Frauen* in der Landwirtschaft

Am 8. März feiern wir den Internationalen Frauen*tag. Grund für uns, die Lebens- und Arbeitsbedingungen für Frauen in der Landwirtschaft näher unter die Lupe zu nehmen. Schon mal vorweg: von Gleichberechtigung kann weder hier in Deutschland, noch in vielen anderen Teilen der Welt die Rede sein.

In Deutschland arbeiten über 340.000 Frauen* auf landwirtschaftlichen Betrieben. Viele der Frauen haben eine Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich absolviert oder verfügen über ein abgeschlossenes Studium. Zwar haben Frauen* und Männer an Bildungseinrichtungen vermeintlich gleiche Chancen, trotzdem finden sich in Deutschland nur 10% Frauen* in betrieblichen Führungspositionen. Auch EU-weit liegt der Durchschnittswert lediglich bei 28%. Ca. 40% der Landfrauen* arbeiten ohne Arbeitsvertrag, zum Beispiel, wenn sie in den Betrieb eingeheiratet haben. Damit zahlen sie weder in die Sozial- noch in die Rentenversicherung ein.

In Krisenländern sind Frauen* und Mädchen stärker als Männer von Armut, Hunger und Krankheit betroffen. Mütter leiden am meisten unter Nahrungsmangel und schlechter medizinischer Versorgung. Der Weltagrarbericht hat deutlich gemacht, dass Gleichberechtigung von Frauen* und Männern in der Landwirtschaft ein effektives Mittel im Kampf gegen den Hunger ist. Frauen* produzieren in den Ländern des globalen Südens bis zu 80% der Lebensmittel. Sie müssen sich dabei häufig in traditionelle Rollenbilder fügen: Während Männer eher mit dem Anbau von Cash-Crops Einkommen generieren, übernehmen Frauen* Arbeiten, mit denen sie kein Geld verdienen und finanziell abhängig bleiben. Sie übernehmen essentielle Aufgaben, wie den Anbau von vielen verschiedenen Kulturen, die Sorge um die Saatgutgewinnung und -aufbewahrung und die Weitergabe von Wissen um Heilpflanzen. Eigenes Land besitzen sie dabei nur selten. Entweder weil Frauen* der Besitz von Land rechtlich verboten ist, oder eine patriarchale Erbfolge ihnen diesen verweigert. Der gleichberechtigte Zugang von Frauen* zu Land könnte die Produktivität der kleinbäuerlichen Landwirtschaft um 20 bis 30 % steigern. Doch die Möglichkeit von Frauen ihre Gemeinschaft und Familie mit gesunden und vielfältigen Nahrungsmittel zu versorgen, fordert noch mehr. Frauen* müssen gleichen Zugang zu Bildung und Ressourcen erhalten. Sie müssen selbstständig ein Konto eröffnen dürfen und nicht zuletzt über ein Grundrecht auf körperliche Selbstbestimmung verfügen, also auch ob und in welchem Alter sie heiraten und Kinder zur Welt bringen möchten.

Viele Frauen* bauen vielfältige Lebensmittel an, ihnen fehlt allerdings viel zu oft das Mitspracherecht in der Agrarpolitik oder bei Entscheidungen auf Betrieben. Lasst uns heute gemeinsam für die Rechte der Frauen* weltweit auf die Straße gehen! Für einen besseren Zugang zu Land, Wissen, Ressourcen und mehr Mitbestimmung für alle Gender und Geschlechter!

 

 

Wir-haben-es-satt twittert zum Frauentag unter #MackervomAcker

 

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Leonie Steinherr
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