vorgestellt, außerdem die Transition-Town-Initiative Bonn im Wandel und die SoLaWi Bonn, die ich schon nach meiner Recherche am ersten Challenge-Tag genannt hatte.

Kleine Empfehlung zum Schluss:
Ich möchte allen, die sich für das Thema „Nachhaltiger Konsum“ in Bezug auf Lebensmittel interessieren, gerne noch das gleichnamige Themenportal auf der Website des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) ans Herz legen. Und das nicht nur, weil ich in diesem Bereich als freie Online-Redakteurin für das BZfE tätig bin. Sondern, weil es dort unabhängige und sachliche Informationen zum Beispiel zu alternativen Einkaufsorten, nachhaltigen Ernährungsinitiativen und zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen und Verpackungsmüll gibt. Ein Besuch auf www.bzfe.de/nachhaltiger-konsum lohnt sich auf jeden Fall!

 

23. Oktober 2018 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Supermarkt-Challenge: Metzgerei Guiseppe Iaia

SupermarktChallenge Metzgerei

Am Montagmittag mache ich mich wieder auf in die Rolshover Straße. Ab Ecke Hauptstraße versuche ich die Lage zu erkunden. Von hier sieht es immer so aus, als habe der Laden geschlossen. Ein paar junge Männer stehen vor der italienischen Bar auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Vor mir betritt ein Mann die Metzgerei. Ich folge ihm durch den vorderen Teil des Geschäfts, in dem man Pasta und Konserven kaufen kann. Die Kasse, die mich aufgrund ihrer geringen Höhe immer an einen Kaufmannsladen für Kinder erinnert, ist nicht besetzt. Aber hinter der Theke steht, in einem makellosen weißen Kittel, die mittelalte Dame, bei der ich sonst meine Wurst kaufe. Dann sehe ich den Chef. Er ist frisch rasiert und schaut mich fröhlich an.

„Da bin ich wieder“, sage ich und bemerke erst dann wieder den Mann neben mir.

„Entschuldigung, Sie waren zuerst dran.“

„Ich würde gerne …“, sagt der Mann.

Der Chef winkt ihn rüber zu seiner Mitarbeiterin. „Er will mich etwas fragen“, sagt er und zeigt auf mich.

„Da bin ich wieder“, sage ich noch einmal.
Ich bekomme erklärt, dass er seinen Bruder gefragt habe, dass das aber leider nicht gehe, wegen zu viel Stress und überhaupt zu viel.

„Zu viele Kunden?“, frage ich.

„Neinein“, sagt der Chef, „die Gesundheit.“

Obwohl ich innerlich schon auf eine Absage eingestellt bin, frage ich trotzdem.
„Aber ein bisschen schreiben, darf ich trotzdem?“

„Aber nicht, dass wir besser als andere …“
„Komm“, sagt er und ich folge ihm hinter die Theke, vorbei an der schmalen Wurstküche in ein winziges Büro. Der jüngere Mann von den letzten Besuchen wischt sich die Hand an der Schürze ab und begrüßt mich.
Ich setze mich auf einem hellbraunen Hocker neben dem überfüllten Schreibtisch. Überall Aktenordner, Papiere und ein bisschen Nippes. Ich fasse neuen Mut.

„Ich zeige Ihnen das mal auf dem Computer“, sage ich, klappe mein Notebook auf, vertippe mich erst einmal mit dem Passwort und öffne den aktuellen Beitrag mit Bäcker Schlechtrimen.

„Gut“, sagt Giuseppe Iaia, „das ist gut. Ein bisschen Werbung ist immer gut. Aber nicht sagen, dass wir besser sind als die anderen.“

„Nein, mache ich nicht“, verspreche ich ihm.

„Ich habe auch …“, sagt er, greift über mich hinweg in einen Schrank, in dem weitere weißen Schürzen liegen, und reicht mir eine Visitenkarte.
Ein grün umrandetes Foto zeigt ihn vor seiner Theke, ein Messer in der Hand, beim Schneiden von Rindfleisch.  67 Jahre ist er alt und seit 40 Jahren hier. „Immer hier“, sagt er und beschreibt mit einer Handbewegung vage Kalk und die nähere Umgebung. Aus Apulien stammt er, im Südosten Italiens. In Köln ist er gelandet, weil sein Vater hier in der Fabrik gearbeitet hat. Wieder die Handbewegung.

„Habe ich besucht, habe ein bisschen geguckt und dann bin ich geblieben und habe ein Geschäft aufgemacht.“

Ob der jüngere Mann sein Sohn sei, will ich wissen.

„Nein, das ist der andere. Diese hier ist … ein Freund.“
Aber auch sein Sohn arbeitet hier und der Bruder natürlich. Ein Familienunternehmen eben.

„Und ein Foto geht aber nicht?“, frage ich sicherheitshalber noch einmal, wo ich jetzt schon so weit gekommen bin.

„Ja, ja, doch, warum nicht?“

Und dann wird mir klar, dass es die ganze Zeit nur darum geht, dass sein Bruder nicht mit aufs Foto möchte oder kann.

„Haben Sie auch eine Internetadresse“, frage ich, „dann kann ich Ihnen den Beitrag schicken, wenn er fertig ist.“

„Nein, nein, habe ich nicht. Wenn die jungen Leute das wollen – warum nicht. Aber ich, nein.“

„Grazie“, sage ich und reiche ihm die Hand, „alla prossima.“

Ein Lächeln geht über sein Gesicht. „Alla prossima. Ciao.“

Metzgerei Guiseppe Iaia. Johann-Mayer-Straße 18 / Mo-Sa 8-18

23. Oktober 2018 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Challenge-Montag: Marktschwärmer

Online bestellen – auf dem Marktabholen. Melanie hat am Montag den Marktschärmern in Bonn einen Besuch abgestattet.

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Gestern war Marktschwärmer-Tag. Zumindest in „meiner“ Marktschwärmerei Bonn Altstadt. Die Abholtage legen die GastgeberInnen selbst fest. Dabei sind ideale Abholzeiten, wenn die meisten Menschen Feierabend haben. Bei mir ist das zwischen 17:30 und 19:00 Uhr. Für alle, die nicht wissen, wie so eine Marktschwärmerei funktioniert, schreibe ich das Wichtigste heute kurz zusammen.

Vorab noch kürzer ausgedrückt: Als Mitglied einer Marktschwärmerei kannst du regionale Produkte im Internet bestellen und zu einer festen Zeit an einem festen Ort abholen. Dabei triffst du deren Erzeuger persönlich, außerdem deine Gastgeberin oder deinen Gastgeber, die das Ganze organisieren und dir bei Fragen und Problemen weiterhelfen.

Auch wichtig: Es gibt weder einen Bestellzwang noch einen Mindestbestellwert. Was, wann, wie oft und wie viel du bestellst, bestimmst du selbst.

 

Das Prinzip Marktschwärmer

Da wir der Meinung sind, dass Lebensmittel viel zu schade sind, um durch Politik und Supermärkte verramscht zu werden, wollen wir unsere Produkte viel lieber direkt an die Kunden abgeben.“, so steht im Flyer von „Spicher’s Hof“ geschrieben. Und diese Einstellung dürften auch die anderen Erzeuger meiner Marktschwärmerei teilen. Um Landwirten und Lebensmittelhandwerkern eine Plattform für die Vermarktung ihrer Produkte zu geben und Verbrauchern einen direkten Weg zu guten Lebensmitteln aus der Region zu ermöglichen, wurde 2010 in Frankreich La Ruche qui dit Oui! (“Der Bienenkorb, der Ja sagt”) gegründet und ab 2014 durch nationale Netzwerke in anderen europäischen Ländern erweitert.

Marktschwärmer ist ein selbständiger Teil dieses europäischen Netzwerks in Deutschland und wird von Berlin aus betreut. Anfang 2018 gab es 45 aktive Schwärmereien in zehn Bundesländern, die von ca. 750 Erzeugern beliefert werden. 60 weitere Schwärmereien sind im derzeit im Aufbau. In Frankreich sind es übrigens ungefähr 500(!) Gruppen. Die Gastgeber/innen der Marktschwärmereien nutzen die digitale Plattform mit dem Bestell- und Bezahlsystem und werden bei der Werbung unterstützt. Dafür geben sie 10 Prozent ihres Umsatzes an Marktschwärmer ab. Die Gastgeber/innen selbst erhalten 8,35 Prozent des Umsatzes für ihren Einsatz. Der Rest geht an die Erzeuger.

 

Zahlen und Fakten zur Schwärmerei Bonn Altstadt

Aktuell sind 1.128 Mitglieder in der Schwärmerei Bonn Altstadt registriert. Jede Woche gibt es im Schnitt ca. 60 Kunden. Darunter sind zwar viele Stammkunden, aber zum Teil wechselt die Kundschaft auch von Woche zu Woche, wie mir meine Gastgeberin Zoe verraten hat. Erzeuger sind zurzeit um die 20 dabei. Nicht alle können aber jedes Mal vor Ort sein. Wird eine bestimmte Mindestbestellsumme nicht erreicht, können sich die Erzeuger außerdem von Woche zu Woche selbst entscheiden, ob sich der Verkauf für sie lohnt.

Heute habe ich diese Anbieter im Quartiersbüro meines Wohnviertels getroffen:

– Den Obsthof Rönn mit leckerem Apfelsaft im 5-Liter-Schlauch und vielen tollen Apfelsorten sowie Birnen und Kürbissen.

– Malte Hövel vom Breuner Hof mit seinem Demeter-Gemüse und Eiern.

– Thomas Kremer mit selbst gebrautem Craft Bier namens „Toms Hütte“ in zwei Sorten.

– Katja Flohe von der Spezialitätenbäckerei Laib & Seele

– Cornelia Schröder (Conny) mit allerlei wunderbaren Produkten vom Garten und Land Hofladen Hartmann.

Außerdem gibt es in der Marktschwärmerei Bonn Altstadt Käse aus Kuh- und Ziegenmilch, Fleisch und Wurst vom Rind, Schwein, Lamm und Kaninchen, Kaffee aus einer kleinen Rösterei, Kräuter und Gewürze, Backmischungen für Brot und vieles andere mehr. Handgemachte Köstlichkeiten wie Müsli, Schokolade, Dattelkonfekt, süße und herzhafte Brotaufstriche, sensationelle Walnusstörtchen, Senf und Wein ergänzen das Sortiment. Die Aufzählung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, zeigt aber eines ganz gut: Mit den Produkten aus der Marktschwärmerei kann ich eigentlich schon ganz gut durch die Woche kommen. Und das alles von Erzeugern, denen ich vertraue, ohne (Einweg-)Verpackungen und wegen der Vorbestellung frisch vom Feld.

So begeistert wie ich sind aber nicht alle Menschen.

 

Kritik an den Marktschwärmereien

Ein Kritikpunkt ist zum Beispiel das enge Zeitfenster für die Abholung. Man will doch spontan und flexibel sein beim Einkauf. Manchmal ist es die Internetplattform generell, häufiger jedoch die Online-Bezahlung, die abschreckt. Dabei sind mehrere Methoden möglich, darunter auch Paypal.

Kritik gab es in Frankreich vor allem vonseiten der SoLaWi-Anhänger, die das Konzept mit seiner Gewinnorientierung als direkte Konkurrenz zur eigenen, gemeinnützigen Wirtschaftsweise sehen. Tatsache ist aber auch, dass viele Verbraucher zwar saisonale Produkte aus der Region schätzen, jedoch meist weder Zeit noch Lust haben, sich in einer Solidarischen Landwirtschaft oder in anderen Ernährungsprojekten zu engagieren. Zoe weiß, dass es diese Kritik auch bei uns gibt. Mittlerweile wird aber eher das Ergänzende als das Trennende gesehen: „Ich habe KundInnen, die ihr Gemüse über die SoLaWi beziehen und andere Lebensmittel wie Brot, Eier, Fleisch und Wein bei mir. Ist doch toll, dass sich das ergänzt und diese Leute damit schon zum größten Teil regional einkaufen.“, so Zoe.

Das kann ich auf jeden Fall unterstreichen. Daher möchte ich jedem, der eine Schwärmerei in der Nachbarschaft hat, nur empfehlen, es einfach mal auszuprobieren. Null Risiko. Und nette Kontakte gibt es gratis dazu – versprochen!

 


 

Infos zur Marktschwärmerei Bonn Altstadt mit vielen lebendigen Einblicken gibt es auf der Facebook-Seite.

 

Auf der Marktschwärmer-Website könnt Ihr außerdem noch einmal genau nachschauen, wer gestern alles mit welchen Produkten bei meiner Schwärmerei dabei war: https://marktschwaermer.de/de/assemblies/9473

 

Wenn ihr noch mehr Infos braucht und wissen wollt, ob es schon eine Marktschwärmerei in eurer Nähe gibt, geht einfach über die Startseite www.marktschwaermer.de. Vielleicht möchtet ihr sogar selber eine gründen?