30. November 2018 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Bundeskartellamt leitet Missbrauchsverfahren gegen Amazon ein

Die Wettbewerbshüter haben Untersuchungen in Amazons Geschäftspraxis gegenüber Händler*innen auf dessen Plattform eingeleitet. Dem Online-Konzern wird vorgeworfen, seine Doppelrolle als Händler und Verkaufsplattform zu missbrauchen.

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28. November 2018 Kommentare sind deaktiviert Jutta Sundermann
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… pestizid-freie Landwirtschaft bedeutet auch Freiheit!

Wieviel Pestizidreduktion ist möglich, wie kam es im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh zu einem Pestizid-Ausstiegsbeschluss – und was muss passieren, damit es in Deutschland auch gelingt, die eingesetzten Mengen von Pflanzenschutzmitteln zu senken?
Richtig voll wurde es am Dienstag, den 27.11., in der Event-Scheune des Hotels Sachsenross in Nörten-Hardenberg. Aktion Agrar, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt hatten zu Diskission eingeladen, 35 Menschen waren ihr gefolgt, die allermeisten von ihnen Landwirt*innen, mehr als zwei Drittel mit konventionellen Betrieben.

Eingangs berichtete Dr. Ramanjaneyulu vom Centre for Sustainable Agriculture, (CSA) in Indien. Er berät seit rund 20 Jahren Bäuerinnen und Bauern, wie sie auf synthetische Pestizide verzichten können und ihren Böden und Pflanzen Gutes tun.
Beklemmend waren Ramoos Schilderungen, die Susanne Triesch für das Publikum perfekt übersetzte, von unglaublich vielen Selbstmorden unter Bauern und extrem niedrigen Familieneinkommen. Vergiftungsfälle sind bei den Kleinstbetrieben häufig, da die Bauern die Giftspritzen auf ihrem Rücken tragen und selbst im Nebel der Wirkstoffe stehen. Resistenzen und immer wieder sinkende Preise für die Produkte machten aus dem Wirtschaften mit Pestiziden ein Fass ohne Boden – von Klimaschutz und Artenvielfalt ganz zu schweigen.
Mehrfach hat die Regierung Andhra Pradeshs Bildungsprogramme gefördert. Jetzt hat sie verkündet, ab 2027 eine komplett pestizid-freie Landwirtschaft erreichen zu wollen. Das neue Wissen um Pflanzenschutz mit heimischen Mitteln, wie Knoblauch, Chili, Neemöl und Rinder-Urin verschaffe den Bauern Entscheidungs-Freiheit.
Trotz aller Unkenrufe, insbesondere vonseiten der Industrie, zeigte sich in den pestizid-freien Dörfern, dass die Erträge der Höfe leicht gestiegen, während die Kosten um durchschnittlich 20% gefallen sind.

Im Anschluss sprach Matthias Erle, konventioneller Landwirt in der Gemeinde Gleichen, südlich von Göttingen. Er mästet Schweine und baut Getreide, Zuckerrüben, Winter- und Sommergerste sowie Ackerbohnen an. Den Raps hat er gerade aufgegeben, dessen Erträge waren extrem gering und die gelben Ölpflanzen waren seine „Spritzkultur Nummer 1“.
Er berichtete, wie wichtig es ihm geworden ist, gesunde Sorten anzubauen, die resistenter sind als andere vor allem gegen Pilze. Immer wieder schaut er dabei auch nach Resultaten von Landessortenversuchen im Ökolandbau. Seit Jahren macht er gute Erfahrung mit dem sogenannten Argus-Monitoring, für das er Pflanzenproben in ein Labor schickt und genaue Informationen erhält, welche Krankheiten seine Pflanzen tatsächlich drohen. Seit Fungizid-Einsatz liegt dadurch um 30 bis 40 Prozent unter den Empfehlungen der Offizialberatung der Landwirtschaftskammer. Gerade in einem trockenen Jahr wie 2018 stellte er fest, dass auch in Niedersachsen die Kosten für den Pestizideinsatz für den einzelnen Betrieb wieder relevant werden.
Um Kosten geht es zu seinem Bedauern auch oft bei der Entscheidung für Glyphosat: „Während ich für einen guten Grubberstrich 40 Euro pro Hektar rechnen muss und etwa 60 für die Pflugfurche, kann ich mit Glyphosat den Acker für 12,50 Euro sauber machen.“ Allerdings ist sich Erle sicher, dass der Verzicht auf Glyphosat gelingen wird.

In der anschließenden Diskussion gab es Zuspruch und scharfe Kritik für beide Beiträge. Ein Vertreter der Landwirtschaftskammer erklärte, dass in den schriftlichen Ratschlägen höhere Mengen diverser Pflanzenschutzmittel empfohlen würden, als in den Terminen direkt auf den Höfen. Etliche Bauern haben die Nase voll von Kritik an ihrer Arbeit und von Verbraucher*innen, die viel schimpfen aber beim Einkauf auf den Preis statt auf die Produktionsweise achten. Einige Redner*innen betonten, dass es um den Blick auf den ganzen Betrieb, das ganze System gehen muss, während andere erklärten, die Gesunderhaltung ihrer Pflanzen sei nunmal ihr Job.
Einigkeit herrschte bei der Frage, dass mehr Austausch und Gespräch wichtig sei.

 

Die Veranstaltung ist der Teil der Kampagne: Pestizide runter – Vielfalt hoch!
Unterzeichen jetzt den Appell und mach dich mit uns stark für einen Umbau in Ackerbau und Tierhaltung!

16. November 2018 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Diskussionsveranstaltung: Wie gelingt die Pestizid-Reduktion wirklich? 27. November – Göttingen

Aktion Agrar und AbL Niedersachsen laden im Rahmen der Kampagne “Pestizide runter – Vielfalt rauf!” ein zu einer Diskussion über die Reduktion des Pestizideinsatzes. Sprechen werden Dr. Ramanjanyeyulu aus Indien und Matthias Erle, konventioneller Bauer aus dem Göttinger Umland.

Die gesellschaftliche Diskussion über den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft hat viele Menschen erreicht. Um die Bienen zu schützen wurden Neonicotinoide verboten, das Totalherbizid Glyphosat war Gegenstand einer europäischen Bürgerinitiative.

Wie gelingt die Pestizid-Reduktion wirklich? Wie können wir eine Landwirtschaft gestalten, die der Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten gut tut, die Wasser und Böden schützt und neue Zukunftsperspektiven für die bäuerlichen Betriebe eröffnet?

Mit Andhra Pradesh hat sich ein großer Bundesstaat in Indien entschlossen bis 2024 aus der Landwirtschaft mit Pesiziden auszusteigen. Die Regierung stellt 400 Millionen Dollar im Jahr zur Verfügung, um Millionen Bäuerinnen und Bauern und deren Familien mit alternativen Strategien vertraut zu machen. Dr. GV Ramanjaneyulu vom Centre for Sustainable Agriculture, Initiator des Projekts, berichtet von den aktuellen Entwicklungen aus Indien. Er sieht darin eine Chance, ein Vorbild für Agrarökologie in der ganzen Welt zu geben.

Matthias Erle ist konventioneller Landwirt aus Klein Lengden bei Göttingen. Er hat in den letzten Jahren seinen Fungizideinsatz deutlich reduziert, unter anderem durch genaue Analysen im Frühstadium eines Pilzbefalls. Er beklagt einen Rückgang ackerbaulichen Wissens und elementarer Erfahrungen mit Pflanzen, ihren Schädlingen und Krankheiten.

Aktion Agrar hat gerade eine Kampagne zur Reduktion des Pestizideinsatzes gestartet und will konventionelle Bäuerinnen und Bauern mit “Bios” und mit Konsumentinnen und Konsumenten zusammen bringen. Kooperationspartner für diese Veranstaltung ist die Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt aus Berlin (ASW) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Weitere Infos zur Kampagne gibt es auf: www.aktion-agrar.de/pestizide-runter
Nachfragen genre an: info@aktion-agrar.de

11. Oktober 2018 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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19.-26. Oktober – Einkaufen ohne Supermärkte

Kannst du eine Woche ohne Supermarkt? Wir wollen gemeinsam mit euch die großen Handelsketten und den Online-Riesen Amazon umgehen und die tollen Einkaufsmöglichkeiten in unseren Regionen besser kennenlernen. Jetzt anmelden!

26. September 2018 Kommentare sind deaktiviert Leonie Dorn
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Megafusionen: Mit dem Wirtschaftsministerium im Dialog

Nachdem unser Bündnis am 21. Juni über 23.000 Unterschriften für strengere Fusionskontrolle und Entflechtung von Megakonzernen ans Wirtschaftsministerium übergeben haben, antwortet die Abteilung für Bürgerdialog des Hauses auf unsere Forderungen:


Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie haben am 21. Juni 2018 im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Petition “Megafusion stoppen – Konzernmacht begrenzen” mit über 23.000 Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern übergeben. Hierzu nehmen wir gern Stellung und bitten Sie – wie mündlich besprochen -, diese Stellungnahme auf Ihre Webseite zu veröffentlichen.

Die Europäische Kommission hat als unabhängige Wettbewerbsbehörde die Übernahme von Monsanto durch Bayer auf Grundlage der EG-Fusionskontrollverordnung eingehend geprüft und am 21. März 2018 unter Bedingungen genehmigt. Diese Bedingungen sehen u.a. vor, dass Bayer bestimmte Geschäftssparten bzw. Vermögenswerte veräußert. Nach Einschätzung der Europäischen Kommission wird dadurch gewährleistet, dass auf den Märkten für Saatgut, Pflanzenschutzmittel und digitale Landwirtschaft auch nach dem Zusammenschluss wirksamer Produkt- und Innovationswettbewerb herrscht.

Nach geltender Rechtslage ist die Berücksichtigung außerwettbewerblicher Aspekte in der Fusionskontrolle (z.B. Umweltschutzbelange) grundsätzlich nicht direkt möglich. Die Fusionskontrollverordnung  enthält in Artikel 2 Absatz 1 Beurteilungskriterien, mit denen z. B. auch Umweltschutzbelange indirekt mit berücksichtigt werden können. Anhand der gesetzlichen Kriterien beurteilt die Europäische Kommission, ob durch den geplanten Zusammenschluss wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt erheblich behindert würde und die Fusion deshalb zu untersagen ist. Ist das nicht der Fall, muss sie den Zusammenschluss genehmigen (Artikel 2 Absatz 2 Fusionskontrollverordnung).

Wir bitten um Verständnis, dass wir Verfahren vor den unabhängigen Wettbewerbsbehörden grundsätzlich nicht kommentieren. Weitere Informationen können Sie den Verlautbarungen der Europäischen Kommission entnehmen

http://europa.eu/rapid/press-release_IP-18-2282_de.htmlhttp://ec.europa.eu/competition/mergers/cases/additional_data/m8084_4718_7.pdfhttp://europa.eu/rapid/press-release_IP-18-2322_en.html
Auf folgender Seite können Sie die am 25.05.2018 in englischer Sprache veröffentlichte Entscheidung der EU-Kommission finden und nachlesen
http://ec.europa.eu/competition/elojade/isef/case_details.cfm?proc_code=2_M_8084
Allgemein zu Zusammenschlüssen von Unternehmen:

Zusammenschlüsse zwischen Unternehmen sind grundsätzlich erlaubt und als Ergebnis einer freiheitlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung auch erwünscht. Unternehmen können beispielsweise so ihre Geschäftsfelder neu ausrichten oder ihr Innovationspotential erhöhen und damit den Wettbewerb beleben.

Geplante Zusammenschlüsse von Unternehmen können aber auch nachteilig für den Wettbewerb sein. Daher unterliegen Zusammenschlüsse unter bestimmten Voraussetzungen (u.a. Umsatzschwellen) der Fusionskontrolle durch die unabhängigen Wettbewerbsbehörden.

In Deutschland schützt das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) den Wettbewerb als Fundament der Wirtschaftsordnung. Die drei Säulen des Gesetzes sind die Kartellbekämpfung, die Fusionskontrolle und die Missbrauchsaufsicht. Zuständige Wettbewerbsbehörde auf Bundesebene ist das Bundeskartellamt; darüber hinaus gibt es Landeskartellbehörden.

Fusionskontrolle ist in Deutschland Aufgabe des Bundeskartellamtes. Dieses untersucht bei Fusionen die Verhältnisse auf den verschiedenen, von einem Zusammenschluss betroffenen Märkten und bewertet die konkreten Auswirkungen des Vorhabens für den Wettbewerb. Überwiegen die wettbewerblichen Nachteile, kann ein Zusammenschlussvorhaben untersagt oder nur unter Bedingungen (z.B. Veräußerung von bestimmten Unternehmensteilen) frei gegeben werden. Dies ist insbesondere der Fall, wenn zu erwarten ist, dass durch den Zusammenschluss eine marktbeherrschende Stellung erlangt oder verstärkt wird.
Bei der Beurteilung der Marktverhältnisse spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle, u.a. die Marktanteile der am Zusammenschluss beteiligten Unternehmen und deren Wettbewerber, die Verfügbarkeit wettbewerbsrelevanter Ressourcen (z.B. Patente, Produktionsstätten, Vertriebsnetze), Marktzutrittsschranken für neue Anbieter, Schranken für die Expansion bereits auf dem Markt aktiver Anbieter, Wechselkosten für Kunden sowie ggf. die Nachfragemacht der Marktgegenseite.

Näheres zur deutschen Fusionskontrolle finden Sie auf der Webseite des Bundeskartellamtes https://www.bundeskartellamt.de/SharedDocs/Publikation/DE/Merkbl%C3%A4tter/Merkblatt%20-%20Deutsche%20Fusionskontrolle.html?nn=3590440.
Wenn Zusammenschlüsse eine sogenannte “gemeinschaftsweite Bedeutung” haben, werden sie – wie im Fall Bayer/Monsanto – nach der Europäischen Fusionskontrollverordnung geprüft. Die Kontrolle über solche Zusammenschlüsse obliegt grundsätzlich der Europäischen Kommission in Brüssel http://ec.europa.eu/competition/mergers/overview_en.html
Die Fusionskontrolle ist eine Prüfung, die an der Marktstruktur ansetzt und die Auswirkungen eines geplanten Zusammenschlusses bewertet. Die von Ihnen vorgeschlagene Entflechtung von Konzernen wäre als Marktdesign im Rahmen einer Marktstrukturkontrolle einzuordnen. Diese ist vom Gesetzgeber in der deutschen und europäischen Wettbewerbsordnung jedoch nicht vorgesehen und gehört deshalb nicht zu den Aufgaben des Bundeskartellamtes bzw. der Europäischen Kommission.

Abschließend möchten wir Sie noch darauf hinweisen, dass Fragen des Einsatzes von Glyphosat in der Landwirtschaft in den Aufgabenbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gehören https://www.bmel.de/DE/Startseite/startseite_node.html
Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Team vom Bürgerdialog BMWi


Wir und unsere Partner beim INKOTA-Netzwerk und dem Forum für Umwelt und Entwicklung wollten das nicht unkommentiert lassen. Unsere Antwort an das Ministerium könnt ihr hier lesen.

 

 

21. Juni 2018 Kommentare sind deaktiviert Karen Schewina
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Abschluss der Kampagne „Stoppt Bayer-Monsanto“: 23.000 Unterschriften für strengere Fusionskontrolle und Entflechtung von Megakonzernen

Heute haben wir von Aktion Agrar zusammen mit dem Forum Umwelt und Entwicklung über 23.000 Unterschriften an eine Vertreterin des Bundeswirtschaftsministeriums überreicht. Auch die Student*innen der Initiative “Unkonzerned” waren mit dabei.
An einer langen Wäscheleine präsentierten wir Zitate und Statements von Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet zur Frage der (Markt)Macht großer Konzerne. Unser aufblasbarer Konzerndino rieb sich den Bayer-Bauch nach dem Fraß von Monsanto, vollführte ein Freudentänzchen vor dem Ministerium und schüttelte der Vertreterin für den Bürger*innendialog die Hand. Die Vertreterin des Ministeriums war zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit unseren Forderungen nicht bereit, versprach aber eine schrfitliche Antwort aus dem Ministerium.
Mit unserer gemeinsamen Kampagne seit letztem Sommer hatten Aktion Agrar, Inkota und das Forum Umwelt und Entwicklung unter dem Slogan „Megafusionen stoppen“ von der Bundesregierung gefordert, sowohl die Fusion von Bayer und Monsanto mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof anzufechten als auch die Regeln für große Konzernübernahmen der Zukunft zu verschärfen. Im vergangenen Jahr hatten wir mit unserer Kampagne an über 20 Orten Informationsveranstaltungen organisiert, waren mit dem aufblasbaren Konzern-Dinosaurier auf Tournee und hatten von Menschen aus dem ganzen Land Video-, Foto- und Text-Beiträge zur Frage eingesammelt: „Wann ist ein Konzern zu groß?“
Die Übergabe der Unterschriften ist zum einen der Schlusspunkt unserer Kampagne. Zum anderen markiert er den Start einer neuen Auseinandersetzung des breiten zivilgesellschaftlichen Bündnisses „Konzernmacht beschränken“ mit dem Wirtschaftsministerium. Das zivilgesellschaftliche Bündnis Konzernmacht beschränken fordert die Bundesregierung auf, eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof einzureichen.
Hier sind wir von Aktion Agrar weiter aktiv und auch der Bayer-Konzern mit seiner Saatgut- und Pestizidsparte wird uns natürlich weiter beschäftigen.

Vielen Dank an alle, die sich im letzten Jahr an der Kampagne und an der Auseinandersetzung um Konzernmacht und Kontrolle des Saatguts beteiligt haben!

7. Juni 2018 Kommentare sind deaktiviert Astrid Goltz
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Heute offiziell: Bayer schluckt Monsanto

Heute kommt der Fusionsprozess der beiden Pestizid- und Saatgut-Giganten Bayer und Monsanto zum Abschluss. Damit werden die Konzerne gestärkt und die Ernährungssouveränität gefährdet. Wir fordern im Bündnis “Konzernmacht begrenzen” mit über 25 anderen Organisationen: Es braucht eine Verschärfung der europäischen Fusionskontrolle!

Jetzt führt für den Bauern oder die Bäuerin in Detuschland, aber auch weltweit, kaum noch ein Weg vorbei an Bayer. Oder an den großen Landmaschinenkonzernen, die ihrerseits versuchen, alles vom Betriebssystem bis hin zum Know-how über Saatgut und Pestizide zu kontrollieren. Für Bäuerinnen und Bauern ist die Unabhängigkeit von Anbietern, die Verfügung über die Daten sowie eine breite Sortenauswahl entscheidend. Es ist das ausdrückliche Ziel von Bayer-Monsanto, in Zukunft so genannte integrierte Lösungen einzuführen, sprich Kombipakete von Saatgut und Pestiziden. Eine digitale Vermessung der Äcker mittels Drohnen zeigt dann an, wie viel davon angewendet werden soll. Die Konzentration im Agrarsektor ist schon seit Jahren dramatisch und gefährdet zunehmend die Ernährungssouveränität weltweit. Bayer und andere Konzerne sind beinahe nonstop auf Einkaufstour. Immer bedrohlicher werden dabei auch Konzernübernahmen entlang der Wertschöpfungskette. Dann gehören mehrere Stufen der Produktion zu einem Unternehmen und die Abhängigkeit der Bauern nimmt massiv zu.

Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), dem Forum Umwelt und Entwicklung und Goliathwatch fordern wir die Bundesregierung auf, in Brüssel für eine Verschärfung der europäischen Fusionskontrolle einzutreten und vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Fusionsentscheidung zu klagen. Bei der Fusionsprüfung müssen soziale, ökologische und menschenrechtliche Auswirkungen geprüft und vorrangig vor Profitinteressen bewertet werden. Wenn negative Folgen zu erwarten sind, darf die Fusion nicht genehmigt werden.

Wir dürfen nicht den Fehler machen, systemrelevante Großkonzerne über unser Essen bestimmen zu lassen. Es steht zu viel auf dem Spiel, hier bei uns, aber insbesondere auch für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern weltweit.

Ende Juni werden wir die über 15.000 gesammelten Unterschriften für eine schärfere Fusionskontrolle an einen Vertreter aus dem Wirtschaftsministerium übergeben. Wir haben endlich einen Termin bekommen und basteln gerade an einer wirksamen Darstellung der vielen Stimmen gegen Konzernmacht, die wir in den vergangenen Monaten gesammelt haben. Jetzt erst Recht: unterstützt unsere Initiative gegen Konzernmacht!

16. April 2018 Kommentare sind deaktiviert Karen Schewina
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Diskutieren, schlemmen, kontaktieren: erstes politisches Marktfrühstück!

Samstagmorgen auf dem Kranoldplatz: unter dem Pavillion versammeln sich schon die ersten Stammgäste der “Dicken Linda”. Man kennt sich, tauscht Neuigkeiten aus. Es wird zur Kenntnis genommen, dass hier heute neue Menschen auftauchen, die sich erst suchend umsehen und dann das Schild “Jahr der Alternativen” wiedererkennen, das am Pavillion hängt.

Um 11.15 sind alle Plätze belegt, 20 Gesichter schauen Bauer Klaus an, der hier jeden Samstag Gemüse und Kräuter von seinem Hof verkauft und bald in den wohlverdienten Ruhestand gehen will. Er hat keine Schwierigkeiten, seine Bioland-Produkte loszuwerden, sieht Berlin eher als einen wachsenden Markt. Sein Problem ist, eine*n geeignete Nachfolger*in für sein Lebenswerk zu finden, damit er mehr Zeit in seinem Bioladen in Beeskow verbringen kann, wo er gerne mehr Veranstaltungen organisieren würde.
Nikolaus Fink, Inhaber von “diemarktplaner“, die 11 Wochenmärkte in Berlin organisieren, hat eigentlich auch mal Biologischen Landbau studiert. Und die Entwicklung der letzten Jahre stimmt ihn sorgenvoll: die Konzernmacht in der Landwirtschaft hat zugenommen, immer weniger große Zusammenschlüsse diktieren Anbaubedingungen und Preise. Um dem etwas entgegenzusetzen, müssen sich Produzent*innen und Konsument*innen zusammen tun und gemeinsam für ihre Vorstellung von einer bäuerlichen Landwirtschaft streiten. Von alleine wird das nicht passieren.
Vorbeigehende auf dem Markt bleiben stehen und hören zu. Jemand reicht die Dose mit den Schokokeksen rum. Zu Nikolaus’ Beitrag gibt es viele Fragen, doch irgendwann muss er los, schließlich hat er einen Markt zu betreuen.
Die Gesprächsrunde geht weiter mit der Vorstellung einer konkreten Initative: denn die Vorstellung von einer zukunftsfähigen Landwirtschaft versuchen viele Menschen im Rahmen von “Solidarischer Landwirtschaft” umzusetzen. Ein Mitglied der Gruppe auf dem Spörgelhof stellt vor, wie das bei ihnen abläuft: geteiltes Risiko für den Anbau, geteilte Ernte. Regelmäßige Treffen und Mitspracherecht für die Jahresplanung und die entstehenden Kosten.Mit einem festen Beitrag im Jahr bieten die Mitglieder dem Hof und den dort arbeitenden Menschen mehr Planungssicherheit und finanzieren den Anbau, nicht mehr die einzelne Möhre.
Aber wie kommen diese Ideen auf die politische Bühne? Der Ernährungsrat in Berlin hat es sich zum Ziel gesetzt, alle an Ernährung Interessierten zusammenzubringen. Dazu gehören grassroots Initiativen genauso wie Kommunalpolitiker*innen und die verarbeitenden Betriebe. Die Gemeinschaftsverpflegung soll verbessert werden: mehr regionales, biologisch angebautes Gemüse in Kantinen, Kitas und Schulen. Und jede*r kann mitmachen, genauso wie in den anderen bisher gegründeten Ernährungsräten in Köln und Frankfurt oder den 39 Initiativen in Gründung. Denn es geht darum, aktiv zu werden. Darin waren sich die Teilnehmer*innen am Marktfrühstück über den Tisch hinweg einig.

Die Initiative “Stop Bayer Monsanto” präsentierte deshalb zum Abschluss ihre Pläne, das Thema ins Bewusstsein zu rücken. Denn auch bei großen Konzernzusammenschlüssen ist es in der Vergangenheit z.B. bei dem Riesenkonzern Standard Oil gelungen, eine Entflechtung einzuleiten: wenn sich genug Menschen äußern und ihren Protest kundtun, kann das auch bei der Fusion von Bayer und Monsanto möglich sein. Dass die europäische Kommission und die zuständigen Behörden in den USA zugestimmt haben, ist zwar ein Signal in die falsche Richtung aber noch nicht das Ende der Auseinandersetzung!
Zustimmung in der Runde, in der währenddessen Bagels geschmiert und der Selleriesalat weitergereicht wird. Nach der offiziellen Verabschiedung von Leonie und Karen von Aktion Agrar bleiben viele Teilnehmer*innen noch sitzen, ins Gespräch vertieft.

Lust, selbst ein Marktfrühstück zu organisieren?
Dann schau dir gerne die Seite “Veränderung veranstalten” an und/oder schreibe eine Mail an info@aktion-agrar.de. Wir unterstützen dich so gut es geht bei der Umsetzung.

9. April 2018 Kommentare sind deaktiviert Jutta Sundermann
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Lieblingsläden sagen Amazon Adé!

Zukunft braucht andere Handelsbeziehungen!

Seit Mai 2017 ist Amazon fresh auch in Deutschland am Start. Der Chef des Online-Giganten Amazon, Jeff Bezos, gab sich extrem selbstbewusst, den Lebensmittelhandel umkrempeln zu können. Amazon wollte seinen Frischelieferdienst unter anderem durch „Lieblingsläden“ attraktiv machen.
Wir kritisierten schon 2017, dass die ungleiche Partnerschaft massive Auswirkungen auf die einzelnen Betriebe und ihrer Zulieferer haben kann. Wir sehen Gefahren für die Zukunft regionaler Direktvermarktungsstrukturen und andere Ansätze des Lebensmittelhandels. Schon mehrere Tausend Menschen fordern mit uns von der Politik, die Macht des Onlineriesen einzuschränken und Direktvermarktungsstrukturen auf Augenhöhe zu fördern. www.aktion-agrar.de/amazon
Anfang 2018 zeigt sich, dass unsere Kritik an diesen Kooperationen und die mäßig gut funktionierende Praxis des Lieferdienstes zu wirken beginnen: Von den 28 „Lieblingsläden“, die am Anfang in Berlin von Amazon vorgestellt wurden, hat sich ein Drittel bereits von der Liste nehmen lassen.

Erste „Lieblingsläden“ haben sich zurückgezogen

Nicht mehr dabei sind die Biosupermarktkette Basic, Schokoladenhersteller Rausch, Feinkostläden wie Maître Philippe et filles und Raamson, der Kaffeeanbieter Bonanza oder der Schnellversorger mit Sandwich, Smoothies und Suppen Dean & David.
Das ist auch unser Erfolg, denn die Kritik an der Kooperation hat die Läden über viele Wege erreicht. Wir schrieben unter anderem Basic und Tegut.
Den jetzt ausgestiegenen Läden sagen wir:
„Herzlichen Glückwunsch zu dieser guten Entscheidung!“
Wir sprechen sie an und fragen nach ihren Gründen beziehungsweise den Vermarktungsformen, die sie für zukunftsfähig wären.

Ähnlich, wie Aktion Agrar es schon im letzten Jahr vorraussagte, war die Zusammenarbeit für die Läden alles andere als lukrativ. So schreibt der Supermarktblog:

„Eine wesentliche Rolle dürfe auch spielen, dass sich Amazon auf der Fresh-Startseite in den vergangenen Monaten nicht gerade überanstrengt hat, Kunden die Auswahl der lokalen Partner schmackhaft zu machen – die Sortimente seien ziemlich „versteckt“, kritisiert ein Partner. (In der Amazon-App kommt man zur „Lieblingsläden“-Übersicht nur, wenn man am oberen Bildschirmrand der Fresh-Starseite auf den hellgrauen Pfeil drückt und an dritter Stelle im Dropdown-Menü klickt.)
In großer Regelmäßig werden hingegen Produkte großer (und vermutlich: gut zahlender) Industriehersteller hervorgehoben. Gerade gibt’s „Maggi Würzmischungen“  als Kostenlos-Zugabe für jeden Besteller, hurra!“
[https://www.supermarktblog.com/2018/01/23/zu-wenig-bestellungen-amazon-fresh-laufen-die-lieblingslaeden-davon/]

Unsere Lieblingsläden sagen Amazon: „Adé!“

Mit der Aktion „Jahr der Alternativen“ macht sich Aktion Agrar stark für andere Wege der Produkte zwischen Bauernhöfen und Lebensmittelverarbeitenden Betrieben zu den Kundinnen und Kunden.
Diese guten Ideen machen Mut und Lust auf anderes Einkaufen.
Siehe auch: www.aktion-agrar.de/jahr-der-alternativen

Die Läden, die heute noch mit Amazon kooperieren könnten das morgen beenden.
Vielleicht besonders dann, wenn wir das Gespräch suchen. Wenn dabei viele Menschen mitmachen, bringen wir den Stein ins Rollen!

21. März 2018 Kommentare sind deaktiviert Astrid Goltz
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Monsanto heißt bald Bayer – EU-Kommission genehmigt Mega-Fusion

Die EU-Wettbewerbskommissarin hat heute für die Mega-Fusion von Bayer und Monsanto grünes Licht gegeben. Ein schwarzer Tag für Bäuerinnen und Verbraucher, denn auf dem Weg zum weltweit größten Saatgut- und Pestizidhersteller steht Bayer-Monsanto nun wenig im Wege. Die Entscheidung der EU wird die Wettbewerbsbehörden in den USA ebenso beeinflussen wie in Schwellenländern wie China und Indien. Dort steht eine Genehmigung für den Mega-Deal noch aus.

Hier ist die Pressemitteilung von Aktion Agrar im Bündnis „Konzernmacht beschränken“ mit 27 weiteren Organisationen.
Hier geht’s zur Pressemitteilung der EU-Kommission

In der heutigen Pressekonferenz erklärte EU-Kommissarin Margrethe Vestager, dass Bayer Geschäftsanteile in Höhe von sechs Milliarden Euro verkaufen müsse. Das meiste geht wohl an BASF, so dass die Macht der weltweit größten Chemie- und Saatgutkonzerne ungebrochen bleibt. Das Menschenrecht auf Nahrung und die Ernährungssouveränität ist dadurch besonders im globalen Süden bedroht.

Eine schlimme Nachricht für alle, die seit bald zwei Jahren mit uns gegen diese Fusion kämpfen. Aber es ist nicht das Ende unseres Engagements für freies Saatgut und gegen die Übermacht der Konzerne. Wir sagen: jetzt erst recht! Unsere Bundesregierung kann viel tun: sie kann die Entscheidung vor dem Europäischen Gerichtshof anfechten. Und sie kann erst einmal in Deutschland, dann auch in Europa das Wettbewerbsrecht verschärfen, um Mega-Fusionen in Zukunft zu verhindern. In den kommenden Wochen werden wir den neuen Wirtschaftsminister Peter Altmaier um ein Gespräch dazu bitten und ihm die Unterschriften unter unseren Appell gegen Konzernmacht überreichen. Hunderte von Statements gegen Konzernmacht projezieren wir an die Fassade des Wirtschaftsministeriums.

Unterzeichne jetzt gegen Konzernmacht

Im Bündnis „Konzernmacht begrenzen“ treten wir mit 27 anderen Organisationen dafür ein, dass die Bundesregierung das Wettbewerbsrecht verschärft und der Konzentration der Konzerne Grenzen setzt: sei es im Lebensmitteleinzelhandel, wo vier Konzerne 85 Prozent des Marktes unter sich aufteilen, im Online-Bereich mit Google, Amazon oder Facebook oder eben auf dem Saatgutmarkt. Das sind dicke Bretter zu bohren und verlangt einen langen Atem, aber im Bündnis und mit der Unterstützung vieler können wir es schaffen.

Engagiert euch für freies Saatgut und kauft konzernfrei ein – auch jede*r Einzelne kann etwas tun. Packen wir es gemeinsam an!