Hast Du schon mal überlegt, Dir mühsame Gartenarbeit mit einem Roboter teilen zu können? Gartenarbeit, die Du auch über Dein Smartphone steuern kannst? Oder kannst Du Dir vorstellen, mit neugierigen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeiten der Robotik in der Landwirtschaft zu erkunden? In Krefeld machen Tüftler:innen aus Landwirtschaft und Technik das gerade möglich. Jutta sprach mit Stella Lorscheidt, Lucas Dahl und Josef Franko.
Hier haben sie das „Robofeld“ angelegt: ein rundes Feld in dessen Mitte ein großer Schwenkarm befestigt ist. Mit dessen Hilfe kann der Gemüseanbauroboter DAVEGI jeden Punkt der Fläche erreichen und dort sähen, Pflanzen setzen und sie wässern, Beikräuter hacken oder reifes Gemüse ernten. Das Bildungsprojekt der gemeinnützigen Organisation „Open Research Base“, kurz ORB, ist noch in der Entwicklung und findet in engem Austausch mit der AI.Land-GmbH statt, die den Roboter entwickelt und ständig neue kleine Lösungen ergänzt.

Der DAVEGI-Gemüseanbauroboter an seinem Schwenkarm kommt an jeden Kohlkopf auf dem kreisrunden Feld (Bildquelle: ORB)
Aus der Entwicklungsarbeit der ORB geht quelloffene Software hervor, die mit der Software des Roboters verknüpft wird. Derweil trainieren die Entwickler mit künstlicher Intelligenz den Roboter immer weiter, damit er bald alle Handgriffe beherrscht, die ein empfindlicher Salat oder ein knackiger Kohlkopf bis zur Übergabe an Gemüsefans benötigen. Sogar Schnecken soll er eines Tages absammeln können.

Mit den humanoiden Roboterarm-Aufsätzen kann der Roboter z.B. filigrane Erntearbeiten leisten. (Bildquelle: AI.Land)
Ein lebendiges Lernfeld
Bis es soweit ist, und DAVEGI vom Samenkorn bis zur Gemüseernte alles beherrscht, begleiten unter anderem Kinder und Jugendliche das Werden des Roboters. „Robofeld“-Projektmitarbeiterin Stella erzählt mir bei unserem Gespräch: „Wir haben so viel Wissen weiter zu geben. Die Kinder lernen, was wichtig für erfolgreichen Gemüseanbau ist. Sie lernen aber auch, was Robotik heute möglich macht und was KI und Landwirtschaft miteinander anfangen können. Vor allem in den Klassen der Sekundarstufe I und II steigen wir auch tiefer ein in die Physik und die Software dahinter.“
Und das Interesse an dem Projekt ist groß: Die deutsche Filmstiftung hat eine Spieleentwicklung zum Projekt gefördert. Und auch mit dem Zdi-Zentrum KreMINTec arbeite ORB zusammen – dieses will möglichst vielen jungen Menschen die Vielfalt und die Möglichkeiten der MINT-Fächer (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) näherbringen. Stella berichtet, dass bis jetzt ein großer Teil der Arbeit ehrenamtlich geleistet wird. Aber die Nachfrage wächst, das Angebot wird immer besser und bald schon sollen hier auch ein paar Einnahmen zusammen kommen.
Auf der Website lädt „Robofeld“ zudem Einzelpersonen ein, ein paar Quadratmeter Gemüsefeld zu pachten und es dann in enger Zusammenarbeit mit dem Roboter zu bewirtschaften.
… ein digitaler Zwilling und Spielerei
Ernsthafte technische Entwicklung und spielerische Aufbereitung liegen beim Krefelder Projekt nahe beieinander. Damit der Roboter künftig auch von zu Hause aus gesteuert werden kann, entwickeln „Robofeld“-Projektleiter Josef und sein Team einen digitalen Zwilling. Die runde Fläche, der große Schwenkarm des Roboters und jede einzelne Pflanze sollen dann auf dem Bildschirm noch einmal abgebildet sein. Wenn dann später die Nutzerin an ihrem Rechner dem digitalen Zwilling befiehlt, die Salatköpfe zu gießen, sieht sie animierte Tropfen – aber draußen auf dem Feld gibt es echtes frisches Wasser für das Gemüse.
Das lädt auch ein, daraus ein Gemüseacker-Abenteuerspiel zu machen. Schon jetzt gibt es eine erste Test-Version, in der die Spielenden einen Miniroboter über das Feld bewegen können. An jeder Pflanze finden sie Informationen zu deren Wohlbefinden und mit einer Mini-Gießkanne können sie Pflanzen wässern. Etwas befremdlich ist die kleine Mini-Axt mit der Beikräuter und Käfer aus dem Feld geschlagen werden. Freiwillig ansteuern können die Spielenden eine Quiz-Station und dort beweisen, wie viel sie über Zusammenhänge auf dem Acker wissen. Geld gibt es auch zu verdienen. Mit den gesammelten Spielmünzen sind Roboter-Dienste und Düngemittel einkaufbar.


Das süße Robofeld-Maskottchen (l.) und das Robofeld im „digitalen Zwilling“ (r.) – Spielerei mit Lerneffekt (Bildquelle: ORB)
Roboter für gemeinschaftsgetragenen Gemüsebau?
Wenn es nach der Crew des Robofeldes geht, soll es den Roboter mit seinen runden Feldern in einigen Jahren in mehreren Städten geben. Ein bisschen ähnlich einer SoLaWi könnten Vereine oder Genossenschaften Feld und Maschine betreiben und sich das Gemüse teilen. Von Anfang an ist der große Schwenkarm so konzipiert, dass darauf auch Gemüsekisten über das Feld schweben können, die der Roboterarm nach und nach füllt. „Farm to Fork“ in Krefeld – also vom Feld direkt bis auf den Teller – bedeutet also auch: Der Roboter weiß, wie er am Ende Vielfalt in die Kiste packt.
Zuversichtlich ist das Projektteam, dass die rasante Entwicklung in diesem Bereich ihrem Traum zu Gute kommt: Die Maschinen werden immer günstiger, die KI immer besser. Während der erste DAGEVI noch rund 100.000 Euro kostete, sollen es bald 70.000 Euro oder weniger sein. Für einen kleinen Betrieb immer noch eine große Investition, die sich aber auch rechnen kann. Gerade vor dem Hintergrund von fehlenden Fachkräften kann eine solche Entwicklung also für den Gemüsebau attraktiv werden.

Die Anbaulogistik ist bei der Entwicklung von Anfang an mitgedacht: Der Roboter trägt Gemüsekisten „auf dem Rücken“. (Bildquelle: AI.Land)
Großes Interesse
Über zu wenig Aufmerksamkeit kann die Crew von Robofeld nicht klagen: Am Tag vor unserer Verabredung war die Wirtschaftsministerin des Landes NRW, Mona Neubauer, zu Gast. Ende 2025 erhielt das Projekt eine der Medaillen des „Innovation Awards 2025“ der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft im Rahmen der großen Messe „Agritechnica“ in Hannover. Stella, Lucas und Josef erzählen begeistert von ihrer Arbeit – sie sehen vor allem die vielen Möglichkeiten der Digitalisierung.

Großes Interesse am DAVEGI-Roboter – eine Dokumentation zeigt den aktuellen Stand der Entwicklung. (Bildquelle: WDR)
Offene Software und Reparierbarkeit
Im Gespräch vermitteln sie aber auch politische Zukunftsvisionen: Eine Landwirtschaft, die mit gut informierten Menschen und mit gut trainierter Software arbeitet, sichert auch Unabhängigkeit. Wer die Krefelder Technik nutzt oder Hard- und Software weiterentwickelt, unterwirft sich also nicht der Macht der großen Konzerne. Wie John Deere in den USA den Farmern das Leben schwer macht, mit teuren Vertragswerkstätten und der Blockade von eigenen Reparaturen, das kommt für die Menschen hinter dem „Robofeld“ und ORB nicht in Frage. Sie vermitteln große Freude an ihrer innovativen Arbeit und ihrer Freiheit.
Weitere Infos und Links:
Webseite des Projekts – https://www.o-r-b.eu/robofeld
AI-Land – https://www.a-i.land/
WDR-Dokumentation – Landwirtschafts-Roboter: Zukunft für regionales Gemüse?

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